Schräge Studentenjobs Licht aus, Spot an

Zwei Drittel aller Studenten arbeiten neben der Uni und quälen sich oft jahrelang durch ödes Aktensortieren oder schlecht bezahltes Kellnern. Es geht auch anders: Zwei Wuppertaler haben ungewöhnliche Jobs gefunden - als "Verfolgerin" beim Tanztheater und als professioneller Schwarzfahrer.

Von Sebastian Badenberg


Fotini Rodouli: International erfahrene "Verfolgerin"
Sebastian Badenberg

Fotini Rodouli: International erfahrene "Verfolgerin"

"Dass David Bowie in der ersten Reihe saß, habe ich erst in der Pause bemerkt", erzählt Fotini Rodouli. Die 26-jährige Psychologiestudentin jobbt in den Semesterferien beim Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch als "Verfolgerin": Während der Aufführung eines Stücks sitzt sie in einer kleinen Kabine unter der Hallendecke und verfolgt die Hauptakteure mit einem Scheinwerfer - dem "Follow Spot".

An den ausgefallenen Nebenjob kam die lebhafte Griechin über einen Bekannten. Zunächst arbeitete sie beim Bühnenbau des Tanztheaters und half, die Kulissen zu bemalen und bei den Vorstellungen auf- und abzubauen. "Dann haben sie mich gefragt, ob ich nicht mal als Verfolgerin arbeiten will." Sie wollte. Und reiste inzwischen zu Gastspielen nach Berlin und New York.

Pina Bausch: Die große alte Dame des deutschen Tanztheaters
AP

Pina Bausch: Die große alte Dame des deutschen Tanztheaters

Besonders die US-Metropole, direkt nach dem 11. September, beeindruckte sie sehr, der fast schon trotzige Optimismus der New Yorker: "Von Resignation keine Spur." Dort traf sie auch auf Pop-Legende Bowie, den sie bei einer Vorstellung in der Brooklyn Academy of Music "erst gar nicht erkannte".

Nebenjob und Hobby ergänzen sich bei Fotini Rodouli optimal. Das Geld gibt die Studentin meist direkt für ihre größte Leidenschaft aus - Reisen. Zuletzt war sie in Frankreich, Griechenland, Thailand und Kambodscha. Und: "Ein paar lästige Rechnungen müssen halt auch bezahlt werden."

Schwarzfahren mit Spaßfaktor

Idealer Job als Profi-Schwarzfahrer: Die Fahrausweise, bitte
ADAC

Idealer Job als Profi-Schwarzfahrer: Die Fahrausweise, bitte

Bis nach New York ist Jens Gailus bisher noch nicht gekommen, aber regelmäßig nach Stuttgart. Der 32-Jährige studiert in Wuppertal Sozialwissenschaften und verdient sein Geld mit dem Traum jedes Schwarzfahrers: ohne Ticket Straßenbahn fahren und sogar noch Geld dafür bekommen.

In der Stuttgart testet Gailus das Personal des öffentlichen Nahverkehrs. Sein Arbeitgeber ist die Bochumer Zeus GmbH, die mit Hilfe von Testkunden die Qualität von Dienstleistungen untersucht. "Silent Shopping" heißt das Verfahren.

"Mit drei Profilen testen wir das Verhalten der Kontrolleure", sagt Gailus, "aggressiv, freundlich und begriffsstutzig." Pro Stunde bekommt der Profi-Schwarzfahrer rund 8,50 Euro - plus Hotel- und Reisekosten.

Was das Studium kostet
DER SPIEGEL

Was das Studium kostet

Aber der Spaßfaktor zählt für den Studenten besonders. "Es kann wirklich lustig werden, in einer voll besetzten Straßenbahn den aufsässigen Schwarzfahrer zu spielen", erzählt Gailus. "Fairerweise muss ich aber zugeben, dass die meisten Kontrolleure trotz aller schauspielerischen Anstrengung ruhig und freundlich bleiben."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.