Von Beruf Schauspieler Der lange Weg zur Filmkarriere

Ein Star vor der Kamera zu werden, ist für viele ein Traum. Von der Hoffnung auf eine rasante Karriere profitieren auch unzählige Workshops, Akademien, Kurse. Aber Crashkuse führen nur selten ans Ziel. Wer als Schauspieler auf Dauer überleben will, muss den harten Weg über Schauspielschulen gehen.


Für den Sprung ins Film- und Fernsehgeschäft braucht man einen langen Atem, warnen Experten. In der Regel führt an einer klassischen Schauspielausbildung über mehrere Jahre kein Weg vorbei. Blitz-Ausbildungen sieht man bei der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn äußerst skeptisch: "Der Beruf des Schauspielers muss genauso mühsam erlernt werden wie der des Kfz-Mechanikers oder Arztes", stellt Michael Kerwer klar. Er leitet bei der ZBF den Bereich Film- und Fernsehen. "Egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera: Ohne eine fundierte Schauspielausbildung geht es kaum."

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Während Anbieter von Crashkursen mit unrealistischen Karriereversprechen locken, empfiehlt Kerwer eine drei- bis vierjährige Ausbildung, wie sie in Deutschland die staatlichen Schauspielschulen sowie einige renommierte Privatschulen anbieten. Karriere ohne mehrjährige Schulung - das ist nach Kerwers Einschätzung höchstens in TV-Seifenopern möglich: "Und ich habe Zweifel, ob man damit langfristig seinen Lebensunterhalt verdienen kann."

Der Berufsverband Deutscher Schauspieler beklagt ein mangelndes Niveau vieler Kurse für Filmschauspieler. Vorsicht sei besonders bei diffusen Ausbildungen wie "Show-Training" geboten. Für miserablen Unterricht forderten Anbieter solcher Seminare hohe Gebühren, warnt der Vize-Verbandsvorsitzende Wolfgang Klein. "Es gibt keinerlei Qualitätskontrolle." Der Versuch des Verbandes, eine Art Gütesiegel einzuführen, sei gescheitert.

Schauspielschule zu sehr auf die Bühne fixiert

Auch Klein sagt: "Als Vorbereitung für das Filmgeschäft empfehle ich die Ausbildung an einer Schauspielschule." Er rät, auch im Falle einer Absage nicht aufzugeben und es an mehreren Schulen zu probieren. Wer aber wiederholt abgewiesen wird, solle sein Berufsziel überdenken. "Schauspieler wie Jürgen Vogel, die es trotz Absage geschafft haben, sind die große Ausnahme."

Nach Ansicht von Mechthild Holter, Inhaberin der Film-Agentur "Players" aus Berlin, sind viele Schauspielschulen zu sehr auf die Bühne fixiert. "Film und Fernsehen werden aus der Ausbildung oft vollständig ausgeklammert" - und das, obwohl Film- und Fernsehcaster zunehmend Medienerfahrung verlangten.

Holter, die etwa Til Schweiger und Daniel Brühl in ihrer Kartei hat, empfiehlt daher eine "filmspezifische" Schauspielausbildung. Diese sollte beides abdecken: klassischen Schauspielunterricht und medienspezifische Schulung. Eine solche Ausbildung bietet etwa die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam an.

Bei waghalsigen Versprechen Hände weg

Hat man schon eine Bühnenausbildung hinter sich, ergeben filmspezifische Crashkurse nach Einschätzung der ZBF und des Schauspielerverbandes durchaus Sinn. Dabei könnten Schauspieler lernen, sich vor der Kamera richtig zu verhalten oder sich auf ein Casting vorzubereiten. Vor einer Kursbuchung sollten die Anbieter aber genau geprüft werden. ZBF-Vermittler Kerwer rät, sich die Vita der Dozenten anzuschauen und zu erkundigen, ob diese tatsächlich unterrichten oder nur ihren Namen hergeben. Verspricht ein Veranstalter eine rasante Karriere, rät er: "Hände weg!"

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Auf der Überholspur nach Hollywood? Mit solchen Versprechen will etwa die neu gegründete Schauspielakademie "Mallorca Film Academy" nichts zu tun haben. Die Schule, in deren Beirat auch die Regisseure Dieter Wedel und Detlev Buck sitzen, verspricht ihren Kunden lediglich eine fundierte Ausbildung in Teilbereichen wie etwa dem "Camera Acting", dem Schauspiel vor der Kamera.

"Wir wollen keine klassische Schauspielausbildung ersetzen", sagt Lou Binder, künstlerischer Leiter der "Academy". Die Kurse richteten sich vor allem an Künstler, die sich nach einer Schauspielausbildung für den Bereich Film und Fernsehen fit machen wollen. "Während im Theater große Gesten gefordert sind, wirken sie im Film lächerlich." Rund 650 Euro kostet ein Fünf-Tage-Workshop für Bühnenschauspieler mit Filmambitionen.

Wer das Einmaleins des Schauspiels beherrscht und sich auch mit der Kamera vertraut gemacht hat, ist für die Film- und Fernsehbranche gerüstet. Doch bis zum Star ist es trotzdem ein steiniger Weg: In Zeiten sinkender Werbeeinnahmen bevorzugen die TV-Programmstrategen billige Formate wie Talk- oder Gerichtsshows gegenüber teuren Filmproduktionen. Zudem werden Produktionskosten gedrosselt und Drehzeiten verkürzt. "Es ist ein knochenharter Job, und vor Arbeitslosigkeit ist niemand gefeit", sagt Wolfgang Klein.

Von Julia Deppe, gms



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