Der SPIEGEL

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13. April 2014, 12:24 Uhr

Kein Studienabschluss

Schavans Botschafterposten im Vatikan wackelt

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan soll Botschafterin im Vatikan werden. Nach SPIEGEL-Informationen könnte der neue Posten an Schavans Plagiatsaffäre scheitern: Ohne ihren Doktor fehlt ihr der eigentlich nötige Hochschulabschluss.

Berlin - Die geplante Entsendung von Annette Schavan als Botschafterin in den Vatikan gestaltet sich nach SPIEGEL-Informationen kompliziert: Mit einem Botschafterposten würde die ehemalige Bildungsministerin in den höheren Dienst des Auswärtigen Amtes aufsteigen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein abgeschlossenes Hochschulstudium - in der Geschichte der Bundesrepublik gab es nur wenige Ausnahmen für Botschafterposten, die mit Nicht-Akademikern besetzt wurden.

Da Schavan ihr Studium 1980 mit einer Direktpromotion abgeschlossen hatte, steht sie nach der Aberkennung ihres Doktortitels ohne Abschluss da. Entschließt sich das Bundeskabinett, die Christdemokratin trotzdem an den Heiligen Stuhl in Rom zu entsenden, verstieße die Entscheidung gegen die Vorschriften des Ministeriums. Nach Informationen aus dem Auswärtigen Amt wäre Schavan die erste Botschafterin ohne Hochschulabschluss.

Die Idee, Schavan als Diplomatin in den Vatikan zu entsenden, war bereits früher auf Kritik im Auswärtigen Amt gestoßen. Der Personalrat des Amtes bemängelte, die frühere Ministerin sei unzureichend qualifiziert.

Die Universität Düsseldorf hatte Schavan im Februar 2013 ihren mehr als 30 Jahre zuvor zuerkannten Doktorgrad aberkannt. Kurz darauf klagte Schavan gegen die Entscheidung des Düsseldorfer Fakultätsrats und trat als Bundesbildungsministerin zurück. Nach einer ersten juristischen Niederlage entschied sich Schavan, nicht weiter juristisch um ihren akademischen Grad zu kämpfen.

cht

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