Promotion nach Bestechung Juristen dürfen ihre Doktortitel behalten

Viele tausend Euro hatten sie "Promotionsberatern" gezahlt, die damit einen Professor schmierten. Trotzdem dürfen neun frühere Jura-Doktoranden ihre Doktortitel behalten. Sie hätten nichts von der Bestechung wissen müssen, urteilten überraschend Hannoveraner Richter.

Dunkle Wege zum Titel: Neun Juristen bezahlten für den Doktor - und dürfen ihn behalten
dapd

Dunkle Wege zum Titel: Neun Juristen bezahlten für den Doktor - und dürfen ihn behalten


Sie sind vom Fach, mit Rechtsprechung kennen sie sich aus, und es ging um ihre berufliche Existenz. Daher wehrten sich gegen den Verlust ihrer teuer bezahlten Titel - mit Erfolg. Neun ehemalige Jura-Studenten, deren Doktorvater und Hauptprüfer an der Universität Hannover sich hat nachweislich bestechen lassen, haben gegen die Aberkennung ihrer Promotion vor geklagt. Jetzt hat das Verwaltungsgericht Hannover entschieden: Die Juristen hätten nichts von der Bestechung wissen müssen; ihre Promotion sei inhaltlich rechtmäßig gewesen.

Es ist - nach dem bundesweiten Skandal um gekaufte Doktortitel - eine verblüffende Entscheidung. Die beschuldigten Doktoren hatten einen gewerblichen Promotionsvermittler bezahlt: das "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach, das seit gut zwanzig Jahren in Expertenkreisen einschlägig bekannt ist und stets einen zweifelhaften Ruf genoss. Die zwielichtigen Promotionsberater aus der Nähe von Köln schmierten mit einem Teil ihres oft satt fünfstelligen Honorars unter anderem den Doktormacher Professor A. in Hannover. Die Uni argumentierte: Angesichts der hohen Summen hätten die Doktoranden von einem falschen Spiel ausgehen müssen oder das nur "infolge grober Fahrlässigkeit nicht erkannt".

Das Verwaltungsgericht sah das anders und wollte auch inhaltlich keine Mängel erkennen. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass der von einer Beratungsgesellschaft bestochene Professor auf die Begutachtung der Doktorarbeiten durch andere Hochschullehrer und die mündliche Prüfung Einfluss genommen habe, heißt es in der Begründung (Aktenzeichen 4 A 1066/09).

Doktormacher-Enttarnung erschütterte Deutschlands Hochschullandschaft

Das Urteil demonstriert erneut, wie schwierig es ist, jemandem einen Doktortitel wieder abzuerkennen. Die Uni hatte bereits zuvor mit einer anderen Begründung versucht, die Titel einzukassieren. Im Raum stand der Vorwurf, die neun Juristen hätten sich der Beihilfe zur Bestechung schuldig gemacht. Der renommierte Fachanwalt Wolfgang Zimmerling hielt dagegen: Nach seinen Worten war das Geld für den Vermittler mehreren seiner Mandanten "ziemlich egal, da die Eltern bezahlten". Also hielten die Richter die Beihilfe der Promotionsstudenten selber für unbewiesen.

Die von den neun Doktoren bezahlten Promotionsbetrüger hatten ein kleines Erdbeben an den deutschen Universitäten ausgelöst. Der Promotionsberater Martin D. war 2008 wegen Bestechung in 61 Fällen zu dreieinhalb Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden und verlor seinen Doktortitel, den er für Straftaten missbraucht. Er war seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer des von Frank G. gegründeten "Instituts für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach, im Dunstkreis der Hochschulen schon seit den achtziger Jahren sattsam bekannt.

Das Institut bot angeblich legale Dienstleistungen an. Klar ist, dass es promotionswilligen und solventen Kunden gegen Zahlung von oft um die 20.000 Euro Doktorväter aus ganz Deutschland vermittelte und die Professoren für die Annahme der Doktoranden bezahlte. Kritiker wie der Münchner Professor Manuel René Theisen haben stets bezweifelt, dass solche hohe Summen ausschließlich für die Vermittlung von Doktorväter flossen.

Die Titelträger brauchen vorerst keine neuen Visitenkarten

Auch der geschmierte Professor A. wurde inzwischen verurteilt, seinen Titel verlor er ebenfalls. Das Businessmodell des geschäftstüchtigen Hochschullehrers funktionierte so: Pro Kandidat, den er erfolgreich zum Doktor machte, erhielt er 4100 Euro - 2050 Euro für die Annahme eines Bewerbers, die gleiche Summe nach erfolgreicher Promotion.

Das Geld floss unter anderem auf das Konto seines Vaters und seiner Frau, die der Juraprofessor während des Prozesses selbst als Strohfrau bezeichnet hatte. Die Gattin schrieb auch die Rechnung an die Beratungsfirma im Bergischen Land. Dafür sitzt der Hannoveraner Ex-Professor jetzt drei Jahre in Haft - wegen Bestechlichkeit in 68 Fällen, hieß es im Urteil gegen ihn im April 2009. Außerdem hatte der Professor in einem Fall eine bessere Beurteilung gegen sexuelle Gefälligkeiten einer Studentin vergeben, auch das spielte in seinem Prozess eine Rolle.

Jetzt sieht es so aus, als ob die neun Juristen, die in Hannover erfolgreich für ihren Titel stritten, darunter mehrere Beamte und Anwälte, ihre Visitenkarten nicht neu drucken lassen müssen. Für den Wert des Doktortitels und den Ruf der deutschen Universitäten ist das kein gutes Signal. Der Deutsche Hochschulverband hatte kürzlich alle Hochschulen aufgefordert, Doktoranden in einer eidesstattlichen Erklärung explizit versichern zu lassen, keine Hilfe eines "Promotionsberaters" in Anspruch genommen zu haben.

Gegen das Urteil kann allerdings beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht die Zulassung der Berufung beantragt werden. Ob die Uni Hannover von diesem Rechtsmittel Gebrauch machen wird, ist unklar. Für eine Stellungnahme war kein Sprecher zu erreichen.

otr/jol/dpa

insgesamt 1105 Beiträge
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dickebank, 29.08.2009
1. Falsche Frage
Zitat von sysopDie fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
es gibt nur akademische Grade. Titel kennt nur das Namensrecht. Durch das Namensrecht wird der akademische Grad des Doktors erst zum Titel. Zweiter Denkfehler ist, dass kein Mensch promovieren kann. Ein Akademiker kann bei entsprechender Leistung, die Dissertation genannt wird, promoviert werden. Aber warum sich auch mit Feinheiten aufhalten, wenn die Masse mit ihrer Meinung zum Zuge kommen soll.
Kanzleramt 29.08.2009
2. ...
Zitat von sysopDie fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
Habe noch nie verstanden warum praktizierende Ärzte unbedingt einen Doktor haben müssen. So weit ich weiß, ist das ja wirklich Pflicht, oder liege ich da falsch? Bei Zahnärzten ist es ja keine Pflicht und ich kenne Zahnmedizinstudenten die keinen Doktor machen. Mein Zahnarzt hat auch keinen Doktortitel und der ist super, jedenfalls gabs bisher nichts zu klagen. Wer nicht an der Uni (oder einem Institut) als Wissenschaftler und Forscher bleiben will, braucht meiner Ansicht nach auch keinen Doktor machen, außer er hat eben Spaß an der Freude daran. Allgemein kenne ich aber immer mehr, die einen Doktor machen wollen. Zum einen, um das "Studium" bzw. die Zeit an der Uni zu Verlängern (abhängig vom Arbeitsmarkt) oder ganz einfach aus ANGST später als Arbeitnehmer ohne Doktortitel nichts mehr wert zu sein, bzw. gar keinen Job mehr zu bekommen. Da herrscht anscheinend u.a. noch/wieder ganz viel ständischen Denken vor.
volkmargrombein 29.08.2009
3. Verfällt der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
Zitat von sysopDie fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
Erstaunlich ist, dass das man erstaunt ist! Der Handel mit Akademischen Titeln ist bestimmt schon 20 Jahre alt. Man hat das Problem einfach nicht zur Kenntnis genommen. Das allein ist schon bezeichnend für eine Klientel, der zum Teil der Blick für die Realität total abhanden gekommen ist, bzw. die ihn niemals besessen haben. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass die Qualität eines Arztes durchaus nicht durch einen akademischen Titel besser wird. Im Gegenteil, ich kenne Ärzte, die keinen DR. an ihrem Schild haben und dennoch manchem der Herren Doktores an Leistung überlegen sind! Zusammen mit dem Geseter um die ach so niedrigen Honorare, die jüngst eine ganze Branche Lügen straften, ergibt sich ein weitere Beleg für den moralischen Niedergang dieser Branche!! Jedenfalls ist es nicht verkehrt, manchen Zeitgenossen mit einer gehören Portion Mißtrauen zu begegnen!
Skade, 29.08.2009
4. Medizin
was der Betrug bei den Medizinern soll ist mir ohnehin unverständlich. Den Medizin Dr. Titel bekommt man doch quasi geschenkt. Btw. ich kenne eine Klinik da laufen einige Ärzte mit einme Dr. Titel herum ohne ihn wirklich zu haben. Anweisung vom Chef, damit die Patienten mehr Vertrauen zum Arzt haben.
GM64 29.08.2009
5. ja, der Medizin Dr. ist ein Geschenk
Zitat von Skadewas der Betrug bei den Medizinern soll ist mir ohnehin unverständlich. Den Medizin Dr. Titel bekommt man doch quasi geschenkt. Btw. ich kenne eine Klinik da laufen einige Ärzte mit einme Dr. Titel herum ohne ihn wirklich zu haben. Anweisung vom Chef, damit die Patienten mehr Vertrauen zum Arzt haben.
Eigentlich braucht man dazu nur einige Versuchsobjekte und Statistik Kenntnisse. Die Statistik gibt es im Paket z.B. Maple, oder Mathlab. Sollte auch mal an einem veterinär Dr. mitarbeiten. Wer es nötig hat so etwas zu kaufen ist wirklich das aller Letzte. Dennoch gibt es Mediziner die keinen Dr. Titel haben. Das kann ich nicht verstehen. Wenn der Arzt keinen Dr. Titel hat, würde ich da nicht hin gehen, weil der ist absolut unfähig.
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