Narzisstische Hochschulchefs Die Uni, das bin ich!

Narzissten sind oft klug, noch dazu charmant - und mit penetranter Eitelkeit auch eine Heimsuchung für ihre Mitmenschen. Das Hochschulmagazin "duz" zeigt, warum Narzissmus die Leitneurose der Gegenwart ist. Und wann kreative Quälgeister in Uni-Führungspositionen auch ihr Gutes haben.

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff
Corbis

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff

Von Grit Weirauch


Lange Zeit hat der französische Staatschef Nicolas Sarkozy Millionen Franzosen hinter sich gewusst. Mit enormer Durchsetzungskraft, glamourösem Lebensstil und Charisma hat er das Wählervolk für sich gewonnen. Doch mittlerweile ist aus dem unerschrockenen Selfmademan eher eine Person geworden, die in Politikmagazinen karikiert und von Psychiatern mit dem Etikett "narzisstische Persönlichkeitsstörung" behaftet wird.

Oder Thilo Sarrazin: Der ehemalige Finanzsenator von Berlin hat den maroden Haushalt der Stadt saniert, wie kein anderer es gekonnt hätte. Im Gedächtnis behalten wird man den späteren Bundesbankvorstand allerdings mit seinen ausländerfeindlichen Thesen. Seine Verbohrtheit und seine menschenverachtende Propaganda zeigen ihn als einen "Narzissten, der mit den Ängsten der Menschen spielt, um sich an der öffentlichen Resonanz zu laben", wie ein Berliner CDU-Politiker es beschrieb.

Die ehrgeizigen Selbstdarsteller und Egomanen vermutet man genau dort, in hochdotierten Jobs in den höchsten Etagen der Wirtschaft, der Politik. Aber sie forschen auch in Laboren, operieren in Universitätskliniken oder bestimmen als Präsidenten und Rektoren über die Zukunft der Wissenschaft. "Nur gilt dort eine andere Währung der Anerkennung als Geld", sagt Dr. Gerhard Dammann, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen am schweizerischen Bodensee.

Narzissmus - die Leitneurose der Gegenwart

Und zwar Publikationen, Drittmittel, akademische Ehrungen. "Überall da, wo es um Erfolg und Status geht, sitzen sehr häufig narzisstische Persönlichkeiten, vor allem in einem elitären System, wie es die Universität ist", sagt auch die Münchner Psychologin Bärbel Wardetzki.

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Ob der brillante, aber selbstverliebte Doktorvater, der ehrgeizige Teamleiter, der alle Forschungsergebnisse für sich einkassieren will, oder ein alle demokratischen Gremien aushebelnder Rektor - meist steckt ein kluger Kopf dahinter. Aber als Chefs sind diese Menschen für ihre Mitarbeiter oft unerträglich. Waren früher oft autoritäre Charaktere in Führungspositionen, landen heute eher die narzisstischen ganz oben. Das Streben nach Exzellenz und Elite befördert schließlich auch in die Universitäten Persönlichkeiten, die ihre Kompetenzen immer wieder zur Schau stellen, die dem enormen Leistungsdruck standhalten und die gerne mit anderen um Anerkennung ringen wollen.

Narzissmus ist für Gerhard Dammann die Leitneurose der Gegenwart. Die derzeitige Umwälzung in der Wissenschaftslandschaft hin zu mehr Wettbewerb brauche aber auch Narzissten, behauptet der Schweizer Psychologe. In Zeiten des Wandels und der Krise sei immer stärker ein Managertyp gefragt, der innovativ sei und seine Visionen durchsetzen könne.

"Narzissmus per se ist nicht gut oder schlecht"

"Es kann Sinn ergeben, einen produktiven Narzissten zum Chef zu machen, der ohne große Rücksicht auf Traditionen das Bestehende ändert." Das seien Leute, die Lust haben zu gestalten, Neues zu denken und vor allem auch zu wagen. "Dass jetzt Provinzuniversitäten anfangen zu leuchten, hat auch mit einzelnen, sehr von sich überzeugten Personen zu tun", meint Dammann.

Was aber ist ein produktiver Narzisst? Wie viel Selbstherrlichkeit benötigt eine Führungskraft, um erfolgreich sein zu können? Und wann schadet sie? Für Dammann ist "Narzissmus per se nicht gut oder schlecht, sondern ein Kontinuum, das von positiven bis destruktiven Formen reicht." Die Bandbreite reiche von normaler zu übertriebener, aber produktiver, bis hin zu pathologischer Selbstverliebtheit. An der Freien Universität Berlin untersucht die Psychologin Aline Vater derzeit, wie viel Narzissmus konstruktiv und wie viel schon pathologisch ist.

Das Positive an einem Narzissten: Überzeugt von sich und seiner Wirkung, weiß er Gefolgschaft anzuziehen, die sich von seinen Ideen mitreißen lässt. Er ist nicht selten ein begnadeter und kreativer Stratege, der das Ganze sieht und vor allem das Risiko nicht scheut, die Welt nach seinem Bilde zu formen. Für den amerikanischen Narzissmus-Forscher Michael Maccoby (siehe Literaturhinweise im Kasten links) ist der ehemalige US-Präsident Bill Clinton dafür ein Paradebeispiel.

Für Gerhard Dammann wiederum ist Alfred Herrhausen, der frühere Chef der Deutschen Bank, ein faszinierendes Beispiel eines Narzissten. Ehrgeizig und elitebewusst widmete er sich frühzeitig Themen wie Globalisierung und Umweltschutz - nicht zuletzt dank seiner visionären Kraft, wie Dammann meint. Oder aber der Gründer und Chef des Software-Unternehmens Oracle: Larry Ellison. Er hat aus einer kleinen Datenverarbeitungsfirma einen Konzern geschaffen, der sich heute mit SAP und Microsoft anlegt. Ellison ist inzwischen reichster Mann Kaliforniens. Sein Ziel: seine Hauptkonkurrenten zu schlagen. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Auf einem zweiten Platz fühle er sich, wie er sagt, als Verlierer.

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makutsov 17.12.2010
1. Blödsinn
Der Artikel ist schwammiger Unfug. Wie allen psychischen Krankheiten, liegt auch der Narzistischen Persönlichkeitsstörung ein normaler Teil des Verhaltensspektrums zu Grunde. Jeder Mensch ist "narzistisch" einige unterdurchschnittlich, andere überdurchschnittlich und einige eben extrem, und das sind dann die narzistischen Persönlichkeitsgestörten. So eine Störung macht einen nur leider weder klug noch zwangsweise erfolgreich. Klar, man kann einige Menschen immer und alle Menschen eine Zeit lang hinters Licht führen, aber auch die Gesellschaft weiß sich gegen Ausbeutung zu wehren. Hier wird deshalb auf einem schwammigen Niveau ohne Datengrundlage argumentiert und am Ende nur triviales wiedergekäut. Eins ist aber definitiv falsch, und das ist, zu glauben, dass ein wirklicher Narzisst in einer Führungsposition wirklich Vorteile hätte. Jemand mit narzistischen Tendenzen vielleicht, aber ein ausgeprägter Narzisst: nein. Das endet so wie das Dritte Reich, ein Staat der entscheidend durch Narzissten geprägt wurde (soviel zu Gegenwartsneurose...), nämlich in der Katastrophe.
kästchen 17.12.2010
2. ...
Gut zu wissen, dass jetzt sogar schon handfeste Persönlichkeitsstörungen ja nur noch eine Neurose sind, solange man daraus Profit in irgendeinem Sinne schlagen kann.
causal 17.12.2010
3. naja, der artikel bewegt sich
hart an der grenze. die profilierungssucht, die manie der paper-production (AUS ALT MACH NEU; immer wieder durch den melitta-filter); die experto-kratie; das gefeilsche um drittmittel etc. pp. inclusive des tyrannischen gehabes, der arschkriecherei der adepten und anwärter, all das ist hinlänglich und seit jahrzehnten bekannt. eine art kultur-, wissenschafts- medizin-, jura- und ingenieursbeschäftigungs-therapie, die münden kann im dekanat, rektorat und dem bundesverdienstkreuz für irgendwas-dann-auch. so werden diese menschen glücklich. jedoch sollte die dfg einfache fragen stellen (tut sie nicht, da man unter sich blebt), nämlich: um wieviel % mehr slawistik-abgänger habt ihr von 2004-2010 denn vorzuweisen? und das in kombination mit handelsrecht, internationalem recht etc.
roterschwadron 17.12.2010
4. Wir sind Narzisst!
Wenn man den Artikel genauer liest, spürt man dahinter nicht nur die Raffinesse, die geradezu typisch für einen kalkulierenden Narzissten ist, sondern sieht auch das Anliegen: es soll Glauben gemacht werden, die Gesellschaft brauche künftig an jeder Ecke einen Coach, der die unabhängigen Schäfchen auf ihren psychischen Irrwegen gnädig einsammelt und dem Staatsziel "Produktivität" wieder zuführt. Und genau hier liegt das Problem: im System selber, das längst zu einem großen Irrenhaus geworden ist, in dem psychisch Gestörte das Sagen haben und die Normalen entweder gegenüber ihrer Ausbeutung keine Gegenwehr leisten, also als gesellschaftskonform und damit psychisch gesund gelten, oder aber in irgendeiner Weise "behandlungsbedürftig" sind. Kaum jemand schafft es besser, seine eigene psychische Störung auf seinem Mitmenschen abzwälzen, als der Narzisst. Und die "Perversion" ist der Mechnismus, der hierbei zur Anwendung kommt: immer ist jemand anderer schuld, wenn etwas schiefläuft, immer hat der andere ein "Defizit" oder eine "Störung", wenn etwas nicht nach dem unreflektieren Weltbild des Narzissten läuft. Und immer wird jeder noch so sachliche und vernünftige Versuch, gegen die pervertierte Weltsicht des Narzissten anzugehen, von diesem sofort als Ausdruck dieser "Störung" interpretiert. Wir alle kennen solche Leute nicht nur in höchsten Spitzenämtern in Politik und Wirtschaft. Überall in dem seit vielen Jahren wie ein Krebsgeschwür wuchernden System der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, sind solche Leute an strategisch wichtigen Positionen auch "weiter unten" positioniert. Der "Sachbearbeiter" beim Arbeitsamt, der einem einzureden versucht, daß Arbeitslosigkeit immer nur selbstverschuldet sein kann, gehört genauso dazu, wie der Therapeut oder Coach, der außer seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse mur das Anliegen verfolgt, den Klienten wieder "fit" zu machen, "Fitmachen", das heißt, ihn solange schleifen und feilen, bis die dadurch zerstörte Persönlichkeit wieder ins System passt. Der Coach als Aufseher im geistigen Arbeitslager des globalisierten Narzissmus'.
Lampenluft 17.12.2010
5. Personen mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen - Problemfälle der Universitäten
Neben anderen fachlichen Ungenauigkeiten setzt der Artikel Personen mit stark narzistischen Zügen nahezu gleich mit intellektueller, hoher Begabung. Das sind jedoch zwei paar Schuhe. Ein wesentliches Problem von Hochschulprofessoren mit narzistischer Persönlichkeitsstörung ist es, fast jegliche Wissenschaft an einem Institut zu töten, da nichts z.B. "höher" oder "anerkannter" sein darf als sie. Das heißt in solchen Strukturen gibt es kaum bis gar keine Habilitationen, wenige fertig gestellte Doktorarbeiten in Instituten mit authoritärem Führungsstil auf der Basis von Angst und Kontrolle. Das Wesentliche, dass viel dieses Glanzes auf der Basis von wissenschaftlichem Diebstahl, d.h. auf der Arbeit anderer unter Weglassung deren Namen entsteht wird, wie so oft, verschwiegen. Es bleibt daher zu hinterfragen, wer wirklich die Leistung erbracht hat, mit denen eine Person mit narzistischer Persönlichkeitsstörung in universitären Kreisen glänzt. Dieses Thema wird gesellschaftlich gänzlich tot geschwiegen. Studentische Evalutationen sind ohne Belang und bieten keine Kontrolle, da Studenten oftmals dem Glanz des Narzisten in den kurzen Begegnungen im Hörsaal erliegen und dies keine Diskussionsplattform ist. Aufgrund des authoritären Führungsstiles sind offene Mitarbeiterbefragungen wertlos. Maßstabkriterien bieten Krankenstand, Personalfluktuation und Personalratseinschaltungen sowie die Anzahl der wirklich wissenschaftlich tätigen Mitarbeiter, die bleiben.
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