Forschen mit Zeitvertrag "Aus Hire-and-fire entsteht keine gute Wissenschaft"

Sie sind die klügsten des Landes, arbeiten aber teils jahrelang unter prekären Bedingungen: Ein Großteil der wissenschaftlichen Mitarbeiter an deutschen Hochschulen ist auf Zeitvertragsbasis beschäftigt.

Proteste gegen Finanznot in Baden-Württemberg: Es fehlen Dauerstellen für Daueraufgaben, sagt die GEW
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Proteste gegen Finanznot in Baden-Württemberg: Es fehlen Dauerstellen für Daueraufgaben, sagt die GEW


Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, beläuft sich der Anteil der Zeitarbeiter an Unis auf inzwischen 90 Prozent. Betroffen sind rund 240.000 Angestellte.

Die Engagements würden zudem immer kürzer: "Über die Hälfte der wissenschaftlichen Mitarbeiter hat Verträge von unter einem Jahr Laufzeit", sagt Keller. Die GEW beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Doktoranden, die sich jedes halbe Jahr um einen neuen Vertrag kümmern müssen, seien anderswo kaum denkbar, so der Gewerkschafter.

Wenn er in Deutschlands Nachbarländern von der Lage hierzulande erzähle, reagierten die Kollegen oft fassungslos. "Unter solchen Hire-and-fire-Bedingungen kann keine gute Wissenschaft entstehen", sagt Keller.

Seit dem Wissenschafts-Zeitvertragsgesetz von 2007 habe sich die Lage dramatisch verschlechtert. Die GEW fordert deshalb Mindestlaufzeiten für Verträge. "Und Daueraufgaben müssen mit Dauerstellen belegt werden", fordert Keller.

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insgesamt 54 Beiträge
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merapi22 16.03.2015
1. Höchstlohn, statt prekäre Beschäftigung!
Allein dem Wissen und technischen Möglichkeiten verdanken wir unseren heutigen Wohlstand. Darum sollte es für alle die in Wissenschaft und Forschung beschäftigt sind den Höchstlohn geben. Höhere Löhne und mehr Freiheit hat man in den USA, VAE, Singapur und Australien, darum wandern immer mehr deutsche Fachkräfte wegen prekärer Arbeitsbedingungen in Deutschland in diese Länder ab. Deutschlands offene Adern...
st_ivo 16.03.2015
2. Statistikfehler
Das Problem ist in der Tat ernst. Es hilft der Sache aber nicht, mit völlig abwegigen Zahlen zu operieren (hier insbesondere: durch die Einbeziehung der Heerscharen von Hiwis, die ein paar Stunden pro Woche Hilfstätigkeiten ausführen).
keksguru 16.03.2015
3. Problem unbefristete Verträge beenden
weil das Beenden eines unbefristeten Vertrages mit der Uni meist nicht ohne Kündigungsschutzklage abläuft... andererseits werden in dem Artikel Probleme dahergeredet die nicht existieren. Die Uni ist ein Ausbildungsbetrieb, und die allermeisten Doktorandenstellen bzw. Masterstellen werden aus Projekten gesponsort die drei oder 5 Jahre lang laufen. Danach muß der Herr/Frau Dr. bzw. M Sc. den Stuhl räumen. Viele davon würden aber aus puren egoistischen Motiven das nicht tun wenn sie in einem unbefristeten Vertrag wären. Außerdem hat der Autor keine Ahnung wie die Ausbildung speziell mit Drittmitteln finanziert wird.
christiewarwel 16.03.2015
4. Gute Idee
Vergessen Sie aber bitte nicht, das auch der DFG zu sagen. Mit einer Projektförderung von 2 Jahren und einer Doktorandenstelle für diese Zeit kann man keinen Doktoranden für 3 Jahre einstellen. Das ist gesetzlich nämlich nicht zulässig; ein Arbeitsvertrag kann nur über einen Zeitraum geschlossen werden, der finanziell auch gedeckt ist. Daraus folgt, unter Berücksichtigung von Tariferhöhungen und Weihnachtsgeld, daß der gute Doktorand NICHT MAL für 2 Jahre einen Vertrag bekommt. Hat er vorher schon gearbeitet und erhält demnach einen höheren Tarif, wird es zeitmäßig also immer weniger bis hin zur Uneinstellbarkeit. Wie man mit ständig neuen Doktoranden, Master- und Bachelorstudenten mit auf Postdoc - Basis betriebenen Laboren im Ausland konkurrieren soll, können wahrscheinlich nicht mal diejenigen erklären, die sich den ... ausgedacht haben.
stirnrunzlerin52 16.03.2015
5. Das selbe gilt für alle die Arbeiten wollen,
es gibt genügend Fachkräfte die sich engagieren wollen aber durch Zeitverträge (Leiharbeit) ausgebrannt werden weil es keine reale Chance gibt übernommen zu werden, es wird zwar über Burnout und diesen Sachenberichtet aber die eigentlichen Ursachen, dass nicht investieren in Mitarbeiter sondern nur das auspressen geht der Politik am Arsch vorbei.
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