Folgen der Schavan-Affäre Ring frei fürs verbale Prof-Boxen

Die Plagiatsaffäre von Annette Schavan ist noch nicht vorbei, jedenfalls nicht für Professoren, Wissenschaftler und Funktionäre: Der Dekan der Uni Düsseldorf haut verbal auf den Vorsitzenden des Wissenschaftsrat ein. Was ist da los?

Uni Düsseldorf: Die Hochschule sieht sich zu Unrecht kritisiert
DPA

Uni Düsseldorf: Die Hochschule sieht sich zu Unrecht kritisiert


Die Wut steht, wie so oft, zwischen den Zeilen. Der Dekan der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf ist spürbar sauer auf den Vorsitzenden des Wissenschaftsrats (WR), er zürnt ihm in einem offenen Brief (hier als pdf). Professor kritisiert Professor, Dekan kritisiert Wissenschaftsfunktionär - das klingt wie eine Posse aus dem akademischen Millieu. Es geht aber um mehr: Wie gehen Universitäten künftig mit Plagiatsverfahren um?

Denn das Geplänkel zwischen Bruno Bleckmann, Düsseldorfer Dekan, und WR-Präsident Wolfgang Marquardt spielt vor der Kulisse der Plagiatsaffäre von Annette Schavan. Die Uni Düsseldorf hatte der Ex-Ministerin den Doktortitel entzogen, dafür wurde in Universität mehrfach kritisiert: Die Uni hätte externe Gutachter hinzuziehen müssen, so lässt sich die Kritik vereinfachen. Außerdem seien Zitierfehler wie in Schavans Doktorarbeit in den Siebzigern und Achtzigern üblich gewesen.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat das allerdings anders gesehen. Dort unterlag Schavan, als sie gegen den Doktorentzug vorging. Die Heinrich-Heine-Universität habe korrekt gehandelt, so das Urteil. WR-Präsident Marquardt hatte kurz vor dem Urteil der "Zeit" folgendes gesagt: "Es gibt mittlerweile einen Konsens darüber, dass in den Verfahren, in denen über den Entzug des Doktortitels entschieden wird, Begutachter, Bewerter und Entscheider getrennt sein sollten, dass es ein Mehraugenprinzip geben sollte und dass eine Arbeit nicht allein über eine formalistische Textanalyse bewertet werden kann."

Darauf bezieht sich jetzt auch Dekan Bleckmann. Er sieht Marquardts Äußerung als nachträgliche Kritik an der Uni Düsseldorf und fordert ihn auf, das nicht zu wiederholen. Er bringe sonst "das gesamte akademische Prüfungswesen in schweres Fahrwasser".

Zuvor hatte bereits der Uni-Rektor Michael Piper angekündigt, sich nicht wiederwählen zu lassen und in seiner Begründung auch auf den Fall Schavan und die Kritik an seiner Uni Bezug genommen.

Auch in Bayern hatte der Fall Schavan Folgen. Der Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München, Bernd Huber, räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, Schavan zur Hochschulrätin zu machen. "Ich muss im Nachhinein sagen: Das war ein Fehler. Der Plagiatsvorwurf hat bei vielen an der Universität den Kern des wissenschaftlichen Selbstverständnisses berührt", so zitiert ihn die "Zeit". Schavan musste den Hochschulrat mittlerweile wieder verlassen.

Von diesen Vorgängen offenbar ungerührt, trat Schavan selbst in den vergangenen Tagen wieder in die Öffentlichkeit: Sie nahm die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck entgegen. Ihrem Namen kann sie nun ein Dr. h.c. hinzufügen, einen Doktor ehrenhalber.

otr



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Seite 1
gog-magog 23.04.2014
1.
Zitat von sysopDPADie Plagiatsaffäre von Annette Schavan ist noch nicht vorbei, jedenfalls nicht für Professoren, Wissenschaftler und Funktionäre: Der Dekan der Uni Düsseldorf haut verbal auf den Vorsitzenden des Wissenschaftsrat ein. Was ist da los? http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/plagiat-saffaere-schavan-duesseldorfer-dekan-kritisiert-wr-chef-a-965707.html
Die Ehre von Betrügern und Plagiatoren stelle auch kein Ehrendoktor wieder her. Es gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, vor diesem Hintergrund einen Ehrendoktor zu verleihen, geschweige denn ihn gar anzunehmen.
parsimony 23.04.2014
2. sehr aufschlussreich
Sollten tatsächlich unter der Ägide von Wolfgang Marquardt also dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats Veranstaltungen zur "Relativierung der Bedenklichkeit von Textplagiaten" stattgefunden haben, dann sollte er schleunigst dem Vorbild von Frau Schavan folgen und zurücktreten.
gekreuzigt 23.04.2014
3. Das eigentliche Problem ist,
dass so viele Menschen den Dr.-Titel tatsächlich ernst nehmen. Heutzutage stellt er aber in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle allenfalls noch eine Fließarbeit dar, nicht hingegen eine wissenschaftliche Leistung. Man sollte die Titelträger eher belächeln als anhimmeln uns sie mit ihrer selbstgewählten Würde entspannt abtreten lassen.
cassandros 23.04.2014
4. Verbalien des Dekans
Zitat von sysopDPADie Plagiatsaffäre von Annette Schavan ist noch nicht vorbei, jedenfalls nicht für Professoren, Wissenschaftler und Funktionäre: Der Dekan der Uni Düsseldorf haut verbal auf den Vorsitzenden des Wissenschaftsrat ein. Was ist da los? http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/plagiat-saffaere-schavan-duesseldorfer-dekan-kritisiert-wr-chef-a-965707.html
1) "Der" Dekan der Uni Düsseldorf? Die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf hat 1 *Präsidenten*, Dekane hat sie deren etliche: - http://www.hhu.de/home/startseite/news-detailansicht/article/semesteranfang-rektor-und-dekane-begruessen-die-erstis-1.html 2) An Universitäten sagt man "...d*es* Wissenschaftsrat*es*".
ellereller 23.04.2014
5. Zwei interessante Sätze
aus dem offenen Brief, die im Artikel leider nicht erwähnt werden "Die uneinheitliche Art und Weise, in der diese Verfahren durchgeführt oder bisweilen auch unterlassen werden, erklärt sich nicht dadurch, dass es an Standards fehlen würde. Sie ergibt sich vielmehr daraus, dass einige Fakultäten in diesen immer unangenehmen Fällen rechtsfehlerhaft entscheiden und andere nicht." Welche Universitäten und welche Fälle damit wohl gemeint sind?
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