Hygieneskandal an Uni-Krankenhaus Mannheimer Klinikchef tritt zurück

An der Uniklinik Mannheim war OP-Besteck verdreckt, es gab katastrophale Hygienemängel. Die Staatsanwaltschaft rückte zur Hausdurchsuchung an. Jetzt hat der Krankenhauschef seinen Posten aufgegeben.

Universitätsklinikum Mannheim:  Keime und Knochensplitter auf vermeintlich sterilem OP-Besteck
DPA

Universitätsklinikum Mannheim: Keime und Knochensplitter auf vermeintlich sterilem OP-Besteck


Instrumente fehlten oder waren mit Haaren, Keimen und Knochensplittern verdreckt - der Hygieneskandal am Mannheimer Universitätsklinikum hat den OP-Betrieb in dem Krankenhaus bereits fast zum Erliegen gebracht. Jetzt zieht die Affäre auch personelle Konsequenzen nach sich: Der Geschäftsführer des Krankenhauses, Alfred Dänzer, ist zurückgetreten.

Alfred Dänzer: Präsident der DKG unter Druck
DKG

Alfred Dänzer: Präsident der DKG unter Druck

Dänzer reichte bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend seinen Rücktritt ein. Das Klinikum bestätigte am Donnerstag einen Bericht des "Mannheimer Morgens". Dänzer war seit 2009 Klinikchef in Mannheim und ist außerdem Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), will am Mittag über den weiteren Umgang des Klinikums mit der Affäre berichten. Er hatte zuletzt davon gesprochen, im Zentrum einer "Kampagne" zu stehen.

Eine anonyme Anzeige hatte zu einer Überprüfung geführt, bei der katastrophale Hygienemängel festgestellt wurden. Seither ist das Klinikum in der Defensive. Unter anderem sollen Reinigungsmaschinen für OP-Besteck zu lange nicht überprüft worden sein.

Seither arbeitet das Universitätsklinikum nur mit halber Kraft: Der OP-Betrieb wurde schon in der vergangenen Woche fast komplett stillgelegt, Eingriffe fallen aus, Patienten werden nach Bensheim und Heidelberg ausgelagert. Neben den finanziellen Einbußen ist vor allem der Imageschaden gewaltig. Die Uniklinik hat 55.000 Patienten im Jahr und führt jährlich 20.000 Operationen durch.

Krankenhaus-Mitarbeiter sollen schon seit Längerem auf Probleme hingewiesen haben. Vor allem bei der Sterilisation seien in einem Programm für anonyme Beschwerden seit mehr als zwei Jahren Defizite vermerkt. Ob die Ursachen für die Mängel in Sparzwängen liegen - darüber wird intern heftig gestritten.

Klinikgeschäftsführer Dänzer rechtfertigte die Probleme bisher damit, dass "auf dem Markt kein qualifiziertes Personal vorhanden gewesen" sei. Im Übrigen habe es aus dem Haus "keinerlei Hinweise" auf die Probleme gegeben. Nun gibt die Klinik keine Stellungnahme mehr ab.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch Krankenhausräume durchsuchen lassen, um Unterlagen sicherzustellen.

lgr/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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dalethewhale 23.10.2014
1. Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD)
Ist derjenige der zurücktreten sollte, da er verantwortlich ist und durch Unterlassung Menschenleben gefährdet hat.
see_it with_your_own_eyes 23.10.2014
2.
Auch den Ärzten, die mit diesem Besteck operierten, ist die Zulassung zu entziehen. Sie haben bewiesen, dass sie das Leben und die Gesundheit der Patienten nicht achten. Sie sind somit untauglich für diesen Beruf. Etwa zu behauptem sie hätten das nicht gewußt oder gesehen hieße sie hätten mit Blick zur Decke operiert, ok nich ein Grund mehr. Blinde Chirurgen taugen ohnehin nicht für den OP
carolian 23.10.2014
3. Das Aldi-Krankenhaus
Unglaublich, wenn Geiz und Gier zur Gefährdung von Patienten führt. Irgendwann frisst sich diese Gesellschaft aus Gier und Neid noch selbst auf. Dann, wenn sie festgestellt haben, das man Geld nicht fressen kann und die Kinder alle verspeisst sind.
themistokles 23.10.2014
4. OB Kurz
Zitat Artikel: "Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), will am Mittag über den weiteren Umgang des Klinikums mit der Affäre berichten. Er hatte zuletzt davon gesprochen, im Zentrum einer "Kampagne" zu stehen. " Typisch für unseren OB: Alles auf sich selbst beziehen. Dabei hat er weiß Gott größere Probleme in Mannheim. Herr Dr. Kurz: Was haben eklatante, hygienische Mängel in einem Krankenhaus mit ihnen zu tun? Haben etwa ihre politischen Gegner sich klamheimlich in die Sterilisationsabteilung eingeschlichen und dort gezielt die Geräte verunreinigt?
zack34 23.10.2014
5. Deutschland ist diesbezüglich ein Dritte Welt - Land
Wenn die nach Erkrankung/Verletzung zuerst in dt. Krankenhäusern behandelten Niederländer in die heimischen Krankenhäuser verlegt werden, so landen sie automat. erst in der Karantäne... Das hiesige Gesundheitssystem ist selbst schwer krank. Zumal (OT): auf den Termin beim Augenarzt darf ich mind. (!) 5 Monate warten, ähnlich bei den Orthopäden und Zahnärzten. Und dann landet man noch in einer Massenabfertigung sondergleichen, da wird gerne geröntgt bevor der Arzt einen überhaupt gesehen hat...
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