Wissenschaftlicher Nachwuchs SPD fordert 1500 neue Juniorprofessuren

Bessere Karrierechancen für Nachwuchswissenschaftler: Die SPD will die Zahl der Juniorprofessuren verdoppeln und ihnen bessere Chancen auf Entfristung geben. Die Hälfte der neuen Stellen soll an Frauen gehen.

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Karriere an der Uni? Die Politik will den Nachwuchs zuversichtlich stimmen
Corbis

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Der Weg zur Professur auf Lebenszeit ist lang. Während der Promotion schleppen sich viele Nachwuchsforscher mit Zeitverträgen durch, auch danach sieht es düster aus: Auf eine freiwerdende Professorenstelle kommen 20 Promovierte, rechnet etwa die Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Für den Nachwuchs an den Unis und Forschungseinrichtungen muss etwas getan werden, da sind sich Politiker und Forschungsorganisationen einig. Am Freitag hatte die Bundesregierung erklärt, dass sie mit den Ländern ab 2017 eine Milliarde für bessere Karrierechancen ausgeben möchte.

Nun legt die SPD nach: Ihre Fraktion im Bundestag fordert in einem Eckpunktepapier deutlich mehr Juniorprofessuren. Mindestens 1500 solcher Stellen sollen bis 2021 geschaffen werden. Das wären fast doppelt so viele wie heute. "Wir wollen einen Durchbruch bei den Juniorprofessuren", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag Simone Raatz (SPD).

Auf Juniorprofessuren können Nachwuchswissenschaftler nach ihrer Promotion selbstständig forschen und lehren. Sie müssen dafür nicht, wie sonst bei einer Professur üblich, erst noch eine Habilitationsschrift verfassen. Nach einigen Jahren und einer guten Bewertung können ihre Stellen dann entfristet werden.

Mit diesem sogenannten Tenure Track - einem schnellen Weg zur unbefristeten Professorenstelle - sind allerdings anders als ursprünglich geplant nur wenige Juniorprofessuren ausgestattet. In einer ersten Bilanz zum fünfjährigen Bestehen der Juniorprofessur im Jahr 2007 ermittelte das Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dass lediglich 18 Prozent aller Juniorprofessoren eine solche Verlängerungsoption bekommen.

Die SPD fordert nun, alle neuen Juniorprofessuren sollen einen Tenure Track haben. "Die Potenziale der Juniorprofessuren, insbesondere die mit Tenure Track, müssen endlich besser genutzt werden, um verlässlichere Karrierewege zu sichern", sagte SPD-Frau Raatz. Außerdem soll die Hälfte aller zusätzlichen Juniorprofessuren mit Frauen besetzt werden. Bislang beträgt der Frauenanteil bei den Juniorprofessuren 40 Prozent.

Begeistert von dem SPD-Plan zeigte sich die Bildungsgewerkschaft GEW: Es sei "höchste Zeit für wirksame Gegenmaßnahmen von Bund und Ländern". Was die SPD-Fraktion vorschlage, könne "einen wichtigen Beitrag für die Stabilisierung von Beschäftigung und berechenbare Laufbahnen an den Hochschulen leisten", erklärte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender am Mittwoch.

Über verlässliche Karriereperspektiven für den Nachwuchs wird in der Wissenschaftsszene schon länger diskutiert. Im vergangenen Jahr stellte die HRK ein Konzept vor, mit dem mehr Dauerstellen ohne Professur geschaffen werden sollten, etwa im Hochschulmanagement oder in der Lehre. Ein Job als Professor müsse nicht die einzige Option für Nachwuchswissenschaftler sein, sagte damals HRK-Präsident Horst Hippler.

Die SPD schlägt nun zusätzlich einen Wettbewerb für gute Personalkonzepte vor. Zehn Hochschulen sollen dabei über zehn Jahre mit insgesamt fünf Millionen Euro. Das Geld soll aus der am Freitag veranschlagten Milliarde für den Nachwuchs stammen. Von den Ländern müsse dabei ein "substanzieller Beitrag" kommen, schreibt die SPD-Fraktion in ihrem Eckpunktepapier.

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insgesamt 30 Beiträge
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koenigludwigiivonbayern 22.04.2015
1. Yahoo!
Ein Yahoo allein reicht wohl noch nicht!
doke969 22.04.2015
2. Politiker-Schwachsinn
Aha, man muss den wissenschaftlichen Nachwuchs angemessen fördern. Da wäre ich nicht drauf gekommen. Und auch den nichtprofessoralen Mittelbau, wo es allermeist Angestellten-Stellen gibt, die eine um drei Besoldungsgruppen geringere effektive Vergütung (netto) haben wie entsprechende nichtprofessorale Beamte. Sowas nehmen heute nur Leute an in höchster Not, und keine motivierten Höchstleister mehr. Alles eine Folge der Politik, von Beamten, die keine Sozialversicherung (Rente, Arbeitslosigkeit, Krankenvollversicherung) bezahlen und vor allem an ihre Spezeln denken (B-Besoldung). So wird das nie was, die anderen Länder haben uns längst überholt.
mrotz 22.04.2015
3.
Zitat von doke969Aha, man muss den wissenschaftlichen Nachwuchs angemessen fördern. Da wäre ich nicht drauf gekommen. Und auch den nichtprofessoralen Mittelbau, wo es allermeist Angestellten-Stellen gibt, die eine um drei Besoldungsgruppen geringere effektive Vergütung (netto) haben wie entsprechende nichtprofessorale Beamte. Sowas nehmen heute nur Leute an in höchster Not, und keine motivierten Höchstleister mehr. Alles eine Folge der Politik, von Beamten, die keine Sozialversicherung (Rente, Arbeitslosigkeit, Krankenvollversicherung) bezahlen und vor allem an ihre Spezeln denken (B-Besoldung). So wird das nie was, die anderen Länder haben uns längst überholt.
Es geht nicht um das Gehalt, sondern um Perspektiven. Was nützt es wenn ich immer nur Zweijahresverträge bekomme und mich praktisch wieder wegbewerben muß, sobald ich mit der Stelle angefangen habe. Was nützt es, wenn ich nach 6 Jahren als Wissenschaftler faktisch Berufsverbot bekomme, da es keine festen Stellen gibt und ich auch keine befristeten Stellen mehr angeboten bekommen darf? Eine wissenschaftliche Karriere endet für 19 von 20 höchstqualifizierten Leute, in der Arbeitslosigkeit mit 40. (insbesondere auch bei MINT) Für die Wirtschaft gilt man dann übrigens als überqualifiziert. mfg
dr.m. 22.04.2015
4. für Parteigenossen
tsssss
hschmitter 22.04.2015
5.
Ach, alle Jahre wieder dasselbe Betroffenheitsgelaber aus der Politik. Nur an den strukturell völlig verkorksten Bildungs- und Forschungsbereich will dann doch keiner ran. "mrotz" hat völlig Recht - Perspektiven an der Uni gleich null, falls man nicht eine Festanstellung hat - die allerdings unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto ist. Kurzum, liebste SPD-Genossen - nicht fordern, sondern fördern.
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