Von Beruf Kameramann Die Licht-Spieler bleiben im Schatten

Ohne Kameraleute würden Bildschirme und Kinoleinwände dunkel bleiben, doch Stars werden sie fast nie. Ihre Aufgabe ist es, andere prächtig ins Bild zu setzen. Trotzdem träumen viele von diesem anspruchsvollen Beruf - und nur wenige schaffen es.


Joseph Vilsmaiers Film "Schlafes Bruder" brachte für Florian Schilling die Entscheidung. Angefangen hat er als Set-Hilfe: "Damals durfte ich nur den sprichwörtlichen Kaffee kochen, aber mir wurde klar, dass mein Berufsziel Kameramann ist." Inzwischen ist Schilling Kamerastudent und hat das vierjährige Diplom-Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) fast hinter sich - nur der Abschlussfilm fehlt noch.

Ausnahmekünstler Michael Ballhaus: "Von guten Kollegen kann man immer lernen"
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Ausnahmekünstler Michael Ballhaus: "Von guten Kollegen kann man immer lernen"

Florian Schilling und seine Kommilitonen haben das Glück, an der DFFB mit Michael Ballhaus einen wahren Meister als Dozenten zu haben. Er kehrt regelmäßig aus Hollywood zurück an die Spree, um den Nachwuchs in die Feinheiten der Kameraführung einzuweihen.

Ballhaus war Bühnenfotograf und Fernsehkameramann, bevor er Anfang der siebziger Jahre zum Film kam. Seitdem hat er auf beiden Seiten des Atlantiks mit nahezu allen namhaften Regisseuren und Schauspielern gearbeitet und wurde mehrfach für den Oscar nominiert. Zu seinen jüngeren Projekten aus den letzten zwei Jahren zählen "Die Legende von Bagger Vance" in der Regie von Robert Redford und "Gangs of New York" von Martin Scorsese.

Nur selten wird der Job tatsächlich zum Traumberuf

"In diesem Beruf kommt der Erfolg nicht über Nacht", sagt Michael Ballhaus. "Man beginnt mit kleinen Produktionen, macht seine Aufgabe möglichst gut und arbeitet dann schrittweise auf ein größeres Ziel zu." Ganz wichtig sei es, am Anfang jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um berufliche Erfahrungen zu sammeln: "Man muss diesen Beruf sehr lieben und darf sich neuen Techniken und Stilen nicht verweigern." Es gebe viele verschiedene Möglichkeiten, mit Bildern eine Geschichte zu erzählen.

Ein anderer Meister an der Kamera: Regisseur Steven Spielberg
DPA

Ein anderer Meister an der Kamera: Regisseur Steven Spielberg

Der Beruf ist begehrt, aber der Einstieg schwierig. "Wir bekommen wöchentlich etwa zehn Anfragen von jungen Leuten, die alle Kameramann oder -frau werden möchten", sagt Michael Neubauer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Kamera (BVK) in München. "Die Nachfrage übersteigt schon jetzt die Zahl der freien Stellen bei weitem. In Zukunft wird der Markt aber noch enger werden, weil das Interesse an Medienberufen insgesamt steigt." Erfolgreiche Berufseinsteiger brauchen neben großer Begabung auch eine fundierte Ausbildung.

Die rege Nachfrage sieht Michael Neubauer mit gemischten Gefühlen: Nur für eine relativ kleine Gruppe von Kameraleuten, die Kinofilme drehen oder größere TV-Produktionen machen, sei "der Job tatsächlich zum Traumberuf geworden". Die meisten arbeiten in der aktuellen Berichterstattung. Das bedeutet fast immer Knochenarbeit unter erheblichem Zeit- und Konkurrenzdruck - mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, körperlichen Belastungen und psychischem Stress.

"Als gute Basis für einen erfolgreichen Berufseinstieg gilt eine Lehre als Fotograf, gefolgt von Praktika in einem Film-Kopierwerk oder Geräteverleih", erklärt Bernd-Andreas Bergmann. Der Diplom-Kameramann unterrichtet als Gastprofessor Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Babelsberg. "Eine Assistenten-Tätigkeit in Kamerateams sollte für die nötige Praxis im normalen Produktionsalltag sorgen." Über die erfolgreiche, mehrjährige Arbeit als Assistent führe der Weg dann traditionell zum Kameramann.

Wer später Kinofilme oder andere große Produktionen drehen will, ist mit einem zusätzlichen Kamerastudium an einer Filmhochschule gut beraten. "Auch mit dem Diplom in der Tasche werden die Absolventen aber wahrscheinlich zunächst noch einige Zeit als Assistenten erfahrener Kameraleute beschäftigt", sagt Bernd-Andreas Bergmann. "Für diesen Job braucht man einen sehr langen Atem."

Tägliche Jagd nach der Quote

Und auch nach vielen Berufsjahren haben erfahrene Kameraleute noch nicht ausgelernt: "Die technische Entwicklung legt ein rasantes Tempo vor", erklärt Ausnahmekünstler Michael Ballhaus. "Da muss man Schritt halten, ganz besonders im Bereich der zukunftsweisenden digitalen Kameras." Eine angenehme Form der Weiterbildung ist der regelmäßige Kinobesuch: "Von guten Kollegen kann man immer lernen."

Hartes Tagesgeschäft: Kameramann im Stadion
TSCHAUNER/DPA

Hartes Tagesgeschäft: Kameramann im Stadion

Zwar möchten die Söhne von ZDF-Kameramann Joachim Giel aus Mainz in die Fußstapfen des Vaters treten. Doch der rät ihnen, es sich gut zu überlegen: "Der Beruf hat sich in den letzten 25 Jahren sehr verändert", sagt Giel, im Bereich Aktuelles/Dokumentation tätig. "Unsere Arbeit ist sehr schnelllebig geworden und wird bei zu vielen Sendern von der Jagd nach der Zuschauer-Quote bestimmt."

Mit den ZDF-Auslandskorrespondenten war Joachim Giel in vielen Krisengebieten der Welt unterwegs. In häufig brenzligen, manchmal sogar lebensbedrohenden Situationen waren ihm vor allem zwei Dinge immer besonders wichtig: "Die Bild-Berichterstattung muss unter allen Umständen seriös bleiben, und die Familie daheim muss viel Verständnis für den Job haben."

Weitere Informationen:

Bundesverband Kamera
Brienner Straße 52
80333 München
Tel. 089/340191-90
Fax: 089/340191-91

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