Uni-Ranking Die Favoriten der Personalchefs

Hat eine Fakultät erst einmal ein Top-Image, profitieren die Absolventen davon jahrelang. Das zeigt ein neues Ranking: Die Unis in Aachen, Köln, Mannheim und München zählen schon lange zu den Lieblingen der Personalabteilungen. Auf den weiteren Plätzen gibt es allerdings Bewegung.

Von


LMU München: Gleich dreimal unter den ersten fünf
DDP

LMU München: Gleich dreimal unter den ersten fünf

Die Verbände der Arbeitgeber jammern lautstark und anhaltend über die Praxisferne der akademischen Ausbildung und die Schwächen der Hochschulabsolventen, aber im Urteil der Unternehmen schneiden die Bewerber gar nicht so übel ab: 87 Prozent der Personalchefs attestieren Absolventen, dass sich die Fremdsprachenkenntnisse als Qualifikation in den letzten zehn Jahren verbessert haben. Auch bei Engagement, persönlicher Kompetenz und Fachkenntnissen zeichnen die Arbeitgeber ein recht positives Bild, nur mit dem Allgemeinwissen scheint es zu hapern. Sogar 93 Prozent der Arbeitgeber sind mit den EDV-Kenntnissen der Bewerber hoch zufrieden - kein Wunder, die erste komplett mit dem Computer aufgewachsene Generation drängt in den Job.

Die Platzhirsche bleiben

Zu diesen Ergebnissen kommt die "Wirtschaftswoche" in ihrer aktuellen Ausgabe. Im Mittelpunkt der Umfrage unter den Personalern der 250 größten deutschen Unternehmen stand allerdings die Frage nach der Reputation der deutschen Hochschulen, und zwar in jenen Fächern, in denen die Wirtschaft traditionell nach den klügsten Köpfen fahndet: Volks- und , Jura, Ingenieurwissenschaften und Informatik.

EBS in Oestrich-Winkel: Private Hochschulen auf dem Vormarsch
GMS

EBS in Oestrich-Winkel: Private Hochschulen auf dem Vormarsch

Die Spitzenreiter sind dabei keine große Überraschung - fast alle Vorjahressieger konnten ihre Position behaupten. So genießt die Wirtschaftsfakultät in Köln für Volkswirtschaft nach wie vor einen Ruf wie Donnerhall, in BWL landete Mannheim auf dem ersten Platz vor Köln und Münster. Bei den Technik-Fächern behauptete sich die RWTH Aachen als Klassenprimus.

Im Fachbereich Informatik räumte die in den Ingenieurwissenschaften ebenfalls starke TH Karlsruhe ab. Der größte Sprung nach vorn gelang der Ludwig-Maximilians-Universität München: Sie schob sich in Jura von Platz vier auf eins und verdrängte den Vorjahressieger Heidelberg.

Die "Wirtschaftswoche" ermittelt bereits seit einigen Jahren regelmäßig ein Ranking in den wirtschaftsnahen Fächern. Viel Bewegung gibt es dabei selten, einige große und renommierte Fakultäten landen stets auf den vorderen Rängen und rücken allenfalls mal um einen Platz vor oder fallen leicht zurück. Neu ist aber zum Beispiel, dass mit der TU Dresden erstmals eine ostdeutsche Hochschule den Sprung in die Top Five schaffte - die gute Ausbildung in den Ingenieurwissenschaften hat sich offenbar herumgesprochen.

Auch die kleinen, privaten Hochschulen überzeugen die Personalchefs zusehends mehr. So liegt die WHU aus Vallendar bei Koblenz in BWL mittlerweile auf dem vierten Rang, die EBS Oestrich-Winkel nur knapp dahinter. Überhaupt erhalten die Absolventen privater Hochschulen ein gutes Zeugnis: In puncto Studiendauer, Auftreten, Auslandserfahrung und Fremdsprachen schlagen sie Konkurrenten von staatlichen Hochschulen deutlich; bei Theoriewissen und Eigenständigkeit sehen die Unternehmen allerdings Schwächen.

Praxiserfahrung oben auf der Wunschliste

Ein echtes Qualitätsurteil über die Universitäten, das räumt auch die "Wirtschaftswoche" ein, kann das Votum der Personalchefs nicht sein. Schließlich können sie die Stärken und Schwächen jede Fakultät kaum im Detail kennen, verlassen sich in erster Linie auf eigene Erfahrungen und sind ansonsten weitgehend aufs Hörensagen angewiesen. Dennoch spielt die Reputation einer Hochschule eine gewisse Rolle bei Einstellungsentscheidungen: Die Personalchefs rekrutieren Absolventen vorzugsweise an jenen Universitäten, die aus ihrer Sicht auch den besten Ruf haben.

Sprachkurs in Vallendar: Fremdsprachen als Pluspunkt für Absolventen privater Hochschulen
DPA

Sprachkurs in Vallendar: Fremdsprachen als Pluspunkt für Absolventen privater Hochschulen

Gleichwohl fällt der Bonus eher klein aus, wie eine zusätzliche Frage im "Wirtschaftswoche"-Ranking zeigt: Unter zehn Kriterien für Personalchefs ist der Studienort lediglich auf dem neunten Platz. Auf einer Skala von Eins bis Zehn bewerteten sie Praxiserfahrung mit 8,8 Punkten als wichtigste Qualifikation, gefolgt von Fremdsprachen, Examensnote, Auslandserfahrung, Studiendauer, EDV-Kenntnissen und außeruniversitärem Engagement. Für nicht so entscheidend halten sie neben dem Studienort auch das Alter und eine Promotion oder einen MBA-Titel - im Zweifel ziehen die meisten Personaler dabei die Promotion vor.

Lesen Sie im zweiten Teil:



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.