Test für junge Journalisten Wissen Sie was?

Wie heißt noch mal die Bestsellerautorin, die bei einem Blogger abschrieb? Womit hat sich Deutschland bei der Unesco blamiert? Welches Kunstwerk ist das teuerste der Welt? Der Aufnahmetest der Deutschen Journalistenschule in München gilt als schweißtreibende Nervenprobe - bestehen Sie ihn?

Corbis

Von


Sie war gekommen, um zu loben - aber so recht wollte Angela Merkel die Bewerberauswahl der Deutschen Journalistenschule in München nicht gefallen. Schließlich habe sich ihre Ausbildung zur promovierten Physikerin umgekehrt proportional zu der an der DJS verhalten, sagte die Bundeskanzlerin in ihrer Festrede zum 60. Jubiläum der Münchner Journalistenschmiede im vergangenen Sommer. Und dann gab Merkel sich kurz DDR-Erinnerungen hin.

Dort und damals hätten Physikstudenten am Ende "eine ganz schwere Diplomprüfung" machen müssen - an der DJS dagegen sei es gerade umgekehrt: Dort scheine die Aufnahmeprüfung "das Dramatische" zu sein. Nie hätte sie ihre Professoren überzeugen können, dass allein die Zulassung zum Studium schon einen guten Absolventen garantiere.

Nun hat die DJS nie von sich behauptet, ausschließlich gute Journalisten hervorzubringen. Manche wurden überhaupt keine Reporter, Redakteure oder Moderatoren; einen Abgänger verschlug es gar ins Cockpit einer Lufthansa-Maschine. Aber zu den DJS-Absolventen gehören doch etliche bekannte Journalisten, einige davon in Chefpositionen bei wichtigen deutschen Medien - und die Aufnahmeprüfung, die sie alle durchliefen, hatte und hat es in sich.

Das schafft keiner? Doch!

Die DJS, 1949 als Werner-Friedmann-Institut in den Redaktionsräumen der "Süddeutschen Zeitung" gegründet, war die erste Journalistenschule in Deutschland. Als Vorbild diente den Gründern die Journalistenausbildung an der Columbia University in New York - auch für die von der Kanzlerin erwähnte Aufnahmeprüfung.

Wissens- und Bilderrätsel für Berufseinsteiger
Aus 24 Fragen zum Allgemeinwissen und 12 Fotos von Kunstwerken, Menschen, Sensationen bestand der Aufnahmetest der Deutschen Journalistenschule 2010. Die Aufnahme an der DJS hängt auch davon ab, dass man möglichst wenig Fragehürden reißt: Schaffen Sie sowohl den Wissentest als auch den Bilderreigen?

Erkundigen sich junge Interessenten mit recht unjournalistischer Scheu bei DJS-Schülern oder -Absolventen nach dem Aufnahmetest, hört sich das oft sehr ähnlich an: "Das schafft doch keiner", barmen sie dann. Die Antwort kann nur lauten: Doch, das schaffen immer wieder welche - und zwar in jedem Münchner Frühling fast vier Dutzend neue. 15 von ihnen gehen dann in den "Kompaktkurs" und absolvieren in 16 Monaten die Schule. Und 30 Teilnehmer besuchen den "Masterkurs" und studieren parallel dazu Journalismus an der LMU München.

An der Henri-Nannen-Schule in Hamburg klingen die Fragen besorgter Kandidaten ganz ähnlich - denn die norddeutsche Schule setzt seit ihrer Gründung 1978 ebenfalls auf einen, wenn auch längeren, Test nach dem Vorbild der DJS (hier geht es zum Nannen-Test).

Einen elitären Ruf kann man pflegen - oder auch nicht

Einrichtungen, die aus vielen hundert oder sogar Tausenden von Interessenten wählen, schleicht oft der Ruf nach, elitär zu sein. Einen solchen Ruf kann man hegen - oder darauf pfeifen. Zur Münchner DJS gehört ein gewisses Understatement. Zwar sind Handwerkszeug - also Computer, Kameras für Foto und Film, Aufnahmegeräte, Radiostudios, TV-Schnittplätze - immer auf dem aktuellen Stand. Doch der Hinterhof am Altheimer Eck 3 ist mit spartanisch noch schmeichelhaft beschrieben.

Durch einen düsteren Tunnel, vorbei an der Kosmetikschule und an den in München sogenannten Aschentonnen, geht es fünf Stufen hinauf und dann ins schmale Treppenhaus. Mit klammen Fingern haben hier Generationen hoffnungsfroher, junger Leute gewartet, auf das Auswahlgespräch vor einer achtköpfigen Jury, eine Textübung - und am Vortag auf den Wissens- und den Bildertest. Die meisten denken dann wohl: Kann man kaum schaffen - aber vielleicht ja ich?

Und Sie? Hätten Sie es in diesem Jahr geschafft? Versuchen Sie ihr Glück im Wissenstest und im Bildertest der DJS.

Die Eingangsprüfung mag schwierig sein - aber auch die Ausbildung verlangt viel ab. Wie viel und warum es neben sehr viel Arbeit auch großen Spaß macht, DJSler zu sein, erklärt Lukas Eberle, Schüler im aktuellen Masterkurs.

In den nächsten Folgen: die RTL-Journalistenschule in Köln, die Axel-Springer-Akademie, die Evangelische Journalistenschule in Berlin sowie die Zeitenspiegel Reportageschule in Reutlingen

Journalistenschulen
Deutsche Journalistenschule (DJS), München

Kompaktkurs

Teilnehmer: 15

Bewerber: k.A.

Dauer: 16 Monate, startet im November

Kosten/Vergütung: keine/ keine

Voraussetzungen: Höchstalter 28 Jahre

Masterkurs

Teilnehmer: 30

Bewerber: k.A.

Dauer: 24 Monate, startet im Oktober

Kosten/Vergütung: keine/ keine

Voraussetzungen: Höchstalter 30 Jahre

DJS: Bewerbung, Ausbildung, Absolventen

Ablauf der Ausbildung - Kompaktkurs: neun Monate praktische Ausbildung in Print, Radio, Fernsehen, täglich von früh bis spät, anschließend ein Monat frei, gefolgt von zwei dreimonatigen Praktika Masterkurs: erstes Halbjahr: Start im Masterstudium Journalismus an der LMU München; zweites und drittes Halbjahr: ab Februar für ein Jahr ganztägige praktische Ausbildung in Print, Radio, Fernsehen und erstes Praktikum; viertes Halbjahr: zweites Praktikum und Masterarbeit

Ablauf der Bewerbung: Am 1. Dezember verschickt die DJS die Bewerbungsunterlagen an alle Interessenten. Einsendeschluss Bewerbungsreportage: Mitte Januar. Ende März werden für Master- und Kompaktkurs je 50 Kandidaten eingeladen. Ende April folgt das Auswahlwochenende mit Bildertest, Fragebogen, Textprobe und Auswahlgespräch

Träger: Verein mit über 50 Mitgliedern, darunter öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanstalten, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, Produktionsfirmen, außerdem Verbände, Gewerkschaften und Parteien. Weitere Zuschüsse vom Bund, Freistaat Bayern und der Stadt München

Absolventen: Redakteure und freie Mitarbeiter bei regionalen und überregionalen Medien, darunter: RTL-Moderator Günther Jauch, ARD-Moderatorin Sandra Maischberger, Kurt Kister (stv. Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung"), "Stern"-Chefredakteur Andreas Petzold, die Schriftsteller Maxim Biller und Axel Hacke, SPIEGEL-Autor Matthias Matussek, "Neon"-Chefredakteur Timm Klotzek, "Zeit"-Reporter Stephan Lebert, Schriftsteller Jan Weiler

Im Internet: http://www.djs-online.de

Henri-Nannen-Schule, Hamburg

Teilnehmer: 20

Bewerber: rund 2000

Dauer: 18 Monate

Kosten/Vergütung: keine/ 761 Euro monatlich

Voraussetzungen: bei Ausbildungsbeginn Mindestalter 19 Jahre, Höchstalter 27 Jahre

Träger: Gruner+Jahr-Verlag, "Zeit"-Verlag und finanzielle Förderung durch den SPIEGEL

Ablauf der Ausbildung: 32 Wochen in der Schule, 37 Wochen Praktika in vier verschiedenen Redaktionen, acht Wochen Urlaub (davon eine Woche Reise des ganzen Lehrgangs)

Ablauf der Bewerbung: Bewerber schreiben binnen zwei Wochen zu vorgegebenen Themen je eine Reportage und einen Kommentar, die sie inklusive Recherche-Protokoll einsenden. Die 80 besten Autoren werden Mitte 2011 zur dreitägigen Finalrunde nach Hamburg eingeladen: zu Wissens-: und Bildertest, einer Textübung, dem Auswahlgespräch, Recherchieren und Schreiben einer Reportage. Die besten 20 erhalten einen Platz an der Henri-Nannen-Schule (nächster Lehrgangsbeginn: Januar 2012)

Absolventen: Redakteure und freie Mitarbeiter bei regionalen und überregionalen Medien, darunter: SPIEGEL-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, "Geo"-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, Gabriele Fischer (Gründerin des Wirtschaftsmagazins "Brand eins"), Christoph Keese (Konzerngeschäftsführer "Public Affairs" der Axel Springer AG), Schriftstellerin Ildikó von Kürthy, RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, der Außenpolitikchef der "Süddeutschen Zeitung" Stefan Kornelius

im Internet: http://www.journalistenschule.de



Evangelische Journalistenschule, Berlin

Teilnehmer: bis zu 16

Bewerber: rund 400

Dauer: 22 Monate

Kosten/Vergütung: kostenfrei/ keine Vergütung

Voraussetzungen: abgeschlossene Berufs- oder Hochschulausbildung, Höchstalter 32

Ablauf der Ausbildung: Schulblöcke in Crossmedia, Online-Journalismus, crossmediale Grundlagen (14 Wochen), erstes Praktikum, Regionalzeitung oder Agentur (acht Wochen) Internet-Lehrredaktion (vier Wochen), zweites Praktikum, Online-Redaktion (sechs Wochen), Vorbereitung Mitarbeit in der Online- und Nachrichtenredaktion des Evangelischen Kirchentages, Hörfunk-Lehrredaktion (sieben Wochen), Studienreise nach Genf zu internationalen Organisationen und UN-Einrichtungen (eine Woche), drittes Praktikum, Hörfunk (8 Wochen), Lehrredaktion Print I (6 Wochen), viertes Praktikum, überregionale Zeitung/Zeitschrift (8 Wochen), Studienreise nach Brüssel (eine Woche), Lehrredaktion Print II (sieben Wochen), TV-Lehrredaktion (fünf Wochen), fünftes Praktikum, Fernsehen (sechs Wochen)

Ablauf der Bewerbung: schriftlich und mit Arbeitsproben, dann wird eine Auswahl zum Bewerbungsgespräch eingeladen

Träger: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Absolventen: Redakteure und freie Mitarbeiter bei regionalen und überregionalen Medien, darunter die SPIEGEL-Redakteure Janko Tietz und Daniel Steinvorth sowie Adrienne Woltersdorf, Leiterin der chinesischen Redaktion bei der "Deutschen Welle"

Im Internet: http://www.evangelische-journalistenschule.de

Axel-Springer-Akademie, Berlin

Teilnehmer: 20

Bewerber: 1200

Dauer: zwei Jahre, startet alle sechs Monate, Bewerbung nur einmal pro Jahr

Kosten/Vergütung: keine/ 1200 Euro im Monat

Voraussetzungen: Höchstalter 29 Jahre, mindestens eine Fremdsprache

Ablauf der Ausbildung: sechs Monate Unterricht mit wechselnden Dozenten an der Journalistenschule, sechs Monate "Welt kompakt", zwei Monate "Bild.de", zehn Monate in einer weiteren Redaktion des Verlags, Studienreise nach New York mit Kurs an der Columbia University

Ablauf der Bewerbung: zweistufiges Auswahlverfahren, erste Stufe: Bewerbung mit schriftlicher Reportage, zweite Stufe für die 100 ausgewählten Kandidaten: Beantwortung eines schriftlichen Tests zur Allgemeinbildung, Bildertest, Reportage in Berlin, Persönliches Gespräch mit Mitgliedern der Auswahlkommission

Träger: Axel Springer Verlag

Absolventen: Übernahmechancen in den Redaktionen des Axel Springer Verlags, bekannte Absolventen: "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, Stephan Keil (Redaktionsleiter des dpa-Wirtschaftsdienstes), Kriegsreporter Julian Reichelt, Ex-Regierungssprecher Béla Anda

im Internet: http://www.axel-springer-akademie.de

RTL-Journalistenschule für TV und Multimedia, Köln

Teilnehmer: 30

Bewerber: 500

Dauer: zwei Jahre

Kosten/Vergütung: keine/ 770 Euro monatlich, zinsloses Darlehen von 500 Euro monatlich möglich

Voraussetzungen: keine

Ablauf der Ausbildung: Sechs Monate Unterricht mit wechselnden Dozenten an der Journalistenschule, dreizehneinhalb Monate Praktika in Redaktionen bei RTL, viereinhalb Monate Praktika in frei wählbaren Redaktionen, Studienreise nach New York mit Kurs an der Columbia University

Ablauf der Bewerbung: zweistufiges Auswahlverfahren, erste Stufe: Bewerbung mit schriftlicher Reportage, zweite Stufe für die 100 besten Kandidaten: Beantwortung eines schriftlichen Tests zur Allgemeinbildung, Bildertest, Reportage- und Rechercheübung in Köln, Übung zur Bearbeitung eines TV-Beitrages aus vorliegenden Materialien, Persönliches Gespräch mit Mitgliedern der Auswahlkommission

Träger: RTL

Absolventen: Übernahmechancen in den Redaktionen der Mediengruppe RTL Deutschland

im Internet: http://www.rtl-journalistenschule.de

Zeitenspiegel Reportageschule, Reutlingen

Teilnehmerzahl: bis zu 12

Bewerberzahl: 100

Dauer: 12 Monate, startet im April, 2011 erst Oktober

Kosten/Vergütung: 195 Euro pro Monat/ keine

Voraussetzungen: Schreibtalent, journalistische Erfahrung

Ablauf der Ausbildung: drei Monate journalistische Grundlagen, Auslandsaufenthalt, drei Monate Praktika, drei Monate Produktion des eigenen Magazins "Go", drei Monate Berufsvorbereitung, Dozenten kommen ausschließlich aus der Praxis und sind erfahrene Journalisten unterschiedlicher Medien wie SPIEGEL, "Stern", "Brandeins" oder "Zeit"

Ablauf der Bewerbung: Schriftlich mit Arbeitsproben, dann wird eine Auswahl zum Bewerbungsgespräch eingeladen

Träger: Volkshochschule Reutlingen und Agentur Zeitenspiegel

Absolventen: Die meisten Absolventen arbeiten als freie Journalisten

im Internet: http://www.reportageschule.de/index.html

Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft

Teilnehmer: jährlich 20

Bewerber: rund 80

Dauer: vier Jahre

Kosten/Vergütung: Studiengebühren in Abhängigkeit vom Elterneinkommen (0 bis 2000 Euro pro Semester) / keine Vergütung

Voraussetzungen: Abitur; Höchstalter 24 Jahre

Ablauf der Ausbildung: Die Kölner Journalistenschule bildet Journalisten für Politik und Wirtschaft in Print- und Onlinemedien sowie im Hörfunk aus. Im Zentrum der Ausbildung steht die intensive Arbeit an journalistischen Beiträgen, die von der Idee bis zur Veröffentlichung in den Medien begleitet werden. In sechs Praktika – von der Schule vermittelt – lernen die Schüler den Berufsalltag in Lokal- und Online-Medien, in der Öffentlichkeitsarbeit und in überregionalen Politik- und Wirtschaftsredaktionen kennen. Die Ausbildung ist ab dem zweiten Semester mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre (Nebenfach Politik) an der Kölner Universität verbunden. Nach vier Jahren erhalten die Schüler neben dem Zertifikat der Journalistenschule auch den Bachelor-Abschluss in VWL.

Ablauf der Bewerbung: schriftlicher Vortest, dreitägiger Aufnahmetest mit Bewerbungsgespräch und sechs schriftlichen Aufgaben (Kommentar, Nachricht, Redigieren, Reportage, Verbalisierung statistischer Daten, Wissen)

Träger: Die Kölner Journalistenschule ist unabhängig von Verlagen, Sendern und Interessengruppen. Träger der Schule ist ein gemeinnütziger Verein, dem derzeit rund 60 Mitglieder - vor allem Journalisten - angehören.

Absolventen: Absolventen der Kölner Journalistenschule arbeiten bei fast allen größeren Tages- und Wochenzeitungen, bei Magazinen, in Online-Medien, im Hörfunk und Fernsehen und in Pressestellen von Unternehmen und Verbänden. Beispiele: Sven Oliver Clausen ("FTD"), Katharina Kroll (Deutsche Welle TV), Henning Krumrey ("Wirtschaftswoche"), Dirk Kurbjuweit (SPIEGEL), Uwe Möller (Westdeutscher Rundfunk), Elisabeth Niejahr ("Zeit"), Ludwig Siegele ("The Economist"), Marion von Haaren (ARD-Studio Brüssel), Jochen Wegner ("Focus Online")

Im Internet: http://www.koelnerjournalistenschule.de



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.