Titelschrott von Phantom-Unis Magna cum laude zum Schleuderpreis

Manche studieren jahrelang, um einen Doktortitel zu erhalten. Das muss nicht sein: Im Internet bestellt, flattert die Urkunde binnen Tagen ins Haus. Gregor Waschinski hat sich an einer Luftpumpen-Hochschule eingeschrieben - und gleich noch die Note ausgesucht: magna cum laude.


Romeo R. ist mein Studienberater und spricht, als habe man seinen Wortschatz strikten Sparmaßnahmen unterworfen. "Also, wenn Sie einen Abschluss wollen und so, dann schreib' ich das mal kurz auf und so." Offiziell sollte Romeo meinen Anruf in einem Gebäude der Ashwood University in Texas entgegen nehmen, wahrscheinlich hockt er in irgendeinem Callcenter, im Hintergrund klappert und murmelt es verdächtig.

Spätestens jetzt müsste jeder, der bei der Ashwood University noch an eine seriöse Bildungsinstitution geglaubt hat, auflegen und seinen Traum von unkomplizierten akademischen Weihen begraben.

Die Ashwood University gilt als eine jener Titelmühlen, die vermeintlich akademische Grade verleihen, im Großen und Ganzen aber nur aus einer adrett aufgemachten Internetseite und einem Bankkonto bestehen. Und das ist oft prall gefüllt: Experten schätzen den jährlichen Umsatz mit gefälschten Diplomen auf rund 500 Millionen US-Dollar weltweit. Die Abschlüsse an den Pseudo-Unis kosten bis zu mehreren tausend Dollar. Wert sind sie: praktisch nichts.

Mein Studienberater Romeo fragt mich, an welchem Titel ich interessiert sei. Ich wähle einen Doktor in Medizin, den gibt's schon ab 599 Dollar. Einziger Leistungsnachweis: meine angebliche Lebens- und Berufserfahrung in diesem Bereich, die sich allerdings weitgehend auf die stabile Seitenlage beschränkt. Kein Problem, sagt Romeo. Ich müsse auf den Internetseiten der Uni nur die nötigen Formulare ausfüllen. "Sie schreiben bei der Lebenserfahrung einfach so viel hin, wie sie können und so", sagt er.

"Doctor of Divinity" - man gönnt sich ja sonst nichts

Meine Frage, ob ich als Nachweis auch Dokumente einschicken müsse, verneint Romeo und folgert per Ferndiagnose: "Von allem, was ich so gehört habe, sind sie für den Titel qualifiziert." Am Ende will er noch wissen, woher ich anrufe. "Aus Europa? Wir haben ein Stipendienprogramm für ausländische Studenten. Sie bekommen dabei eine Ermäßigung von 25 Prozent." Ich sage ihm, ich werde mir überlegen, ob ich mich bewerbe.

Eine echte falsche Abschlussarbeit könnte der titelgierige Beinahe-Akademiker auch beim Ghostwriter seines Vertrauens erwerben, aber es geht auch günstiger und schneller. Der Markt der dubiosen Online-Titel ist vielfältig. Einige Anbieter wie Ashwood vergeben ihre Abschlüsse gegen Lebenserfahrung, andere versenden tatsächlich Bücher zum heimischen Studium und verlangen eine Art Abschlussarbeit, die aber keineswegs den üblichen Leistungsanforderungen entspricht. Neben diesen "echten" falschen Diplomen kursieren auch platte Fälschungen, unter anderem Urkunden von prestigeträchtigen Elitehochschulen wie Harvard oder dem MIT. Eine amerikanische Kirche schließlich hat sich auf göttliche Titel spezialisiert und verscherbelt den doctor of divinity, doctor of metaphysics und weitere dreifaltige Doktorgrade.

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Gilles Grolleau hat den Markt der Titelmühlen untersucht. "Natürlich kommt es immer wieder vor, dass einige Leichtgläubige tatsächlich meinen, sie hätten sich ein echtes Diplom verdient", sagt er. Die meisten Kunden wüssten aber, worauf sie sich einlassen. Ihnen gehe es darum, ihren Lebenslauf ein wenig aufzuhübschen - um im Bekanntenkreis Eindruck zu schinden oder die Karrierechancen zu verbessern.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.