Unis als Entwicklungshelfer Buddhas retten für Afghanistan

Bamiyan-Tal in Afghanistan: "Alte Identität und ihre Traditionen wiederherstellen"
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Bamiyan-Tal in Afghanistan: "Alte Identität und ihre Traditionen wiederherstellen"

Von Jenni Roth

2. Teil: Die Eliten sollen bleiben, wo sie sind - und damit dem Land helfen


Beim BMZ heißt es, die tertiäre Bildung sei zwar kein UN-Millenniumsziel, doch ein Mittel auf dem Weg dorthin: Sie könne einerseits mit der Ausbildung von Grundschullehrern an Hochschulen die Grundschulbildung fördern. Andererseits könne nur eine gut ausgebildete Elite langfristig finanzielle und technische Unabhängigkeit garantieren. Bestenfalls könne sie Demokratisierungs- und Modernisierungsbewegungen vorantreiben. Zudem könnten nur qualifizierte Fach- und Führungskräfte drängende Entwicklungsprobleme lösen.

In Afghanistan fehlt eine solche Wissenselite. Bis sie aufgebaut ist, wird das Land auf Forscher wie Michael Jansen angewiesen sein. Für den Aachener und sein Team ist die Arbeit an den Buddha-Statuen natürlich alles andere als ein Opfer, sondern eine der Herausforderungen, die Wissenschaftler suchen und brauchen. Für die Rekonstruktion der Kolosse aus dem Bamiyan-Tal hat Jansens Team eine 3-D-Projektion entwickelt. Darin können die Bruchstücke computergesteuert zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Unabhängig davon ist Jansen sehr wohl bewusst: "Afghanistan braucht ein ökonomisch-akademisches Rückgrat." Im Fokus der neuen BMZ-Strategie steht jedoch nicht Afghanistan, sondern Afrika. Weil dort das Bildungsdefizit am größten ist, sollen die Entwicklungsbeiträge für Bildung bis zum Jahr 2013 verdoppelt werden. Sie steigen dann auf 137 Millionen Euro. Das kann nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Hoffnung ruht auf einem Universitätsprojekt.

"Wir wollen Braindrain vermeiden"

In den kommenden Jahren soll gemeinsam mit anderen Ländern eine panafrikanische Universität (PAU) aufgebaut werden. "Wir wollen Braindrain vermeiden, die Elite soll im eigenen Land ausgebildet werden", sagt Dr. Nils Geißler von der GIZ. Wissenschaft und Technologie sollen gefördert und die Forschung vernetzt werden. Wissenschaftler sollen sich so besser austauschen können und afrikanische Studierende mobiler werden. Die PAU soll in Zukunft fünf über ganz Afrika verteilte Standorte mit jeweils unterschiedlichen Fachbereichen bekommen. Sie reichen von Klimathemen über Gesundheit bis Good Governance. Treiber des Projekts ist die Afrikanische Union.

Das BMZ setzt aber auch auf den Nutzen für die lokale Wirtschaft. Kontakte zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft sollen auf- und ausgebaut werden. Zudem werde der für Entwicklung und Innovation nötige Wissenstransfer von Unis zu Privatunternehmen gefördert. Das sehen manche Kenner mit großer Skepsis. Entwicklungsexperte Kurt Gerhardt, früherer Landesbeauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Niger und Mitbegründer der politischen Initiative "Grundbildung in der Dritten Welt", sagt: "Wie soll man mit der lokalen Wirtschaft zusammenarbeiten, wenn keine existiert? Zudem fehlt es in Afrika an tüchtigen, verantwortungsvollen Führungskräften. Alle sind im Westen ausgebildet worden - auch jene, die jetzt als Diktatoren herrschen und die Zusammenarbeit erschweren. Was also bringen diese Hochschulkooperationen?"

Dieser Problematik ist sich auch Pieper de Avila bewusst. Zwei DAAD-Projekte in Afrika orientieren sich deshalb an der Idee, dass Bildung allein nicht reicht: das Public Policy in Good Governance (PPGG) und das African Good Governance Network (AGGN), ein Fortbildungsprogramm für Studierende aus der Subsahara-Region. Dessen Hintergrund: An deutschen Hochschulen werden zahlreiche junge Afrikaner ausgebildet. Kehren sie in ihre Heimatländer zurück, spielen sie im Transformationsprozess zu Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Wohlstand oft eine Schlüsselrolle - sei es in Politik, Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung oder in Organisationen der Zivilgesellschaft. Für AGGN-Mitglieder gibt es deshalb studienbegleitende Fortbildungsveranstaltungen und Konferenzen zum Thema "Good Governance".

Motor für die Wirtschaft

Ähnliche Ziele verfolgt das PPGG. Darin können gut qualifizierte Absolventen einen Master in Fächern erwerben, die für die soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern wichtig sind. Die Idee: Die Stipendiaten nutzen ihre in Deutschland erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen später in ihrer Heimat, um demokratisch orientierte Wirtschafts- und Gesellschaftsformen voranzutreiben und soziale Gegensätze zu überwinden.

Wie nötig das ist, zeigen die jüngsten Entwicklungen in Nordafrika. "Nach den Umstürzen brauchen die Länder gut ausgebildete Fachkräfte", sagt Stefan Bienefeld. "Damit ist aber auch schon das nächste Problem benannt: Es fehlen Arbeitsplätze." Im Hochschulbereich müsse man also Hilfe beim Technologietransfer leisten oder zeigen, wie Ausgründungen oder Kooperationen mit der Wirtschaft funktionieren.

Andererseits könnten die Entwicklungen in Nordafrika neue Kooperationsmöglichkeiten eröffnen. Pieper de Avila vom DAAD rechnet mit zusätzlichen Mitteln, und bei der GIZ ist ein Acht-Millionen-Projekt im Berufsbildungssektor im Gespräch: "Gerade in Ägypten gibt es viele hoch Qualifizierte, deren Bildung aber nicht dem Arbeitsmarkt angepasst ist", sagt Nils Geißler.

An diesem Ziel orientiert sich auch das Engagement der RTWH Aachen in Oman. Dort wird gerade in einer Art Franchise-System eine Privatuniversität aufgebaut: "Private Sponsoren aus Oman geben das Geld, wir schicken die Professoren aus Deutschland", sagt Jansen. Das Beispiel zeige: Auch in erdölreichen und wohlhabenderen Ländern sind Bildungsstandards und -infrastruktur unterentwickelt. "Wir wollen dort deutsche Qualitätsstandards einführen."

Handfeste wirtschaftliche Interessen

Und was bringt das Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit den deutschen Hochschulen? Die RWTH Aachen sichert in Afghanistan ebenso Frieden wie der DAAD: "Derlei Projekte fördern die Befähigung und Bereitschaft zu friedlicher Konfliktlösung", sagt Dr. Alexander Kupfer, DAAD-Projektkoordinator für Afghanistan. Aber es spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Pieper de Avila meint, deutsche Hochschulen könnten durch die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern ihr internationales Profil schärfen: "Oft ergeben sich interessante Forschungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, gemeinsam erarbeitete Erkenntnisse dann über Netzwerke in den Entwicklungsländern zu verbreiten."

Kooperationen mit Entwicklungsländern werden deutsche Hochschulen tatsächlich nur eingehen, wenn ihnen das Engagement wissenschaftlich interessant genug erscheint. Nur dann dürften sich auch Forscher finden, die die Kooperation mit Leben füllen. Dass Altruismus allein nicht zieht, macht RWTH-Professor Jansen deutlich. So ließen sich durch die Zusammenarbeit kluge Köpfe für das fachkräftearme Deutschland akquirieren. "Ich beobachte einen Abschied von der idealistischen Position, ausländische Studenten hoch zu qualifizieren, um sie dann mit ihrem Wissen zurück in ihre Heimat zu schicken", sagt Jansen. In den USA und England versuche man schon länger, die Besten zu holen und zu halten.

Ob diese Idee dem Entwicklungsminister schmecken wird, ist aber eine andere Frage. Im Strategieentwurf wird eigens darauf hingewiesen, dem Braindrain der Entwicklungsländer entgegenwirken zu wollen. Die Diskussion um die neue Entwicklungsstrategie wird in den kommenden Monaten noch viel Feinarbeit verlangen.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
taiga, 20.06.2011
1. hhhh
Zitat von sysopDie Felsenbuddhas waren Weltkulturerbe, dann pulverisierten die Taliban die*gigantischen Statuen in Afghanistan. Deutsche Wissenschaftler helfen nun, Teile der Kolosse zu rekonstruieren. Das Hochschulmagazin duz berichtet, wie Unis in der Entwicklungszusammenarbeit neue Wege gehen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,763426,00.html
Deutsche Wissenschaftler als Scherbensammler und Puzzlebauer im Windschatten radikal-islamistischer Taliban-Gewalt: Ein passendes Bild, auch auf kulturellem Gebiet. Ein wirklich wahrer neuer Weg, würde Ditsche sagen.
Moebius07 20.06.2011
2. Sehr schöne Aktion....
Zitat von sysopDie Felsenbuddhas waren Weltkulturerbe, dann pulverisierten die Taliban die*gigantischen Statuen in Afghanistan. Deutsche Wissenschaftler helfen nun, Teile der Kolosse zu rekonstruieren. Das Hochschulmagazin duz berichtet, wie Unis in der Entwicklungszusammenarbeit neue Wege gehen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,763426,00.html
Zitat: "Die Menschen müssen ihre alte Identität und ihre Traditionen wiederherstellen und gleichzeitig neue Wurzeln schlagen." Solche Worte wünsche ich mir mal für die Deutsche Bevölkerung, leider läuft sieht das in Deutschland anders aus. Hier heisst es: "Wer nicht auf die Anderen zugeht und deren Kultur kennenlernen möchte, ist Intolerant!" Ein Schelm der Böses dabei denkt....
licht_in_der_dunkelheit 20.06.2011
3. Islamische Kultur?
Wusste gar nicht, dass es eine "islamische Kulturhauptstadt" gibt. Dachte immer (und denke noch), dass Islam und Kultur ein Widerspruch in sich ist. Was soll denn auch ein krankhafter Aberglaube, eine Anhäufung so tumb-willkürlicher, menschen- und lebensfeindlicher Regeln um ihrer selbst willen, die in treuer Gefolgschaft für Mohammed bis heute Mord, Unterwerfung, Vergewaltigung und Versklavung der von ihr sogenannten "Ungläubigen" fordert, weil darauf ganz einfach ihr "Geschäftsmodell" beruht (natürlich nur intern, niemals offen nach außen), die ein sadistisches Gottesbild pflegt, wonach Gott nichts anderes im Sinn hat als peinlich genau und voller Hass zu verfolgen, wer von den Menschen Schweinefleisch isst oder sich nicht vermummt - was soll ein solch kollektiver Wahn an Kultur hervorbringen...??!! Meiner Meinung nach ist es höchste Zeit, dass diese Massenpsychose als solche demaskiert wird.
g0r3 21.06.2011
4. ...
Zitat von licht_in_der_dunkelheitWusste gar nicht, dass es eine "islamische Kulturhauptstadt" gibt. Dachte immer (und denke noch), dass Islam und Kultur ein Widerspruch in sich ist. Was soll denn auch ein krankhafter Aberglaube, eine Anhäufung so tumb-willkürlicher, menschen- und lebensfeindlicher Regeln um ihrer selbst willen, die in treuer Gefolgschaft für Mohammed bis heute Mord, Unterwerfung, Vergewaltigung und Versklavung der von ihr sogenannten "Ungläubigen" fordert, weil darauf ganz einfach ihr "Geschäftsmodell" beruht (natürlich nur intern, niemals offen nach außen), die ein sadistisches Gottesbild pflegt, wonach Gott nichts anderes im Sinn hat als peinlich genau und voller Hass zu verfolgen, wer von den Menschen Schweinefleisch isst oder sich nicht vermummt - was soll ein solch kollektiver Wahn an Kultur hervorbringen...??!! Meiner Meinung nach ist es höchste Zeit, dass diese Massenpsychose als solche demaskiert wird.
Mit diesem Posting haben Sie sich gerade als untoleranter und rückständiger als 99,99% der von Ihnen so verteufelten Islam-Angehörigen bewiesen.
licht_in_der_dunkelheit 21.06.2011
5. Wenn schon...
Zitat von g0r3Mit diesem Posting haben Sie sich gerade als untoleranter und rückständiger als 99,99% der von Ihnen so verteufelten Islam-Angehörigen bewiesen.
... dann hieße es "intoleranter", aber was soll's, wir sind ja großzügig in solchen Kleinigkeiten, Deutsch ist nunmal eine schwierige Sprache, selbst für viele Muttersprachler. Was den großen Rest betrifft, da muss ich Sie leider enttäuschen: Leider, leider, sehr sehr leider handelt es sich bei meinem Posting um Fakten, und die können per se, anders als eine bloße Meinungsäußerung, weder intolerant noch rückständig sein, sondern nur der Realität entsprechen oder eben auch nicht; in diesem Fall ersteres. Sie können mir gern glauben: Mir wäre alles lieber, als dass es sich hier um Fakten handelte. Die 3-Affen-Methode "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen" hilft uns aber leider nicht weiter, genausowenig wie die Fakten zu leugnen oder zu schmähen mithilfe dessen, was gern unter "political correctness" verstanden wird (was aber vielmehr Blindheit vor dem Einsickern Verderben bringender Pestilenz ist). Möge es nicht zu spät für unsere Welt sein, wenn Ihnen und Ihresgleichen die Augen aufgehen.
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