Uni-Karriere Probier's mal mit 'ner Referenz!

Wer sich an einer US-Hochschule bewirbt, ist ohne gute Referenzen chancenlos. In Deutschland sind die warmen Worte für die Karriere noch nicht üblich. Aber Berufungskommissionen schätzen Empfehlungsschreiben - und Unternehmen ebenfalls.

Von Marion Hartig


Es gehörte zu ihrem Job. Die Psychologieprofessorin Ute J. Bayen arbeitete lange Zeit an US-amerikanischen Hochschulen. Etliche Male musste sie sich an den Rechner setzen, um persönliche Bewertungen für Doktoranden, Postdocs oder Stipendiaten zu schreiben, die sich nach einem neuen Job umsahen. Für etwa zehn junge Akademiker pro Jahr, die sich im Durchschnitt 30-mal bewarben, tütete ihre Sekretärin die "Letters of Recommendation" ein, versiegelte die Umschläge und versendete sie an die potenziellen Arbeitgeber - wenn diese es wünschten, auch per E-Mail.

"In den USA gibt es kein Arbeitszeugnis", erklärt Bayen: "Da spielen Referenzen gerade zur Einschätzung von Nachwuchswissenschaftlern eine große Rolle." Wer einen Job an einer US-Hochschule sucht, sollte drei bis vier Referenzgeber im Rücken haben, rät Professorin Bayen.

Seit Anfang des Jahres lehrt die Psychologin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Dort wird sie sich hinsichtlich Empfehlungsschreiben etwas zurücklehnen können. Denn: In der deutschen Hochschulszene sind Referenzen für Bewerbungen kein Muss. An vielen Hochschulen, wie an der Freien Universität (FU) Berlin, sind sie gar eine Randerscheinung: "Referenzen kommen im wissenschaftlichen Bereich nur vereinzelt vor, überwiegend wenn es um die Einstellung von Nachwuchswissenschaftlern geht", erklärt FU-Sprecher Goran Krstin.

Dennoch: Empfehlungen können auch in Deutschland Karrieren anschieben. Dr. Alexander Ostrowski hat seinen Posten als Geschäftsführer der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg nicht zuletzt wegen der guten Referenz seines ehemaligen Chefs bekommen. Darin waren Ostrowskis Erfahrungen in der Geschäftsführung und ähnlichen Führungsaufgaben an einer anderen Universität bescheinigt. Ohne diese Empfehlung, glaubt Ostrowski, säße er jetzt nicht auf seinem Posten.

Der entscheidende Wink

"Referenzen sind eine große Chance", bestätigt der Berliner Bewerbungsberater Gerhard Winkler. Gerade am Anfang der Karriere brauche man starke Verbündete. Das gelte für Geisteswissenschaftler wie für Naturwissenschaftler. Als Fürsprecher seien Professoren geeignet, außeruniversitäre Projektpartner oder Wissenschaftler internationaler Forschungseinrichtungen.

Auch wenn Referenzen in Deutschland weniger üblich sind als in den USA: Junge Akademiker sollten sich nicht scheuen, ihre Vorgesetzten darum zu bitten, rät Winkler: "Wem am Weiterkommen seiner Mitarbeiter liegt, wird nicht zögern, ihnen ein wohlwollendes Zeugnis mit auf den Weg zu geben."

Auch für Forscher, die in die Wirtschaft gehen, können Empfehlungen nützlich sein. "Sie sind zwar keine Bedingung, enthalten aber oft zusätzliche Hinweise über den wissenschaftlichen Werdegang und die Persönlichkeit. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn Bewerber in die engere Wahl rücken", erklärt Karin Göhre, Leiterin des Personalmarketings der Bayer Schering Pharma AG. Bei Siemens sieht man das ähnlich: "Bewerber sollten ausformulierte Bewertungen mitschicken, das erleichtert den Personalern die Arbeit", sagt Firmensprecher Karlheinz Groebmair.

Doch Vorsicht: Die Welt der Wissenschaft hat ihre eigenen Gesetze. "Die nach amerikanischem Vorbild oft sehr euphorisch und vielleicht etwas übertrieben formulierten Schreiben können auch zu viel des Guten sein", warnt Amelie Lemke vom Karriereservice der Technischen Universität München. Besser man erkundige sich nach den jeweiligen Bewerbungsmodalitäten.

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