Comeback der Viehhirten Endlich frei

Sie sind jung, kommen aus der Stadt - und haben Sehnsucht nach dem einfachen Leben: Der Beruf des Viehhirten erlebt in den Pyrenäen einen Aufschwung. Statt Bürostress gibt es ehrliche, harte Arbeit.

Joan Alvado

Ein Monat Theorie, vier Monate Praxis - und ab in einen neuen Job. Die "Escola de Pastors de Catalunya" (Hirtenschule Kataloniens) am Rande der Pyrenäen bildet junge Menschen zu Hirten aus. Fotograf Joan Alvado zeigt die Schüler - während und nach ihrer Ausbildung.

Die Teilnehmer lernen Grundlagen der Viehzucht kennen, aber auch die Schwierigkeiten des Berufs. Über 60 Prozent der Schüler wollen laut der Hirtenschule im Anschluss an die Ausbildung Kühe, Schafe, Ziegen oder Pferde hüten.

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Zurück zur Natur: Junge Menschen wollen Hirten werden

Das Leben als Hirte ist alles andere als einfach: täglich körperliche Arbeit, lange Arbeitstage, kaum Freizeit und bei Wind und Wetter in der Natur sein. Deshalb testen die Mitarbeiter der Schule die Motivation der Teilnehmer genau. "Wir suchen Menschen, die sich vorstellen können, beruflich als Landwirt zu arbeiten und das auch mit ihrer Lebensweise in Einklang bringen können", heißt es auf der Webseite der Schule.

Der praktische Anteil bereitet die Schüler unter Realbedingungen auf den späteren Beruf vor. Sie leben direkt auf Höfen in Katalonien und helfen erfahrenen Hirten: Beim Klauenschneiden, Zäuneaufbauen und wenn sie die Tiere auf die Weide führen. Als Gegenleistung für ihre Arbeitskraft erhalten die Männer und Frauen freie Kost und Logis.

Inzwischen gibt es in Spanien bereits sechs solcher Hirtenschulen, denn immer mehr junge Leute können sich ein Leben mit den Tieren vorstellen. Laut Alvado ist die Motivation der Schüler sehr unterschiedlich: Viele kommen aus der städtischen Umgebung und suchen das einfache Leben in den Bergen, ohne Stress und Druck. Einigen fehlt die berufliche Perspektive in anderen Branchen: Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt laut dem statistischen Amt der Europäischen Union bei 38,6 Prozent (Stand Mai 2017).

Viele ländliche Regionen in Spanien sind immer weniger besiedelt, die Bevölkerung zunehmend älter. Mit der "Escola de Pastors de Catalunya" wächst eine junge Generation an Viehhütern heran: "Sie bringen in Zeiten der sozioökonomischen Krise einen neuen Wind in die Pyrenäen", so Alvado.

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insgesamt 20 Beiträge
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veritas31 04.08.2017
1. neuer Trend
Ich sehe ganz allgemein den neuen Trend kommen, dass sich die junge Generation wieder "zurück zur Natur" begibt. Die letzten Jahre waren geprägt von kompletter (urbaner) Vernetzung und allem was dazu gehört und nun gibt´s den entsprechend harten Turnaround. Sobald die Industrie herausfindet, wie man damit Geld verdient, wird es der nächste riesen Hype werden - bis dann wieder was neues kommt. So war es immer und so wird es immer sein.
upalatus 04.08.2017
2.
Vorstellen kann man sich viel, zählen tut das reale Handeln. Mir fehlt in dem Artikel die Angabe, wieviele nach der Hirtenschule real eine Existenz als Hirte leben. Eine definiert begrenzte Zeit einen Job solcher Art zb per Schule auszuüben, ist was völlig anderes, als ihn dann auch für Jahre oder gar lebenslang zu machen.
Matttthias 04.08.2017
3. Die Sehnsucht nach den einfachen Leben
ist exzellent für die Schule um Einkünfte zu erzielen. Bei Heilpraktikern läuft es ähnlich. Die Schulen machen Umsatz. Sind die Heilpraktikerinnen fertig gibt es eine leere Praxid die nur Miete verzehrt. In den Pyrenäen ist es kalt im Winter. Kein Spass mit Schafen. Kaum jemand wird am Ende diese Langeweile akzeptieren. Die jungen Menschen in der Stadt haben manchmal den Kontakt mit der Realität völlig verloren. Es gibt gute Gründe für Abwanderung aus sterbenden Bergdörfern.
floersche 04.08.2017
4.
"Statt Büro-Stress gibt es ehrliche, harte Arbeit." Büroarbeit ist unehrlich? Und nicht anstregend?
deSelby 04.08.2017
5.
Zitat von floersche"Statt Büro-Stress gibt es ehrliche, harte Arbeit." Büroarbeit ist unehrlich? Und nicht anstregend?
"Ehrliche Arbeit" ist ein Verwandter von "ehrlichem Essen", "ehrlicher Musik" etc. pp. es ist de facto eine beliegbig konnotierbare Leerstelle, die frei von jeder Aussage ist, aber gerade dadurch eine gewisse "Authentizität" oder "unmittelbarbeit" von "ganz egal was auch immer" zu "was auch immer man sich unter einer gefühlten unmittelbarkeit von irgendwas vorstellt" vermitteln soll... ...ich vermute ja schon länger, daß man sich dem hinter dieser Variante von "ehrlich" versteckten Selbstbetrug an ehesten nähert, wenn man sich dieses "ehrlich" als Antonym nicht zu "unehrlich " sondern zu "entfremdet" vorstellt.
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