Zwillinge promovieren gemeinsam Die Twin-Doctors

Schule, Studium, Job: Die eineiigen Zwillinge Maurice und Raymond aus den Niederlanden machen immer alles gemeinsam. Jetzt haben die 25-Jährigen sogar zusammen promoviert, als Autorenduo. Geht das gut?

Juristen-Promotion im Doppelpack: Die Zwillinge Raymond (l.) und Maurice Canisius (25) haben an der Universität Maastricht ihre Doktorarbeit eingereicht
Maurice Canisius

Juristen-Promotion im Doppelpack: Die Zwillinge Raymond (l.) und Maurice Canisius (25) haben an der Universität Maastricht ihre Doktorarbeit eingereicht


"Nein, eine gemeinsame Freundin haben wir nicht", sagt Maurice Canisius und lacht. Die Frage liegt jedoch nahe, wenn Maurice von sich und seinem Bruder Raymond erzählt. 25 Jahre alt sind die beiden, eineiige Zwillinge aus Heerlen in den Niederlanden, und sowohl räumlich als auch thematisch haben sie bislang ihr ganzes Leben miteinander verbracht: die Schulzeit in Heerlen, das Jurastudium an der Uni Maastricht und auch die mehrmonatige Asienreise nach dem Examen, das sie mit fast identischer Abschlussnote und "cum laude" beendet hatten.

"Wir sind seit 25 Jahren ein unzertrennliches Paar", sagt Maurice. Während des Studiums lebten sie in demselben Haus, sie jobbten in demselben Geschäft und sind mittlerweile sogar bei derselben Anwaltskanzlei angestellt.

Die Krönung ihrer Gemeinsamkeit: In den vergangenen eineinhalb Jahren haben die Zwillingsbrüder ihre Doktorarbeit geschrieben. Gemeinsam, als Autorenduo. Thema: Die Haftung von Geschäftsführern im niederländischen GmbH-Recht. Am Mittwoch müssen sie die Arbeit an der Universität Maastricht verteidigen.

"Wir sind die ersten Zwillinge mit einer Duo-Promotion in Europa", sagt Maurice. Dass das Ganze nur rekordverdächtige eineinhalb Jahre dauerte statt der sonst üblichen vier, liege an der engen Verbindung zwischen Raymond und ihm: "Wir haben 24 Stunden am Tag diskutiert und recherchiert und geschrieben, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr." Sie seien als Zwillinge einfach ein gutes und seit Jahren eingespieltes Team.

Hinzu kam: Die Maastrichter Kanzlei, bei der die beiden angestellt sind, ist von dem Juristen-Doppelpack so überzeugt, dass der Arbeitgeber die beiden Promotionsstudenten für die Doktorarbeit teilweise freistellte. "Die Unterstützung war enorm", sagt Maurice Canisius. So konnten sich die beiden in der Endphase der Promotion für fünf Wochen in den Schwarzwald zurückziehen und an ihrer Arbeit feilen.

Gemeinsame Kanzlei? Oder Professur?

Doch egal wie es ausgeht: Auch nach der Verteidigung ihrer Promotion geht der enge gemeinsame Weg der Zwillinge weiter. "Für mindestens drei Jahre werden wir halbtags in der Kanzlei arbeiten", sagt Maurice, "die andere Hälfte der Zeit forschen wir als Postdocs an der Universität." Die enge Verzahnung von Forschung und Praxis habe ihnen schon immer Spaß gemacht und soll jetzt weitergeführt werden. Ob daraus irgendwann eine gemeinsame Kanzlei wird oder eine gemeinsame Professur - darauf wollen sich die beiden noch nicht festlegen.

Aber gibt es nicht doch vielleicht die versteckte Sorge, dass es irgendwann einfach zu viel sein könnte mit der brüderlichen Zusammenarbeit? Maurice muss keine Sekunde überlegen. "Nein", sagt er mit großer Überzeugung, "die vergangenen Jahre waren zwar unheimlich intensiv und eng, aber ich habe zu keinem Zeitpunkt gedacht, dass ich da eine falsche Entscheidung getroffen habe."

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insgesamt 7 Beiträge
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Didoxion 09.12.2014
1. Das gibt es auch bei zweieiigen Zwillingen.
Meine beiden studieren gerade in Bratislava Medizin. Das Verhältnis ist allerdings eher von Konkurrenz als von Harmoniesucht geprägt, und das Zusammenleben bringt die typischen WG-Probleme mit sich. Diese Konstellation erleben wir nun seit Kindergartenzeiten, ist aber eher nicht symbiotisch ...
cheibe_lüt 09.12.2014
2. Doppeltes Lottchen
sehr schön für die beiden Zwillinge. Aber warum erwähnt der Autor des Artikels im Zusammenhang mit Jura das Wort Forschung. Was gibt es denn dort in diesem Fach zu er"forschen"? Ich bin gespannt, was man sich unter dieser seriösen Forschung vorstellen darf. Eventuell klärt mich jmd. auf? Übrigens halte ich Juristen durchaus für nötig, nur die Schwämme an dieser Spezies hat leider dazu geführt, dass Juristen in fast allen Lebensbereichen ihr Unwesen treiben und das Leben von jeder Logik frei reglementieren. Leider sind Juristen heutzutage so tief in den Hierarchien (gerade in Behörden) verwurzelt, dass man hier wohl niemals auf eine baldige Verbesserung hoffen kann. Ich persönlich sehe den Grund für das Übel der heutigen Politik allein im Gebaren und Schaffen dieser Berufsgruppe.
annoo 09.12.2014
3. Kann gut gehen...
aber auch nicht. Ich kenne ein Zwillingspaar mit ähnlicher Geschichte, seit Kindheit an sind die beiden gemeinsam erfolgreich (allerdings in ganz anderem Bereich), bis auf einen Krankenhausaufenthalt waren sie keinen Tag getrennt. Ungefähr im Alter der beiden beschriebenen Männer gab es eine heftige Auseinandersetzung, seither gehen sie getrennte Wege ohne jeglichen Kontakt - erst mal ohne Aussicht auf Annäherung. Sicher sind die Bande unter Eineiigen Zwillingen stärker als sonstige (geschwisterliche) Beziehungen, ich kann mir allerdings auch gut vorstellen, dass es im Krisenfall umso heftiger sein kann, einfach deshalb, weil sie nahezu identisch sind. Das passt dann gut, wenn sie sich identisch stark lieben, das kann dann aber kritisch sein, wenn sie beide identisch stark hassen.
Orthoklas 09.12.2014
4. was für eine Meldung!
Zwillinge haben zusammen promoviert! Komisch, dass bei einer derartig bedeutsamen Schicksalsweiche der Menschheit keine Eilmeldung gegeben wurde. Gibt's jetzt bei Spon auch ein Winterloch?
AHF84 09.12.2014
5. Eineinhalb Jahre Promotion!
Eineinhalb Jahre Promotion. Das ist schon bemerkenswert. Gratulation an die beiden und viel Erfolg für die Prüfung! Allerdings scheint sich Jura sehr gut für eine geteilte Arbeit anzubieten. In Naturwissenschaften, wo Experimente gemacht werden müssen, ist das nicht so gut möglich. Da wird eher in 4-5 Jahren die Promotion abgeschlossen. Und eine Beschleunigung ist da eher nicht so gut möglich... Außerdem würde ich gerne wissen, wie in einer gemeinsamen Arbeit die jeweiligen wissenschaftlichen Anteile an der Arbeit bewertet werden? Ich glaube jeder weiß, wie es ist im Team zu arbeiten. Da wird selten die Arbeit gerecht verteilt. Aber vielleicht auch deshalb, weil es eben keine Zwillinge sind, die zusammen werkeln...
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