Denkmal als erster Job Noch mehr Möpse für Loriot

Gerade war Clara Walter, 23, noch Architektur-Studentin, nun baut sie Mops-Skulpturen und ein Loriot-Denkmal für 50.000 Euro. Ein Atelierbesuch.

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In einem Innenhof-Atelier in Berlin-Tiergarten hat Clara Walter dem Mops seine Würde zurückgegeben: Aufrecht thront er auf einer Holzkiste. Seine runden Augen richtet er in die Ferne, auf dem durchgedrückten Nacken zeichnen sich nur leichte Fettfalten ab. Seinen Kopf krönt ein kleines Geweih mit acht Enden. Der wilde Waldmops ist zurück.

Das Fantasietier entstammt einem legendären Loriot-Sketch aus den Siebzigerjahren. Im agitatorischen Stil damaliger Tierschützer beklagt der Humorist die Degeneration des einst elchartigen Raubtieres. "Blinder Züchterehrgeiz" hätte aus dem stolzen Mops das schwer schnaufende Sofakissen gemacht, das er heute ist. Aus deutschen Wäldern habe der Mensch den Mops fast völlig vertrieben. Das zu ändern, ist Clara Walters Mission.

Ein stolzer Jäger: Clara Walters Waldmops-Skulptur in ihrem Berliner Atelier
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Ein stolzer Jäger: Clara Walters Waldmops-Skulptur in ihrem Berliner Atelier

"Am Hals ist er noch etwas mager." Mit weißverschmiertem Zeigefinger tippt die Künstlerin Walter in eine Furche der Skulptur. Mit einem schmalen Holzspachtel verstreicht sie fingerkuppengroße Batzen Keramikmasse am Hals des Mopses, der sich vor ihr auf eine Holzplatte fläzt.

Denn so possierlich, wie seine brezelförmige Stupsnase ihn wirken lässt, ist der Waldmops eigentlich gar nicht: Auf seinen Raubzügen verwüste der Ahne des drolligen Schoßhundes Wälder, fresse Vogelbabys und reiße Rotwild, dozierte Loriot. Also braucht er einen mächtigen Hals.

Aus dem Studium direkt zum Mops

Die Waldmops-Skulpturen sind Walters erster Auftrag nach dem Studium, gerade hat die 23-Jährige ihren Bachelor als Innenarchitektin erlangt. In Brandenburg an der Havel, Loriots Geburtsort, baut sie ein ganzes "Waldmopsinformationszentrum" zu Ehren des 2011 verstorbenen Komikers. Wenn dort die Bundesgartenschau im April eröffnet wird, soll es fertig sein.

Eine Professorin an ihrer Hochschule in Detmold hatte sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht, in einem Seminar zeichnete die Studentin die ersten Mops-Entwürfe. "Ich bin da ganz blauäugig rangegangen", sagt Walter, während sie mit dem Finger über dünne Risse im Rücken eines getrockneten Mopses fährt.

Den Finanzplan und ihr dreiseitiges Konzept schrieb sie parallel zur Bachelorarbeit. Als sie das 1:100-Modell ihres Entwurfs unverpackt ins Büro des Kulturvereins trug, standen dort die Konkurrenzmodelle in eigens für den Wettbewerb beschrifteten Holzkisten. "Das kann ja nichts werden, dachte ich."

50.000 Euro lässt sich der örtliche Kulturverein das Denkmal kosten - ein Riesenauftrag für eine Anfängerin. Aus fast hundert anonymen Einsendungen, viele von erfahrenen Künstlern, konnte die Jury wählen. Walters Idee begeisterte die Auswahlkommission um den Vereinsvorsitzenden und Bundesaußenminister, Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der Mops könne doch das neue Wappentier Brandenburgs werden, scherzte Steinmeier auf dem Sommerfest des Kulturvereins.

Acht Möpse nach Walters Modellen sollen bis April in Bronze gegossen und als Rudel in einen Park gestellt werden. Loriot selbst erhält einen Sockel, auf dem nur seine Fußspuren zu sehen sind. "Ich glaube nicht, dass Loriot angeguckt werden wollte. Er war selbst Beobachter der Gesellschaft", sagt Walter. Dann stockt sie, dreht den Kopf zu dem aufrechten Mops: "Ich wüsste echt gerne, was Loriot davon gehalten hätte."

Eine Wand voller Möpse: Loriot-Zeichnungen hängen überall im Atelier
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Eine Wand voller Möpse: Loriot-Zeichnungen hängen überall im Atelier

Ein Bronze-Loriot, bei der Enthüllung gepriesen und bald ignoriert, wäre jedenfalls nicht die Sache des Komikers gewesen. Hinter Loriots bürgerlichem Habitus versteckte sich der feinsinnigste Bürgerschreck der Republik. In Loriots Sketchen explodieren kleine Atomkraftwerke in weihnachtlichen Wohnzimmern, Freundschaften zerbrechen wegen einer unfair geteilten Nachspeise, und ein steifer Konversationskurs endet für den einzigen Teilnehmer im Besäufnis.

"Es ist brutal, wie er in die Spießigkeit seiner Charaktere reingrätscht", sagt Raphael Danke, der Bildhauer, mit dem Walter zusammenarbeitet. Ihr Denkmal soll den Betrachter überraschen, fordern: Einige der Bronze-Möpse, selbst ja hinterhältige Killer, lauern in Gebüschen. "Vielleicht stolpert mal jemand drüber", sagt der vollbärtige Künstler und grinst.

Mit Danke steht Walter nun jeden Tag sechs Stunden in dessen Berliner Atelier, zwischen unverputzten Wänden und Metallregalen. Früher presste Maggi in den Räumen Brühwürfel. Heute liegen in der Ecke beinhohe Stapel alter "Vogues", zur Inspiration hängen an den Wänden Bilder von Möpsen im Zucht-Endstadium und Loriots Zeichnungen. Dass die beiden Künstler nicht zu stark vom Original abweichen, dafür sorgt Susanne von Bülow.

"Plötzlich bin ich Auftraggeber von allen möglichen Leuten"

Mit der Tochter Loriots telefoniert Clara Walter jede Woche. Walter schickt ihr Bilder der Skulpturen, von Bülow gibt Ratschläge und bittet um Änderungen. Die Brezelschnauze oder das sahnehaubenförmige Ringelschwänzchen wurden auf von Bülows Wunsch nachgearbeitet, die das geistige Erbe ihres Vaters verwaltet.

Mit dem aufrechten Mops ist von Bülow schon beinahe zufrieden. Unter dem Hintern des Mopses ist noch eine etwas zu tiefe Rinne. Mit einem Schwamm befeuchtet Walter die Rückseite der Skulptur und verschmiert an den Beinen wieder die tonähnliche Keramikmasse. Vor ihr liegt ein Schwarz-Weiß-Bild, auf dem ein Mops sein Hinterteil prominent in die Kamera reckt.

Arbeit am Mops-Hinterteil: Clara Walter füllt eine Rinne mit Keramikmasse
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Arbeit am Mops-Hinterteil: Clara Walter füllt eine Rinne mit Keramikmasse

Für die Architekturabsolventin ist der Loriot-Auftrag ein Schnellkurs im professionellen Arbeiten: "Plötzlich bin ich Auftraggeber von allen möglichen Leuten", sagt Walter immer noch leicht verwundert. Kürzlich hat sie sich mit der Betonfabrik über die Fundamente für die Statuen beraten. Mit dem Denkmalamt muss sie klären, wo die Betonklötze überhaupt in den Boden gelassen werden dürfen.

An Metallstäben sollen die Möpse befestigt werden, um Bronzediebe abzuschrecken. Dass sich schon wieder rücksichtslose Menschen am Waldmops vergreifen, das soll Clara Walter nicht passieren.



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000184159 10.10.2014
1. Nicht sehr originell...
...denn auf den Mops ist schon der Bildhauer Herbert Monke Rauer aus Osnabrück gekommen... Dieses Loriot-Denkmal ist seit Jahren zu bewundern in Bremen. http://www.taz.de/!124504/
travelflo 10.10.2014
2.
Zitat von spon-facebook-10000184159...denn auf den Mops ist schon der Bildhauer Herbert Monke Rauer aus Osnabrück gekommen... Dieses Loriot-Denkmal ist seit Jahren zu bewundern in Bremen. http://www.taz.de/!124504/
Artikel nicht gelesen? Es geht um die Neuinterpretation des Mops als degeneriertes wildes Tier zum Couch-Kissen (daher auch die skurile Mischung zwischen Elch und Mops). Beim Bremer Denkmal sehe ich nur einen üblichen Mops, nicht gerade sehr originell.
spon-facebook-10000184159 10.10.2014
3. In dem Artikel etwas überlesen?
Zitat von travelfloArtikel nicht gelesen? Es geht um die Neuinterpretation des Mops als degeneriertes wildes Tier zum Couch-Kissen (daher auch die skurile Mischung zwischen Elch und Mops). Beim Bremer Denkmal sehe ich nur einen üblichen Mops, nicht gerade sehr originell.
Die Idee des Mischwesens stammt von Loriot selbst, das Portrait des Mopses auf dem Sofa als PARS PRO TOTO für Loriots unvergessenen und unvergleichlichen Humor ist die kongeniale Idee Herbert Monke Rauers...
mischpot 10.10.2014
4. Eines ist sicher
Ein Leben ohne Mobs ist möglich
spon-facebook-10000184159 10.10.2014
5. Ihr Sprachwitz ist auch nicht ohne...
Zitat von mischpotEin Leben ohne Mobs ist möglich
...zumindest wünschenswert!
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