Programme für Azubis Wanka will mehr Lehre wagen

Nein, nicht jeder soll studieren, mindestens genauso wichtig sind Auszubildende. Deshalb plant die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen ein neues Programm für Lehrlinge. Und auch Studienabbrecher sollen schneller eine Alternative finden.

Azubis und Berufsschullehrer in Sindelfingen (Archiv): Neues Programm für Lehrlinge
DPA

Azubis und Berufsschullehrer in Sindelfingen (Archiv): Neues Programm für Lehrlinge


Berlin/Hamburg - Die Bundesregierung will nach Informationen des SPIEGEL für ein besseres Image der Ausbildungsberufe sorgen. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) spricht von "einer großen Aufgabe dieser Legislatur" und plant unter dem Arbeitstitel "Chance Beruf" ein Programm, um das duale System wieder attraktiver zu machen. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

Sie will verschiedene Initiativen, die es bereits vorher gab, neu bündeln und mehr Geld investieren. So sollen beispielsweise mehr Bildungslotsen engagiert werden, die Schüler von der Mittelstufe in Lehrberufe begleiten. Außerdem soll es mehr Potentialanalysen und Berufsberatung für die Schüler geben.

Auch das Problem der hohen Studienabbrecherrate will Wanka angehen. Ende März wird sie das sogenannte "Jobstarter-Programm" neu auflegen. Bislang wurden damit Projekte gefördert, die neue Ausbildungsplätze schufen. In Zukunft sollen Betriebe, städtische Projekte und Kammern Fördergelder bekommen, die sich explizit darum kümmern, Studienabbrecher einen Ausbildungsplatz zu besorgen.

Industrie und Handwerk klagen seit längerem, dass es zu wenige gute Auszubildende gebe, und kritisieren die Politik für ihre Akademisierungsbemühungen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordert daher ein generelles Umdenken: "Berufliche Bildung ist gleichwertig zur akademischen Bildung - diese Botschaft muss in den Herzen und Köpfen der Menschen ankommen."

Studium ist die beste Vorbeugung gegen Arbeitslosigkeit

Oft steuern Abiturienten wie selbstverständlich nach der Schule die Hochschule an. Allerdings stellt sich für viele stellt diese Entscheidung bald als falsch heraus: Fast 30 Prozent der Bachelor-Studenten beenden derzeit ihren anfangs eingeschlagenen Studienweg nicht.

Doch noch immer ist in Deutschland ein Studium die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. So zeigte im vergangenen Sommer eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung erneut: Zehn Jahre nach ihrem Abschluss sind nur ein Prozent der befragten Absolventen arbeitslos, vier von fünf Akademikern haben der Studie zufolge ein Einkommen, das über dem Durchschnitt aller Beschäftigten liegt. Wobei die Gehaltsunterschiede von Fach zu Fach stark variieren: Das niedrigste Durchschnittsgehalt erzielen demnach Sozialarbeiter, die eine Fachhochschule besucht haben (40.300 Euro). Und es gibt natürlich auch Akademiker, die sich von einem befristeten Job zum nächsten hangeln und zu Niedriglöhnen arbeiten. Das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen errechnete jüngst: Fast jeder zehnte Akademiker erhielt im Jahr 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto pro Stunde.

akm/otr

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silberstern 28.02.2014
1. optional
---Zitat--- Oft steuern Abiturienten wie selbstverständlich nach der Schule die Hochschule an. Allerdings stellt sich für viele stellt diese Entscheidung bald als falsch heraus: Fast 30 Prozent der Bachelor-Studenten beenden derzeit ihren anfangs eingeschlagenen Studienweg nicht. ---Zitatende--- Ich wette bei dem Großteil ist nicht die Entscheidung für das Studieren das Problem, sondern die Rahmenbedingungen die zum Abbruch führen. Das heißt aber keineswegs das alle Abbrecher nur für eine Berufsausbildung in Frage kommen. Berufsausbildung gleichwertig zum Studium. Alles klar. Der Gesellschaft schmilzt lediglich die Unterschicht weg. Es kann halt nicht jeder einen sicheren Job, ein Haus, 3 Autos und zweimal im Jahr Südsee haben....
tomymind 28.02.2014
2. optional
Wo sollen denn dann die Azubis mit mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss hin? Vor 25 Jahren auch eine sinnlose Ausbildung gemacht und was wurde mir nicht alles versprochen, und bevor wieder Klugscheisser kommen: Leistung & Ergebnis waren deutlich besser als bei Handelsfachwirten/Azubis mit Abi, aber dann wurde mir gesagt, Führungspositionen(Abteilungsleiter aufwärts) werden nur mit Abiturienten . Bin dann gegangen. In D gibt es keinen Mangel an geeigneten Mitarbeitern/Azubis, es gibt einen Mangel an geeigneten Arbeitsplätzen/Gehalt/Ausbildungsplätzen. 90% der Ausbildungsberufe kann man nach 12 Monaten beherrschen, ist aber nicht gewollt, da man dann ja Gehalt kriegen müsste
sudiso 28.02.2014
3. optional
äh was? sinnloser beruf? ja die gibts leider. es gibt aber auch jobs, da kriegt man nen job. ist zwar scheisse bezahlt und auch nen knochenjob. aber lieber sowas als keinen job zu haben und von einem amt abhängig zu sein. ich finde, egal welche arbeit man hat oder macht oder machen will, besser das als abhängig von irgendjemanden zu sein. auch wenn man in ner heruntergekommenen bude wohnt am arsch der welt, das fahrrad nutzen muss und bei aldi einkaufen zu gehen.
gruenertee 28.02.2014
4. Duale FHs sind die Lösung
Es muss bundesweit ein Ausbau stattfinden, wobei den FH eine besondere Rolle zukommt. Wir müssen schauen, dass FH massiv Duale Studiengänge anbieten, wobei wie in der Ausbildung 50% der Zeit im Betrieb verbracht wird. Langfristig sollen sich FH in Duale Hochschulen entwickeln. DAS wäre die Lösung. Wer glaubt, dass jemand auf ein Studium verzichtet wegen dem Marketing von der Bundesregierung, der glaubt wohl alles. Weitere Schritte könnten dann sein, Pflegeausbildungen in den Dualen FHs anzubieten...
gruenertee 28.02.2014
5. Duale FHs sind die Lösung
Es muss bundesweit ein Ausbau stattfinden, wobei den FH eine besondere Rolle zukommt. Wir müssen schauen, dass FH massiv Duale Studiengänge anbieten, wobei wie in der Ausbildung 50% der Zeit im Betrieb verbracht wird. Langfristig sollen sich FH in Duale Hochschulen entwickeln. DAS wäre die Lösung. Wer glaubt, dass jemand auf ein Studium verzichtet wegen dem Marketing von der Bundesregierung, der glaubt wohl alles. Weitere Schritte könnten dann sein, Pflegeausbildungen in den Dualen FHs anzubieten...
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