Jung-Akademiker im Glück Ich studiere, also bin ich erfolgreich

Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit: ein Studium. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss ist nur ein Prozent der Akademiker ohne Job, zeigt eine aktuelle Studie. Zufriedenheit gibt es obendrauf - und viel Geld für jene, die das richtige Fach studiert haben.

Absolventen in Bonn (Archivbild): Studieren schützt vor Arbeitslosigkeit
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Absolventen in Bonn (Archivbild): Studieren schützt vor Arbeitslosigkeit


Doch, offenbar gibt es sie, die große Chance auf einen guten Job. Sie heißt Studium. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss sind nur ein Prozent der Absolventen in Deutschland arbeitslos, wie eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung zeigt. Ein abgeschlossenes Studium ist demnach die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, für ein überdurchschnittliches Einkommen und Zufriedenheit im Beruf.

"Die berufliche Situation ist für die große Mehrheit der Hochschulabsolventen sehr gut", sagt Projektleiter Kolja Briedis über die Ergebnisse. Die Studienmacher hatten insgesamt 4700 Akademiker befragt, die ihr Studium im Prüfungsjahrgang 2000/2001 abgeschlossen hatten. Sie wollten wissen, wie der Berufseinstieg verlaufen ist und wie sie zehn Jahre nach Studienabschluss beruflich dastehen. Die repräsentative Untersuchung wurde am Mittwoch in Hannover vorgestellt.

89 Prozent der Befragten waren zum Zeitpunkt der Umfrage erwerbstätig, nur ein Prozent war arbeitslos. Die restlichen zehn Prozent studierten entweder ein weiteres Mal (ein Prozent), nahmen an Fort- oder Weiterbildungen teil (zwei Prozent), steckten in der Promotion (drei Prozent), in der Post-Doc- oder Habilitationsphase (je 2 Prozent).

"Mit der Studie konnten wir feststellen, dass trotz zwischenzeitlicher Krisen wie dem Zusammenbruch der New Economy im Jahr 2000, der wirtschaftlichen Schwächephase in den Jahren 2002 bis 2005 oder der Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 die Berufschancen für Hochschulabsolventen langfristig sehr gut sind", sagt Briedis. Es war die dritte Befragungsrunde. Die ersten beiden fanden ein Jahr und fünf Jahre nach dem Ende des Studiums statt.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie im Überblick:

Job-Garantie: Germanisten werden Kellner, und Soziologen fahren Taxi? Nein. Werkverträge und Übergangsjobs haben die meisten - wenn überhaupt - nur im Laufe des ersten Jahres nach Studiumsende. Liegt der Anteil von regulär Beschäftigten kurz nach Studienabschluss bei nur ungefähr einem Drittel, steigt er bis ins vierte Jahr nach dem Studienabschluss auf rund 85 Prozent an und bleibt in der Folgezeit konstant - auf Werkvertragsbasis arbeiten nach zehn Jahren nur noch vier Prozent der Befragten.

HIS

Zufriedenheit: 88 Prozent gaben an, eine angemessene Beschäftigung gefunden zu haben. Die meisten sind mit den Inhalten ihrer Arbeit (85 Prozent), dem Arbeitsklima (78 Prozent), ihrer Position im Unternehmen (73 Prozent) und der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes (70 Prozent zufrieden. Weniger begeistert sind die Befragten allerdings mit ihrem Gehalt, das nur 55 Prozent als positiv bewerten, dem Raum für das Privatleben (53 Prozent) und ihren beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten (38 Prozent). Nur acht Prozent sind in einem Beruf tätig, der dem Hochschulabschluss weder positional noch fachlich angemessenen ist.

HIS

Einkommen: Vier von fünf Akademikern haben ein Einkommen, das über dem Durchschnitt aller Beschäftigten liegt. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss verdienen die befragten Absolventen im Schnitt rund 63.000 Euro pro Jahr. Allerdings variieren die Gehaltsunterschiede je nach Fach stark: Das niedrigste Durchschnittsgehalt erzielen Sozialarbeiter, die eine Fachhochschule besucht haben (40.300 Euro), das höchste erzielen Humanmediziner mit Universitätsabschluss (88.700 Euro).

Wer verdient wie viel?

Fachrichtung durchschnittl. Bruttojahres-
einkommen
Sozialwesen (FH) 40.300 Euro
Elektrotechnik 74.600 Euro
Maschinenbau, Verfahrenstechnik 73.800 Euro
Informatik 74.100 Euro
Humanmedizin 88.700 Euro
Sprach-, Kulturwissenschaften 43.400 Euro
Sozial-, Politikwissenschaften 55.900 Euro
Rechtswissenschaft 61.600 Euro
Wirtschaftswissenschaften 84.500 Euro
Lehramt Gymnasium, Berufsschule 49.000 Euro
Universitätsabschluss gesamt 63.500 Euro

Quelle: HIS-HF Absolventenuntersuchung 2013

Führungspositionen: Vier von zehn Akademikern besetzen zehn Jahre nach ihrem Studienabschluss eine Führungsposition. 15 Prozent sind selbstständig.

Unterschied Männer und Frauen: Ob Gehalt, Führungsposition oder Elternzeit - die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind groß. Männer verdienten im Durchschnitt 68.900 Euro - und damit wesentlich mehr als Frauen mit 51.100 Euro. Männer besetzen auch deutlich häufiger Führungspositionen (52 Prozent) als Frauen (30 Prozent). Nach zehn Jahren sind nahezu alle männlichen Absolventen (97 %) regulär beschäftigt, aber nur drei Viertel der Absolventinnen. Dieser Unterschied ist jedoch weder Ausdruck vermehrter Arbeitslosigkeit oder Übergangsjobs für Frauen, sondern vielmehr der Familienarbeit geschuldet: 23 Prozent der Absolventinnen befinden sich in Elternzeit oder sind als Hausfrau tätig, während der vergleichbare Anteil unter Männern bei lediglich drei Prozent liegt.

lgr

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insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
zynik 24.07.2013
1.
Zitat von sysopDPADie beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit: ein Studium. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss ist nur ein Prozent der Akademiker ohne Job, zeigt eine aktuelle Studie. Zufriedenheit gibt es obendrauf - und viel Geld für jene, die das richtige Fach studiert haben. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/studie-zu-jung-akademikern-studium-ist-die-beste-jobgarantie-a-912787.html
SPON, ihr seid aber spät dran mit unserer täglichen Gehirnwäsche. Heute morgen hat uns schon die SZ mit den Ergebnissen der HIS-Studie beglückt. Ergo: Entweder bist du nicht erfolgreich weil du a) zu doof zum studieren bist oder b) zu doof bist die "richtige" Fachrichtung zu studieren. Das ehemalige Land der Dichter und Denker hat seine Unis zu drittklassigen Berufsschulen gemacht. Glückwunsch. Ich frag mich dann immer vor welchem Jobcenter unsere Nietzsches, Humboldts und Kants heute Schlange stehen würden.
Inuk 24.07.2013
2. Akademikereinkommen
Ich hoffe der SPON behält recht. Ich hatte mit 33 Jahren meine Familie gegründet, ohne Studium. Mein Sohn 30, Diplom in Mathematik und Physik, promoviert in zwei Jahren zum Doktor der Physik und verdient netto 1.700 Euro. Hoffentlich kann er die Ernte einfahren. Ich habe mit 14 Jahren mein erstes Geld verdient.
CHANGE-WECHSEL 24.07.2013
3. INSM und Bertelsmann Stiftung
Wer ist für diesen Artikel zuständig? Nirgends ein Namenshinweis. INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) und die Bertelsmann Stiftung lassen schön grüßen. Die neue Schwemme der zukünftigen Arbeitslosen werden die Akademiker sein. Wer die Realität sehen will, der geht nach Spanien oder Italien. Hunderttausende Jugendliche die studiert haben sind ohne Arbeit!
chlorid 24.07.2013
4.
Zitat von zynikSPON, ihr seid aber spät dran mit unserer täglichen Gehirnwäsche. Heute morgen hat uns schon die SZ mit den Ergebnissen der HIS-Studie beglückt. Ergo: Entweder bist du nicht erfolgreich weil du a) zu doof zum studieren bist oder b) zu doof bist die "richtige" Fachrichtung zu studieren. Das ehemalige Land der Dichter und Denker hat seine Unis zu drittklassigen Berufsschulen gemacht. Glückwunsch. Ich frag mich dann immer vor welchem Jobcenter unsere Nietzsches, Humboldts und Kants heute Schlange stehen würden.
In diesem Punkt ihres Postings stimme ich Ihnen zu, der Rest ist polemischer Blödsinn.
dr.haus 24.07.2013
5. optional
Man kann es wohl noch so oft wiederholen,Sie (Medienleute) begreifen es nicht.Vergleichen Sie doch nicht immer wieder Äpfel und Birnen: die 88tsd brutto des Humanmediziners machen wg. der Freiberuflichkeit oder im Angestelltenverhältnis ca. 3tsd netto aus, ebensoviel wie beim Gymnasiallehrer-im Staatsdienst bei 49tsd brutto.Da bei der Verantwortung und wöchentlichen Std-Belastung von 60-70 u. mehr -kein Arzt dafür mehr arbeiten mag,ausser die KV hat ihn ins Hamsterrad gepresst, wandern viele aus -dafür kommen dann die Ukrainer u.a.
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