Studentenjob als Weihnachtsmann Santa braust auf

Der liebe gute Weihnachtsmann ist nett zu allen. Negative Kommentare, Ho-Ho-Ho, lacht er einfach weg, das hatte Veso Portarsky schnell gelernt. Als Student liebte er den Job - nur diese eine Mutter, die mochte er nicht. Gar nicht.

Kinderzeichnung für Portarsky: "Bitte lieber Nikolaus, komm doch auch in mein Haus"

Kinderzeichnung für Portarsky: "Bitte lieber Nikolaus, komm doch auch in mein Haus"


Zur Person
  • Stefan Botev
    Als Berliner BWL-Student hat Veso Portarsky, 41, fünf Jahre lang als Weihnachtsmann gearbeitet. Rund 90 Mal trat er vor Familien, in Krankenhäusern und Kindergärten auf. Seine Geschichte basiert auf seinen Erfahrungen - gemischt mit einer Prise weihnachtlicher Inspiration.
  • Lesen Sie mehr in seinem Blog.
Es war Weihnachtszeit. Ich sollte als Weihnachtsmann arbeiten. Das war kein Scherz, sondern ein ganz professionell von der studentischen Arbeitsvermittlung meiner Uni organisierter Job. Alle, die als Weihnachtsmänner arbeiten wollten, mussten an einer Schulung teilnehmen. Dabei lernten wir die "No Gos". Zum Beispiel folgende Situation:

"Wo kommst du her, lieber Weihnachtsmann?", fragt das Kind einen schwarzen Weihnachtsmann.

"Aus Mosambik", antwortet der.

Jeder von uns bekam eine Liste mit 16 Familien. Pro Familie hatten wir 20 bis 30 Minuten Zeit, um die Kinder zu beschenken. Wir durften keine Einladung zu Drinks annehmen, sonst wären wir am Ende besoffen und würden nicht authentisch als Weihnachtsmann rüberkommen. Wir mussten die Adressen im Voraus besuchen, um zu sehen, wie weit sie voneinander entfernt waren, wer ein Auto hatte, konnte auch einen Engel mitnehmen.

Ich mochte diesen Job. Einmal im Jahr durfte ich in Deutschland das Gefühl erleben, wichtig zu sein. Einmal im Jahr fühlte ich mich akzeptiert und bedingungslos geliebt.

Das war der Tag, an dem ich das Weihnachtskostüm trug

Ich wohnte damals in Wilmersdorf. Das war eines der bürgerlichsten Viertel im westlichen Teil von Berlin. Die Familien, die ich normalerweise besuchte, waren gut situiert und gaben ordentlich Trinkgeld.

Ich hatte die Liste mit den Familien erhalten, hatte die Adressen besucht, die Namen auf den Klingeln überprüft, danach musste ich mit den einzelnen Familien telefonieren. Dabei ging es in erster Linie um die Kinder: Was sie mögen, was sie nicht mögen. Wie heißt die Katze, der Hund, der Hamster, wie die besten Freunde im Kindergarten? Putzt das Kind seine Zähne? Das alles trug ich sorgfältig in das sogenannte Goldene Buch ein, aus dem ich bei den Familienbesuchen vorlas.

Normalerweise liefen die Telefonate nach dem gleichen Muster ab. Dieses Mal aber fragte die Frauenstimme am anderen Ende der Leitung:

"Woher kommen Sie, lieber Weihnachtsmann?"

"Der Weihnachtsmann kommt aus dem fernen Norden", sagte ich, meine Standardantwort. Ich wollte nicht persönlich bei meinen Telefonaten werden. Schließlich ging es um einen Job, den ich professionell ausführen musste.

Niemanden ging es etwas an, dass ich Bulgare war.

"Weil ich nicht will, dass mir ein Neger im Haus aufkreuzt!", überraschte mich die bis jetzt freundliche Frauenstimme.

Ich notierte in mein goldenes Buch "Mutter Rassistin"

Ich versuchte am Telefon sachlich zu bleiben, trotzdem bemerkte die Kundin meine Reserviertheit und fragte weiter:

"Was wünschen Sie sich zu Weihnachten, lieber Weihnachtsmann?"

Ich merkte, sie wollte nett wirken, verfolgte aber weiter meine klare Linie, sachlich und möglichst professionell zu antworten.

"Der Weihnachtsmann hat alles und braucht nichts", sagte ich, wieder eine Standardantwort.

"Ach so! Aber ich habe einen Herzenswunsch!" sagte die Frau, ohne dass ich gefragt hatte.

"Ich wünsche mir ein schönes Auto!"

Da konnte ich mich nicht länger zurückhalten.

"Wünschen Sie sich das Auto mit einem schwarzen Fahrer, Madam?"

Daraufhin stornierte sie den Auftrag.

Die Jungs von der studentischen Arbeitsvermittlung lachten herzlich, als ich ihnen davon erzählte. Als Entschädigung erhielt ich einen besser bezahlten Auftrag: Ich sollte als Weihnachtsmann in einem Kindergarten auftreten.

Grosses Weihnachtsquiz



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
bbär 24.12.2014
1. Gut reagiert!
Beide - Weihnachtsmann und Jobvermittler. #daumenhoch
RSchubi 24.12.2014
2. Santa
Santa gibts nicht bei uns. Hier heißt der Weihnachtsmann Weihnachtmann.
Milkshake 24.12.2014
3.
Ich habe selbst zwei Jahre in Berlin bei eben jener studentischen Weihnachtsmannvermittlung an den Bestelltelefonen gesessen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass es leider tatsächlich ganz selten dazu kam, dass explizit ein nicht schwarzer Weihnachtsmann gewünscht wurde. Es solle doch so sein, "wie man es sich vorstellt". Wir reagierten dabei immer freundlich, aber bestimmt und gaben derartigen Wünschen natürlich nie nach. Das war trotz derartiger Zwischenfälle einer der tollsten Nebenjobs, die ich je gemacht habe, da am Telefon doch immer viel Freude herrschte. Es waren auch häufiger die Kinder der anrufenden Eltern in der Nähe des Telefons, da durfte das Wort Weihnachtsmann natürlich nicht fallen.
waldbaer 24.12.2014
4. Klug.
Zitat von RSchubiSanta gibts nicht bei uns. Hier heißt der Weihnachtsmann Weihnachtmann.
Wisenheimer gibt's nicht bei uns. Hier heißt das Klugscheißer.
FocusTurnier 24.12.2014
5. Ich habe diese Dienste....
...der studentischen Weihnachtsmänner auch einmal gerne in Anspruch genommen. Als ich dann aber nach einem Weihnachtsfest mich zwar mit der "schauspielerischen Leistung" sehr zufrieden gab, aber die fehlende Rute am Weihnachtsmannkostüm bemängelte, schrieb mir die Vermittlung zurück, daß eine Rute nicht zur Ausstattung der Agentur gehört, weil Kinder nicht damit rechnen sollen, vom Weihnachtsmann körperlich gezüchtigt zu werden. Nach solch einer albernen und politisch-korrekten Antwort kommt seit einigen Jahren eine andere Agentur zum Einsatz. Mit Rute. Ohne Züchtigung. Frohe Weihnachten.
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