MBA-Studium Auf das Netzwerk kommt es an

Die teure Extra-Runde an einer Hochschule kommt richtig in Mode. Nachwuchs- und Führungskräfte machen den MBA um ihre Management-Kenntnisse zu perfektionieren und setzen dann zum ganz großen Karriere-Sprung an. Vorausgesetzt, sie haben die richtige Schule besucht.

Von Ingo Butters


Schloss Fontainbleau ist die malerische Kulisse für MBA-Studenten der INSEAD
GMS

Schloss Fontainbleau ist die malerische Kulisse für MBA-Studenten der INSEAD

Im Labor zu sitzen und dort an Computerchips zu basteln war nie die Karriere, die der Münchner Antonius Reittinger einschlagen wollte: "Schon während des Studiums war mir klar, dass ich später einmal in Richtung Management gehen möchte". Nachdem er sein Diplom für Halbleiter-Physik in der Tasche hatte, heuerte er bei der Siemens-Unternehmensberatung an. Mit einem Ziel: "Ich wollte auf jeden Fall den MBA machen."

Diese Möglichkeit bot der Münchner Weltkonzern aber noch nicht. Reittlinger ergriff die Initiative und schuf zusammen mit der Personalabteilung ein MBA-Programm. Erster Teilnehmer war er selbst. Bei der Auswahl der Hochschule, an der Reittinger seinen MBA ablegen wollte, legte der Münchner hohe Maßstäbe an: "Ich wollte Internationalität und einen guten Ruf." Reittlinger schwankte zwischen Harvard, Stanford und der französischen Uni Fontainbleau. Deutsche Einrichtungen kamen für ihn nicht in Frage. "Es gibt drei Kategorien von MBA-Schulen", erläutert Reittinger. "Es gibt Topschulen wie Harvard oder die französische INSEAD. Dann gibt es die zweite Riege. Das sind die spezialisierten Schulen. Und dann gibt es den Sumpf. Dazu gehören viele Schulen, die nicht akkreditiert sind."

Diesen Sumpf trockenzulegen, versucht die Foundation for International Business Accreditation (FIBAA) in Bonn. Denn deutsche MBA-Anbieter haben einen schlechten Ruf: Nur ein Zehntel der 2500 deutschen MBA-Studenten studierte 1999 in der Bundesrepublik. Den Großteil zieht es ins Ausland, vor allem nach England und Amerika. "Die haben 30 Jahre mehr Vorsprung", gibt Detlev Kran, der Leiter der FIBAA in Deutschland, zu bedenken. "In England gab es 1985 3500 MBA-Studenten, heute sind es fast zehn Mal so viele. Eine ähnliche Entwicklung prognostiziere ich auch für Deutschland."

Qualitätsmaßstäbe müssen her

Doch bis dahin muss sich vor allem bei der Qualitätssicherung noch einiges tun. "Vom Titelhändler bis zum Institut im Weltmaßstab ist alles dabei", sagt Kran. Während in England und den Vereinigten Staaten ein einheitlicher Standard durch externe Einrichtungen gewährleistet wird, steckt die Zertifizierung der Hochschulen in Deutschland noch in den Kinderschuhen: Etwa 120 staatliche und private Hochschulen bieten zur Zeit in Deutschland ein MBA-Studium an. Gerade einmal sechs davon hat die FIBAA bisher bescheinigt, dass ihr Angebot den internationalen Kriterien entspricht. Über 30 Hochschulen bewerben sich zur Zeit um eine Zertifizierung.

Die Nachfrage nach MBA-Angeboten dürfte hierzulande in den nächsten Jahren weiter steigen. Der Großteil deutscher MBA-Studenten verlässt die Heimat, um im Ausland den Abschluss im Vollzeitstudium zu absolvieren. Doch in den Vorreiterländern USA und England sieht die Situation anders aus: Zwei Drittel aller MBA-Studenten bleiben in ihrem Beruf und pauken am Wochenende in den Unis oder per Fernstudium zuhause.

Auch an der Koblenzer WHU lernen die Teilnehmer des MBA-Programmes ihr Management-Know-How am Wochenende. Die Studenten sind allerdings schon gestandene Führungskräfte, die ihrem Lebenslauf noch das Tüpfelchen auf dem "I" verpassen wollen. Das Angebot der WHU richtet sich ausschließlich an "Executives", an Entscheider, die mindestens drei Jahre Berufspraxis gesammelt haben. Und die sollten von ihrer Firma gefördert werden: Um zu den glücklichen 60 zu gehören, die jedes Jahr an der WHU ihr Studium aufnehmen, muss das Unternehmen, bei dem die potenziellen Studenten beschäftigt sind, mindestens die Hälfte der Studiengebühren von 34.000 Mark tragen.

Alumni als Machtfaktor

Viele der Teilnehmer des Programms haben bereits Wirtschaftswissenschaften studiert und sollten eigentlich keine Nachhilfestunden mehr brauchen. "Das überrascht uns auch", sagt Markus Rudolf, Leiter des MBA-Programms an der WHU. "Aber es scheint Kennzeichen der Executive-Programme zu sein, dass der Netzwerkgedanke eine große Rolle spielt. Die Alumni-Organisationen sind im Berufsleben ein echter Machtfaktor."

Davon ist auch Antonius Reittinger überzeugt. Er entschied sich, seinen MBA an der renommierten INSEAD im Pariser Vorort Fontainbleau zu machen. Das eine Jahr Vollzeitstudium à 50.000 Mark begeisterte ihn: "Die Ausbildung dort war ganz hervorragend, weil sie sehr international ist. Die Teilnehmer des Programms kommen aus 60 verschiedenen Nationen. Unterrichtssprache ist Englisch. Außerdem hatten wir einen gewissen Lebensstandard: Wir waren als WGs in wunderschönen Landhäusern in Umgebung des Schlosses untergebracht." Am wichtigsten, so Reittinger, seien allerdings die Kontakte, die ihm die Ausbildung verschafft habe: "Wir haben 20.000 Alumnis in der ganzen Welt. Dieses Netzwerk und der exzellente Ruf der Hochschule sind das Wichtigste."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.