Online-Bewerbung K.o. durch Smileys im Anschreiben

Eine Bewerbung per E-Mail ist preiswert und schnell, und auch bei den Unternehmen wächst die Akzeptanz. Aber das Medium Internet verleitet zu Fehlern - Datenmüll und Massenmailings zum Beispiel mögen Personalabteilungen gar nicht.


Es ist leicht nachzuvollziehen, warum die Online-Bewerbung unter Bewerbern immer beliebter wird: Die Kosten für Mappe, Porto und Foto fallen weg, ebenso die Überlegungen über Mappenfarbe und -gestaltung. Das spart Zeit, Geld und im Zweifelsfall auch Nerven. Denn die digitale Mappe erreicht den Empfänger nahezu sofort, und es gibt keine unangenehmen Verzögerungen durch die Post.

Bewerben online: Ein Kinderspiel?
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Bewerben online: Ein Kinderspiel?

Ohne Aufwand und Sorgfalt geht es aber auch online nicht, ein Schnellschuss kann leicht nach hinten losgehen. Damit nicht prompt die Standardabsage im Posteingang landet, gilt es einige Regeln zu beachten.

"Grundsätzlich gelten für eine Online-Bewerbung die gleichen Qualitätsmaßstäbe wie für Papier-Unterlagen", sagt Peter Kincer, der als Personalreferent für die Auswahl von Mitarbeitern beim Ingenieurdienstleister Ingenics zuständig ist. Großen Wert legt er auf Vollständigkeit und Struktur. Zunächst nur einen Kurzlebenslauf zu verschicken, mache keinen Sinn. Immerhin könnten mit einem Mausklick gleich sämtliche Unterlagen mitgeliefert werden. Und das möglichst in einem einzigen Dokument mit einer Größe von nicht mehr als 1,5 Megabyte: "Das ist doch heutzutage ein Kinderspiel."

Was Kincer für selbstverständlich hält, ist bei vielen Jobsuchenden allerdings noch nicht angekommen. Etwa 70 Prozent der an ihn per E-Mail versandten Unterlagen sind zu beanstanden, sagt er. "Datenmüll" nennt Kincer das, was sich häufig in seiner Mailbox ansammelt, und meint damit eine Vielzahl einzelner Dateien in unterschiedlichsten Formaten: zehn Bilder hier, zwei Word-Dokumente dort und dann noch eine Excel-Tabelle oben drauf. "Das ist einfach nicht professionell."

Firmen sehen viele Vorteile

Zudem ärgert es ihn maßlos, wenn die Etikette vernachlässigt wird, nur weil das Internet zum Einsatz kommt. Etwa zehn Prozent der Kandidaten machten sich nicht einmal die Mühe, den Namen des Personalreferenten richtig zu schreiben. "Und Smileys haben auch in einem Online-Anschreiben nichts zu suchen", moniert Peter Kincer.

Besonders peinlich aber findet er es, wenn Massenmailings durch die Angabe der übrigen Adressaten im cc-Feld als solche zu erkennen sind. Stattdessen sollte sich der Bewerber die Mühe machen, für jede Stellenausschreibung eine individuelle E-Mail zu verfassen. Sonst droht das vorzeitige Aus, denn kein Arbeitgeber sieht sich gern als einer unter vielen. Gut aufbereitete digitale Bewerbungsunterlagen hingegen erleichtern die Arbeit der Personalabteilungen. Sie lassen sich bequem an alle am Auswahlprozess beteiligten Kollegen weiterleiten oder auf einem Laufwerk speichern, auf das alle Zugriff haben.

Besonders die großen Konzerne mit hohem Bewerbungsaufkommen stellen daher vermehrt darauf um, ihre Bewerber online zu rekrutieren - entweder per E-Mail-Bewerbung oder virtuellem Bewerbungsformular. Einer Umfrage zufolge nimmt etwa DaimlerChrysler nur noch Online-Bewerbungen an. Auch Lufthansa, Siemens und Bayer lassen nur noch in Ausnahmefällen Mappen zu. Die Commerzbank bevorzugt ebenfalls laut Studie inzwischen die digitale Variante und spart so 35 Millionen Euro jährlich ein.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Studie "Recruiting Trends 2006" der Johann Wolfgang Goethe-Universität im Auftrag des Karriereportals Monster. Nur noch 41,4 Prozent der befragten Unternehmen ziehen die klassische Bewerbungsmappe dem virtuellen Bewerbungsformular oder der E-Mail-Bewerbung vor.

Bei Sammeladressen gehen Bewerbungen oft unter

Die Akzeptanz virtueller Bewerbungen steigt zwar, aber noch ist die elektronische Bewerbungsmappe via Mail nicht bei jeder Firma gern gesehen. Während der Jobsuchende bei Stellen, die im Internet ausgeschrieben sind, davon ausgehen kann, dass eine E-Mail-Bewerbung erwünscht ist, verhält es sich bei Annoncen in Zeitungen oder Zeitschriften anders. Die Angabe einer E-Mail-Adresse in der Stellenanzeige kann ein Indiz für die Akzeptanz von E-Mail-Bewerbungen sein.

Laut einer Auswertung der Personalberatung personal total gaben 51,5 Prozent der Unternehmen im ersten Halbjahr 2005 einen E-Mail-Kontakt in ihren Stellenanzeigen in Print-Medien an. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Vergleichszeitraum 2003 waren es erst zwölf, ein Jahr später schon 23 Prozent.

Doch nicht immer kommt die Angabe einer E-Mail-Adresse der Aufforderung gleich, die Bewerbung digital zu versenden. Wenn in der Ausschreibung ausdrücklich eine schriftliche Bewerbung per Post gewünscht wird, ist der E-Mail-Kontakt lediglich für Rückfragen gedacht. Im Zweifel sorgt eine telefonische Nachfrage in der Personalabteilung für Klarheit.

Mit einem Anruf lässt sich auch der richtige Ansprechpartner für Initiativbewerbungen recherchieren. Das vermeidet die unpersönliche Ansprache "Sehr geehrte Damen und Herren" und schließt die Gefahr aus, dass die Bewerbung in einer Sammeladresse wie "info@unternehmen.de" untergeht.

Von Martina Meisl, Jobpilot.de

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