Von Beruf Pilot Fertig zum Abheben?

Über den Wolken, das wusste schon Reinhard Mey, muss die Freiheit grenzenlos sein. Was der Barde verschwieg: Bis ins Cockpit eines Verkehrsflugzeuges ist es ein weiter Weg. Wer dort hin will, muss harte Tests durchlaufen und viel Geld mitbringen. Doch die Mühe lohnt sich.


Fliegen will gelernt sein: Ausbildung zum Piloten
GMS

Fliegen will gelernt sein: Ausbildung zum Piloten

Bremen - "Ein schöner Sonnenaufgang oder der Flug durch eine sternenklare Nacht sind magische Augenblicke", erzählt Georg Fongern. Wenn er über seinen Beruf spricht, bekommt der 50-Jährige leuchtende Augen: "Ich habe meine Wahl nie bereut. Die Faszination wächst mit den Herausforderungen". Fongern ist Pilot bei der Deutschen Lufthansa, sein Arbeitsplatz ist das Cockpit eines Airbus A-340.

Als so genannter Verkehrsflugzeugführer in der zivilen Luftfahrt übt Fongern einen Beruf aus, der für viele junge Menschen ein Traumjob ist. Doch der Weg dahin ist steinig: Die Auswahlkriterien sind rigide, die Kosten der Ausbildung hoch.

"Streng ausgewähltes und nach hohen Standards geschultes Personal ist das entscheidende Sicherheitspotenzial einer Fluggesellschaft. Das gilt besonders für die Qualität der Piloten", erklärt Renate Hocke von der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen. Dort werden pro Jahr rund 350 Flugschüler ausgebildet.

Nachdem die Branche vor allem nach dem 11. September 2001 in Turbulenzen geraten war, entwickelt der Markt langsam wieder seine eigene Dynamik: "Langfristig gehen wir von einer weiteren Expansion des Luftverkehrs aus", sagt Susanne Stünckel von der Hapag-Lloyd Flug GmbH in Hannover. "Außerdem sollten junge Bewerber bedenken, dass zwischen der Ausbildung, der Bewerbung und dem tatsächlichen Jobeinstieg auch noch Zeit vergeht."

Für die Ausbildung zum Verkehrspiloten gibt es in Deutschland nach Angaben der "Vereinigung Cockpit" (VC), dem Berufsverband der Deutschen Piloten, zwei Möglichkeiten. Die erste führt über eine anerkannte ATPL-Flugschule ("Airline Transport Pilot Licence").

Diese Ausbildung dauert zwischen 18 und 24 Monaten und kostet 40.000 bis 75.000 Euro. Zusätzlich entstehen Kosten von bis zu 25.000 Euro für den Erwerb einer so genannten Musterberechtigung. Für die Finanzierung muss der Auszubildende selbst aufkommen.

Das Kribbeln beim Abheben: Traumberuf Flugzeugführer
DDP

Das Kribbeln beim Abheben: Traumberuf Flugzeugführer

Die andere Möglichkeit ist eine Ausbildung bei der Lufthansa. Dafür hat sich unter anderem Jana Herrmann entschieden. Sie ist eine von 33 weiblichen unter insgesamt 200 Flugschülern, die derzeit im "Airline Training Center" im amerikanischen Phoenix auf den Dienst im Cockpit vorbereitet werden. Die Flugschule ist eine Außenstelle der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule. Dort findet ein Großteil der praktischen Pilotenausbildung statt.

"Zunächst haben wir alle beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) in Hamburg die Berufsgrunduntersuchung absolviert", erzählt Jana Herrmann. "Da werden mathematische Begabung, technisch-physikalisches Grundwissen, Wahrnehmungsgeschwindigkeit oder Englischkenntnisse getestet."

Anschließend überprüfen die Psychologen des DLR das Verhalten der Flugschüler in bestimmten Situationen. Eine medizinische Untersuchung auf Flugtauglichkeit muss ebenfalls bestanden werden.

Die Ausbildung bei der Lufthansa dauert etwa zwei Jahre, die Schüler tragen einen Eigenanteil von 41.000 Euro, der von der Fluggesellschaft vorfinanziert wird und nach dem Berufseinstieg in Raten zurückgezahlt werden muss.

Am Ende beider Ausbildungswege steht nach Angaben des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig die "Airline Transport Pilot Licence", ohne die kein Verkehrspilot arbeiten darf. Sie muss ergänzt werden durch das so genannte Type Rating, das zum Führen eines bestimmten Flugzeugtyps berechtigt. Das Jahresgehalt eines ausgebildeten Lufthansa-Piloten beträgt in den ersten Berufsjahren derzeit etwa 54.000 Euro brutto.

"Unser Job ist nicht nur faszinierend, sondern auch anstrengend. Er wird für den Einzelnen nur mit der richtigen Einstellung und bei voller Leistung zur wirklichen Erfüllung", sagt Fongern, der auch Sprecher der "Vereinigung Cockpit" ist.

Regelmäßige medizinische Untersuchungen und "Simulator Checks" begleiten die Piloten während ihrer gesamten Laufbahn. Sie sollen sicherstellen, dass die Männer und Frauen körperlich fit sind und theoretisch alle Flugsituationen meistern können.

Apropos Frauen: Viele Fluggesellschaften bedauern, dass sich nicht mehr weibliche Pilotenanwärter bei ihnen bewerben: "Dabei herrscht in der Luft Chancengleichheit", sagt Pierre de la Motte von LTU in Düsseldorf. "Für einen Arbeitsplatz im Cockpit ist die Qualifikation das Entscheidende."

Von Stefanie Dorn, gms



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.