1000 Fragen Kann man sich wirklich totlachen?

Kennen Sie den? 200 Muskeln krampfen sich zusammen, Tränen fließen, der Puls rast, der Mund schnappt auf und zu. Das kann lebensbedrohlich aussehen und fühlt sich manchmal auch so an - aber kann man an einem Lachkrampf sterben, gibt es gar den tödlichen Witz?


Der lustigste Witz der Welt war tödlich. Darum durften die englischen Soldaten im zweiten Weltkrieg nur einzelne Wörter ins Deutsche übersetzen. Weil einer der Übersetzer im Dienst der Majestät zwei Wörter am Stück las, musste er für Wochen ins Lazarett. In offener Feldschlacht brachte der auf Deutsch vorgelesene Witz den entscheidende Erfolg. Die deutschen Feinde lachten sich tot, und England siegte mit Humor - einfach so, ganz ohne Blei und Blutvergießen.

Kinderlachen: Prusten, bis der Arzt kommt?
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Kinderlachen: Prusten, bis der Arzt kommt?

Der Sketch geht zurück auf Monty Python, Altmeister des Humors. Die britische Komikertruppe um John Cleese ist manchmal tatsächlich so lustig, dass das Lachen in krampfhaftes Japsen übergeht. Es gibt kein Halten, Tränen schießen in die Augen, Luft wird mit asthmatischem Hecheln eingesaugt und stoßweise wieder ausgeblasen. Und auch wenn wir gekitzelt werden, schütteln Lachsalven und -krämpfe den ganzen Körper.

Wie gefährlich kann das sein? Ist es möglich, sich im wahrsten Sinne des Wortes totzulachen, wie der Sketch mit einem Witz als Wunderwaffe glauben macht? "Nein", sagt der Lachforscher und Humanbiologe Professor Carsten Niemitz von der Freien Universität Berlin. "Man kann zwar beim Lachen genauso sterben wie beim Zähneputzen, die Ursache für den Tod ist das aber nicht."

Dennoch ist Lachen anstrengend. "Im Körper werden dabei etwa 200 verschiedene Muskeln in Bewegung versetzt", erklärt der Wissenschaftler. Dazu steigt der Puls, die Atmung wird schneller, und das Blut staut sich im Gehirn, weil im Brustkorb Druck aufgebaut wird. "Als Folge bekommen wir einen roten Kopf", so Niemitz.

Erschrecken ist viel gefährlicher als Lachen

Innere Verletzungen können aber infolge dieser starken Beanspruchung nach seinen Angaben nicht auftreten. "Beim Niesen wird der Körper viel heftiger erschüttert", sagt der Wissenschaftler. Selbst für Herzpatienten sei der beschleunigte Puls kein Problem. Außerdem nähmen kranke Menschen häufig eine Schutzhaltung ein, um Schmerzen durch überflüssige Bewegungen zu vermeiden: "Wenn Sie gerade eine Blinddarm-Operation hinter sich haben, ist Ihre Bereitschaft, über Späße zu lachen, viel geringer."

Auch ersticken könne man nicht an einem Lachanfall. "Wenn man keine Luft mehr bekommt, wird sofort ein Schutzmechanismus im Gehirn aktiviert, der dem Körper zu atmen befiehlt", sagt der Humanbiologe. Die Gefahr, sich zu verschlucken, sei ebenso gering, denn beim Lachen atme man eher aus als ein. "Wenn man sich erschreckt, wird dagegen plötzlich Luft eingesogen, da ist diese Gefahr viel größer", fügt er hinzu.

Da Lachen unter anderem den Stressabbau fördert, das Immunsystem stärkt und entspannend wirkt, leistet es vielmehr einen wichtigen Beitrag für eine bessere Gesundheit. Viel besorgniserregender sei, wenn man nicht mehr in der Lage sei, zu lachen, unterstreicht der Wissenschaftler: "Dann leidet man wahrscheinlich unter einer Depression."

cht/ddp



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