Schwindelanfälle im Büro Die zehn größten Lügen der Kollegen

Die Aufschneider und Lästerziegen, die Schleimer und Ideendiebe - Martin Wehrle kennt sie alle. "Am liebsten hasse ich Kollegen" heißt sein Buch über die Schrecken des Büroalltags. Der Hamburger Karrieretrainer warnt: Manche Kollegen lügen, sobald sie den Mund aufmachen. Und andere schon vorher.

Corbis


Ihr Kollege holt Luft, um etwas zu erzählen, dann legt er los: "Ehrlich gesagt ..." Was erwarten Sie nun? Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Oder kann es sein, dass Sie die Lunte einer Lüge riechen? Warum muss er seine Ehrlichkeit betonen? Er hat Zweifelhaftes zu berichten!

Psychologen der Eastern Washington University fanden heraus: Wann immer Menschen versichern, sie wollten nicht lügen, hochstapeln oder angeben, werden sie von ihren Zuhörern für Lügner, Hochstapler oder Angeber gehalten. Oft zu Recht. Die Zahl der täglichen Schwindeleien ist, passend zum Thema, Schwindel erregend hoch: Bis zu zweihundert Mal sagt ein Mensch zwischen Aufwachen und Einschlafen die Unwahrheit.

Und wie heißt der Platz, wo Wahrheiten am häufigsten verdreht wird? Er heißt: Arbeitsplatz! Hier erfahren Sie, welches die zehn häufigsten Lügen der Kollegen sind und wie es zu der Schwindelsucht kommt.

1. "Ich will gar nicht befördert werden"

Können Sie sich vorstellen, dass ein 100-Meter-Läufer behauptet, "ich will nicht als Erster durchs Ziel"; ein Golfer, "ich will das Loch gar nicht treffen"; ein Mittelstürmer, "ich schieße am liebsten am Tor vorbei?" Nicht denkbar, sagen Sie?

Warum um alles in der Welt sollten Sie dann der Beteuerung eines Kollegen vertrauen, er wolle gar nicht befördert werden? Glauben Sie ernsthaft, er würde einen Chefsessel und vor allem ein Chefgehalt mit derselben Entschiedenheit ablehnen, mit der er ein Zeitschriften-Abo an der Haustür zurückweist? Glauben Sie, er würde seinen Namen aus dem Beförderungsrennen ziehen und Ihren ins Spiel bringen, weil er Kollegialität größer als Karriere schreibt?

Natürlich nicht! Wer lauthals behauptet, kein Stuhl sei für ihn abstoßender als der Chefsessel, kann damit zwei Ziele verfolgen. Zum einen ist aus der Fabel bekannt, welche Trauben der hungrige Fuchs für ungenießbar erklärt: jene, die zu hoch für ihn hängen. Wer sagt, dass er nicht will, wird später nicht ausgelacht, wenn er nicht kann - im Gegensatz zu dem, der sich vergeblich streckt. Aber was, wenn dem listigen Fuchs die Trauben durch ein Beförderungsangebot vor die Füße fallen? Mit einem Haps wären sie verschlungen!

Zum anderen erfüllt das demonstrative Desinteresse eine taktische Funktion: Der Mittelstürmer tut so, als sei er nicht mehr im Beförderungsspiel. Müssen Sie sich also anstrengen, wenn der Ball in den Strafraum segelt? Müssen Sie Selbst-PR betreiben, Überstunden machen, sich für den Aufstieg vor Ihrem Chef positionieren? Offenbar nicht, die Beförderung scheint Ihnen mangels Konkurrenz in den Schoss zu fallen.

Aber dann - Hokus Pokus Fidibus! - taucht aus dem Nichts Ihr Kollege auf, hechtet nach dem Ball und schnappt Ihnen die Aufstiegschance vor der Nase weg. Was für den Golfer das Loch ist, ist für den Kollegen die Beförderung - sein wahres Ziel.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 12.05.2010
1. 168
1. "Ich will gar nicht befördert werden" Tja, manche Menschen fühlen sich halt wohl genau da, wo sie jetzt sind. Wenn ich meinen Abteilungsleiter so beobachte, der zwar mehr Geld bekommt, aber dafür ständig in irgendwelchen nutzlosen und langweigen Telefonkonferenzen hängt und nur noch Verwaltungspapiere auf seinem Tisch schiebt, dann wollte ich den Job nicht wirklich. Denn mehr Geld macht nicht wett, dass sich dann ein 8h-Job wie eine 12h-Quälerei anfühlen würde, weil die Zeit einfach nicht rum geht. 6. Teil: "Ich sag dem Chef meine Meinung" Das geht vielleicht mit 1.) zusammen, aber wenn ich denke, dass eine Entscheidung fachlich einfach falsch ist, dann werde ich das sachlich, aber hart in der Sache auch meinem Chef gegnüber artikulieren - und bisher bin ich damit eigentlich verdammt gut gefahren. Allerdings tue ich auch nicht so (weder vor, noch hinterher), als ob ich jetzt auf Krawall gebürstet mal dem Cheffe die Meinung geigen wollte. 8. Teil: "Ich kann auch ohne die Arbeit" Das kommt glaube ich auf den Job an. Wenn man einen Job hat, den man nur des Essens im Mund wegens tut, warum sollte man diesen weiter ausführen, wenn diese Bedingung wegfällt? Und den Job verlieren ist ja qualitativ etwas völlig anderes, als den Job aufzugeben. Würde sich die Schlecker-Verkäuferin die Drangsalierung und die Überwachung wirklich weiter antun, wenn sie 5 Millionen auf dem Konto hätte?
air plane 12.05.2010
2. [quote
Zitat von sysopDie Aufschneider und Lästerziegen, die Schleimer und Ideendiebe - Martin Wehrle kennt sie alle. "Am liebsten hasse ich Kollegen" heißt sein Buch über die Schrecken des Büro-Alltags. Der Hamburger Karrieretrainer warnt: Manche Kollegen lügen, sobald sie den Mund aufmachen. Und andere schon vorher. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,693711,00.html
tja, so läuft das wohl: ein paar allgemeinplätzchen und klischees mit hohem unterhaltungs- da wiedererkennungswert für eine möglichst große zielgruppe, und dann müsste es ja klappen mit dem bestseller. aus der reihe "bücher, die die welt nicht braucht".
vhf 12.05.2010
3. Ich will gar nicht befoerdert werden...
Geht mir genauso. Ich mach das, was ich studiert hab, und das macht mir seit 15 Jahren Spass, inklusive fachlicher Weiterentwicklung. Ich bin sehr froh darueber, dass ich Leute dafuer zahle, mir die Buerokratie, Politik und die ganzen Machtspielchen vom Hals zu halten. (Diese Leute heissen "Chef" und wer auf sowas steht, soll's gern machen.)
vhf 12.05.2010
4. "Ich sag dem Chef meine Meinung"
Gottseidank hab ich ein so gutes Verhaeltnis zu meinem Chef, dass ich das nicht auf Krawall machen muss. Wenn ich ein Problem mit ihm hab, gehen wir mal in einen Besprechungsraum und koennen frei reden. Irgendwelche Kollegen geht so eine Aktion weder etwas an, noch bekommen sie das mit.
idealspots 12.05.2010
5. BüroBüro
Zitat von sysopDie Aufschneider und Lästerziegen, die Schleimer und Ideendiebe - Martin Wehrle kennt sie alle. "Am liebsten hasse ich Kollegen" heißt sein Buch über die Schrecken des Büro-Alltags. Der Hamburger Karrieretrainer warnt: Manche Kollegen lügen, sobald sie den Mund aufmachen. Und andere schon vorher. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,693711,00.html
Ach, und diese Synonymliste; wie witzig und originell. Mann, bin ich froh in keinem dieser Büros versauern zu müssen. Mein Beileid an alle! Besonders die verbissenen Karreristen, Schleimer, Opportunisten, Langweiler gehen mir dann doch so gar nicht ab ;-)
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