MBA-Ausbildung "Wie bei einer Kaffeefahrt"

Immer mehr Hochschulen und private Institute buhlen um Kundschaft für teure MBA-Studiengänge, darunter auch Business Schools mit fragwürdigem Geschäftsgebaren. Wer sich an der Schweizer GSBA bewirbt, kann was erleben - zum Beispiel Fehlzündungen des erhofften Karriereturbos.

Von Bärbel Schwertfeger


Der Abschluss Master of Business Administration (MBA) hat sich längst weltweit als Standard in der Managementbildung durchgesetzt. Doch zwischen seriösen und fragwürdigen Angeboten zu unterscheiden, ist schwierig. Eine wichtige Rolle spielen das Prestige einer Hochschule, die internationale Akkreditierung, die Anerkennung der Titel und nicht zuletzt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn eine MBA-Ausbildung ist ausgesprochen kostspielig.

Super-MBA: Interessenten müssen das Angebot penibel prüfen
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Super-MBA: Interessenten müssen das Angebot penibel prüfen

Dass es im MBA-Boom viel zu verdienen gibt, lockt auch Anbieter ins Geschäft, bei denen Wissensvermittlung womöglich nicht das oberste Ziel ist. Stark umstritten ist beispielsweise der Ruf der Graduate School of Business Administration (GSBA). Nach einem SPIEGEL-ONLINE-Beitrag über die Züricher Schule meldeten sich etliche Leser und schilderten der Redaktion ebenfalls schlechte Erfahrungen. Der Hauptvorwurf: Die teure Schule werbe mit zweifelhaften Methoden und vergebe Studienabschlüsse von nur begrenzter Güte. In einem kritischen Beitrag des Schweizer Fernsehens etwa drückte sich die Zürich Versicherung vornehm, aber unmissverständlich aus: "Wir beurteilen den Wert des Diploms der GSBA im Vergleich zu anderen Schulen eher zurückhaltend."

Dabei kostet ein Studium im Programm Executive MBA an der Züricher Schule 63.000 Schweizer Franken (41.000 Euro) - ein stolzer Preis. So verlangt die renommierte Universität St. Gallen lediglich 48.000 Franken.

Zumindest bei den Studiengebühren Spitze

Indes kann es an der GSBA noch deutlich teurer werden. Denn wer sich dort fürs MBA-Studium bewirbt, durchläuft stets das gleiche Procedere: Erst zahlt man 200 Schweizer Franken für die Prüfung seiner Unterlagen, reist dann zu einem Auswahltest nach Zürich. Das Ergebnis des "mehrstündigen Assessments", so die GSBA, sei Grundlage für einen "individuellen Studienplan". Und dazu gehört oft ein vorheriges Studium zum Bachelor of Business Administration (BBA), das "berufsbegleitend in 1-2 Jahren absolviert" werden könne. Kosten: bis zu 21.000 Schweizer Franken.

Das ist mehr als ungewöhnlich: Einen ersten Hochschulgrad verlangen alle renommierten Business Schools - aber keinen betriebswirtschaftlichen wie den BBA. Schließlich ist es gerade der Trumpf des MBA-Studiums, dass Akademiker ohne ökonomischen Abschluss dort komprimiertes Managementwissen erwerben können.

An der GSBA ist das anders. Sie verlangt sehr häufig zunächst eine Einschreibung für den BBA, wie Bewerber übereinstimmend berichten. In einem berufsbegleitenden "Executive-Programm haben Personen ohne Management-Kenntnisse keine Chance", begründet das Stiftungsratmitglied Ralph Berndt, zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Universität Tübingen. Viele Bewerber kämen aus technischen, chemischen oder naturwissenschaftlichen Berufen; ihnen fehle "eine angemessene Basis-Ausbildung in Management-Methoden", so Berndt. Die Frage nach dem Anteil der MBA-Teilnehmer, die zuvor in Zürich das BBA-Programm absolvierten, beantwortete er so: "Valide Prozentzahlen liegen mir leider nicht vor."

Betriebswirtschafts-Diplom reichte nicht

Auch Bewerber Thomas Uhlmann sollte zunächst den BBA absolvieren - was er bis heute nicht versteht. "Man verweigerte mir den Direkteinstieg ins MBA-Programm, weil ich angeblich kein abgeschlossenes wirtschaftswissenschaftliches Studium hatte", erzählt er. Dabei brachte der promovierte Pharmazeut sogar ein Diplom der Uni Bayreuth als "Praktischer Betriebswirt für die Pharmazie" mit.

Ralf O. war ebenfalls verblüfft. Der Ingenieur hatte sich zuvor bereits bei renommierten Schulen wie Insead oder Warwick informiert, die gar nicht daran denken, einen BBA zu verlangen. Sein Argwohn wuchs, als er den "individuellen Studienvorschlag" der GSBA näher ansah - mit einem Kurs "Informatik für Manager". "Wären meine Bewerbungsunterlagen mit der notwendigen Sorgfalt analysiert worden, hätte man gewusst, dass ich mehrere Programmiersprachen und Betriebssysteme im Schlaf beherrsche", so O. Er hatte als Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt "Produktion & Organisation" obendrein das "Management Associate Trainee Program" bei einem großen Autokonzern durchlaufen und verfügte über drei Jahre Projektmanagement-Erfahrung. Seine Kritik: "Die Zugangsvoraussetzungen sind nicht eindeutig definiert, Fragen werden nur sehr schwammig beantwortet. Zudem spielen die Ergebnisse des Einstufungstests offenbar keine wesentliche Rolle, da man ohnehin erst einmal in den BBA gesteckt wird."

Obskur erschien dem Ingenieur auch die aus seiner Sicht aggressive Verkaufspolitik der GSBA. Fast täglich habe er einen Anruf oder eine E-Mail bekommen und sei mit Nachdruck darauf hingewiesen worden, dass in wenigen Tagen die nächste Bewerbungsrunde ende, berichtet O. Beim Gespräch in Zürich habe Rektor Albert Stähli ihn ebenfalls gedrängt, den Studienvertrag sofort zu unterschreiben. Er könne ja noch etwa vier Wochen problemlos zurücktreten, denn dann erst sollte der Zulassungsbeschluss für die Studienaufnahme erfolgen.

O. unterschrieb. Doch daheim stolperte er über die Klausel, dass der Vertrag nur binnen sieben Tagen schriftlich per Einschreiben und frei von jeder finanziellen Verpflichtung widerrufen werden könne. O. kündigte umgehend. Die GSBA schildert die Vertragsmodalitäten anders: Es handele sich um eine "Reservation", die erst durch Zulassung der Prüfungskommission gültig werde, so Ralph Berndt. Bis dahin könne der Kandidat schriftlich von seinem Vertrag zurücktreten, mit einer "minimalen Rücktrittsfrist" von sieben Tagen.

Harte Kritik am Geschäftsgebaren

"Das gesamte Geschäftgebaren wirkte auf mich wie eine Verkaufsveranstaltung bei einer Kaffeefahrt", resümiert Ralf O., der deshalb die Finger von der GSBA ließ - wie auch Michael Filsinger, Vertriebsmitarbeiter einer amerikanischen Softwarefirma. "Nach seinem sehr eloquenten Monolog präsentierte er mir sein Vertragswerk und hielt mir der Einfachheit halber direkt die letzte Seite zum Unterschreiben unter die Nase", schildert Filsinger sein Gespräch mit Rektor Stähli, "mit der anderen Hand streckte er mir breit lächelnd seinen goldenen Füllfederhalter hin." Das wichtigste Motiv der GSBA sei offenbar der Wunsch der Bewerber, für ihr Geld einen wohlklingenden MBA-Titel zu erhalten, resümiert Filsinger.

Eine zentrale Rolle für das GSBA-Marketing spielte bislang die Zusammenarbeit mit der SUNY School of Business an der State University of New York in Albany. Doch das gemeinsame MBA-Programm wurde bereits Ende 2003 gekündigt, die Studienaufnahme war nur noch bis zum 1. Juni 2005 möglich.

Der neue Kooperationspartner heißt Robert H. Smith School of Business der University of Maryland, eine MBA-Ausbildung der amerikanischen Mittelklasse. Hinzu kommen Partnerhochschulen in Peking und Schanghai. Rektor Albert Stähli wähnt sich damit bereits "in der Weltliga der Business Schools".

Nachdem die Züricher Schule das neue Programm "Global Executive MBA" Ende März bekanntgab, warb sie umgehend mit seiner angeblichen Akkreditierung bei der Einrichtung FIBAA. Das allerdings bestreitet die FIBAA: "Nur das auf unserer Homepage seit 2002 gelistete Programm ist durch FIBAA akkreditiert - sonst keins", teilte Detlev Kran, Leiter der Bonner Geschäftsstelle, mit. Auch laut Rudolf Ramsauer, Mitglied der FIBAA-Stiftung, gibt es noch keine Akkreditierung: Die müsse die Hochschule erst einmal beantragen, wenn sie damit werben wolle.

"Abschlüsse in Deutschland nicht führungsfähig"

Für Interessenten wären die weit wichtigeren Akkreditierungen von AACSB und EQUIS ohnedies von größerer Bedeutung, denn die zählen weltweit und sind ein echtes Pfund auf dem hart umkämpften MBA-Markt. Doch über die beiden großen Gütesiegel verfügt die GSBA nicht, weder von AACSB noch von EQUIS. Sie kann sich lediglich indirekt mit der AACSB-Akkreditierung ihrer amerikanischen Partner-Uni schmücken.

Die GSBA ist in der Schweiz nicht einmal staatlich anerkannt, was für deutsche Studienteilnehmer unangenehme Folgen haben kann. Die GSBA selbst spricht von "weltweiter Anerkennung" ihrer Abschlüsse und schreibt im Vertrag zum BBA-Studium: "Der BBA ist eine der Grundlagen für eine Immatrikulation zum MBA-Studium an anerkannten in- und ausländischen Instituten."

Für Deutschland indes gilt das keineswegs - und von dort kommen laut GSBA gut 60 Prozent der MBA-Teilnehmer. Wer ausschließlich das Programm in Zürich absolviert, kann mit dem Abschluss in Deutschland wenig anfangen. Die Kultusministerkonferenz spricht eine ungewöhnlich deutliche Warnung aus. Die zuständige Expertin schreibt: "Die GSBA Zürich ist keine staatlich anerkannte Hochschule in der Schweiz. Die dort erworbenen Bachelor- und Masterabschlüsse sind daher auch nicht führungsfähig in Deutschland oder gar qualifizierend für weiterführende Hochschulstudien. Der BBA der GSBA ermöglicht ebenso wenig den Zugang zu einem MBA-Studium an einer anerkannten deutschen Hochschule."

Das Wissenschaftsministerium in Baden-Württemberg formuliert zur GSBA noch schärfer: "Das Wissenschaftsministerium empfiehlt deshalb nicht, einen von dieser Einrichtung verliehenen Hochschulgrad zu führen. Zu Ihrem Schutz weisen wir darauf hin, dass ein widerrechtliches Führen akademischer Grade, Titel oder Würden nach §132a StGB strafbar ist."



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