1000 Fragen Warum Betrunkene weiße Mäuse sehen

Erst kommt das Gelage, schon tanzen die Mäuse. Man muss schon ziemlich gebechert haben, um zwei Bier zu sichten, wo nur eines steht. Oder Tiere, wo keine sind. Was halluziniert man im Suff wirklich?


In jeder Kneipe wird irgendwann diese Geschichte erzählt. Sie hat mit langen Nächten und viel Alkohol zu tun und erzählt von weißen Mäusen, die im Vollrausch durchs Blickfeld huschen. Wer zu viel trinkt, sieht weiße Mäuse - so weit das Gerücht. Stimmt das überhaupt?

Aus die Maus: Alkoholiker sehen Tiere, wo keine sind
REUTERS

Aus die Maus: Alkoholiker sehen Tiere, wo keine sind

Ja und nein. Wer hin und wieder einen hebt, muss sich danach nicht gleich aus Angst vor Nagetieren auf den Stuhl stellen. Die Mäuse aber kommen tatsächlich vor – bei schweren Alkoholikern. Und auch nicht im Vollrausch, sondern mit dem Katerfrühstück am nächsten Tag.

Eine alkoholkranke Person ist nämlich auf den regelmäßigen Konsum angewiesen. Andernfalls treten Entzugssymptome auf. Unter anderem können das Halluzinationen sein, die wahllos Bilder auf die Netzhaut werfen. Das nennt sich dann Entzugsdelirium oder auch "Delirium tremens" von "tremere", das sich von dem lateinischen Wort für "zittern" ableitet.

Ein Mäuschen in Ehren? Kampftrinken ist riskant

Etwa jeder dritte Alkoholiker sieht dann Tiere, schätzen Neurologen – meistens Insekten, Spinnen oder Schlangen; auch rosa Elefanten oder blaue Hunde laufen mitunter durchs Bild. Und in fünf von hundert Fällen phantasieren die Abhängigen tatsächlich weiße Mäuse herbei.

Nicht nur das Sehverhalten ist geschmälert: Ein Alkoholiker kann auch Dinge riechen, schmecken oder fühlen, die in Wirklichkeit nicht existieren. Der Grund: Alkohol hemmt die im Hirn produzierten Transmitterstoffe. Das sind Stoffe, die Empfindungen von Zelle zu Zelle übertragen. Durch die Hemmung versucht das Hirn mehr und mehr, solche Transmitter zu produzieren.

Bleibt nun der Alkohol aus und der Pegel sinkt wieder, sind zu viele Botenstoffe im Körper. Es kommt zur Überreizung. Und die sorgt neben Unruhe, Herzrasen und Übelkeit auch für starke Halluzinationen.

Spaßig ist das allerdings nicht - etwa 15 Prozent der Entzugsdelirien enden tödlich, die  Überlebenden erholen sich nach etwa fünf bis sieben Tagen. Wer sich also dabei ertappt, im Vollrausch 200 Mäusefallen bestellt zu haben, sollte seinen Alkoholkonsum gründlich überdenken. 

Röh/cpa/ddp



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