Honorarverträge Selbstständige Lehrer schulden der Rentenkasse Millionen 

Der Stundensatz klingt mit 17 bis 35 Euro gut, doch wegen unbezahlter Ferienzeiten und hoher Versicherungen reicht er offenbar nicht: Tausende selbstständige Lehrer haben Schulden bei der Rentenversicherung.

Lehrer und Schüler eines Integrationskurses einer Volkshochschule in Leipzig (Archiv)
DPA

Lehrer und Schüler eines Integrationskurses einer Volkshochschule in Leipzig (Archiv)


Selbstständige Lehrer schulden der Rentenversicherung einen dreistelligen Millionenbetrag. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Grünen hervor, über die der MDR zuerst berichtete.

Dabei geht es um Honorarlehrer, wie sie etwa als Sprachlehrer an Goethe-Instituten arbeiten, als Integrationslehrer an Volkshochschulen oder als Dozenten an Hochschulen. Trotz hoher Qualifikation sind die Honorare niedrig.

"Hier zeigt sich, wie schlecht die Lehrer bezahlt werden, und dass sie es gar nicht schaffen, neben dem Krankenversicherungsbeitrag noch die Rentenversicherung zu bezahlen," sagte der Grünen-Politiker Markus Kurth dem Nachrichtenmagazin "exakt".

Zuletzt forderte etwa das Bundesinnenministerium von den Veranstaltern von Integrationskursen, den freien Lehrern mindestens 35 Euro pro Stunde zu zahlen. Den Ruf nach fairer Bezahlung für Honorarlehrkräfte gibt es schon seit über zehn Jahren. Laut MDR liegen die Honorare aktuell zwischen 17 und 35 Euro.

Davon müssen die Selbstständigen hohe Versicherungsbeiträge zahlen - sowohl ihren als auch den Arbeitgeberanteil. Sind sie krank, fließt kein Geld, ebenso in den Ferienzeiten. Laut dem MDR arbeiten dadurch etwa 73.000 Volkshochschuldozenten auf Mindestlohnniveau oder darunter. Viele zahlten trotz der Versicherungspflicht deshalb keine Rentenbeiträge ein.

Das Minus der Pflichtversicherten bei der Rentenkasse beläuft sich laut der Kleinen Anfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, auf 297 Millionen Euro. Insgesamt sind bei der deutschen Rentenversicherung rund 55.000 Personen pflichtversichert. Darunter fallen etwa auch Selbstständige aus Gesundheitsberufen wie Hebammen. Den größten Teil machen laut Einschätzung der Rentenversicherung aber Honorarlehrkräfte aus.

Einen großen Teil der Summe wird die Kasse wohl nie eintreiben können: Bei 108 Millionen Euro wird von der Erhebung wegen Zahlungsunfähigkeit der Schuldner zumindest vorläufig abgesehen, bei weiteren 23 Millionen Euro Schulden sogar endgültig, geht aus der Anfrage hervor.

Für die Schuldner hat direkte Auswirkung auf ihre Rente: "Solange Beiträge von Selbständigen trotz bestehender Versicherungs- und Beitragspflicht nicht gezahlt wurden, ist eine Berücksichtigung bei der Berechnung ihrer Rente nicht möglich," sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutsche Rentenversicherung Bund.

sun

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