1000 Fragen Wie viel Schlaf braucht der Mensch?

Hurra, Wochenende, endlich wieder ausschlafen. Zu wenig Schlaf ist ungesund, wissen Millionen Morgenmuffel. Aber auch eine Überdosis Schlummer kann schaden, zeigen Studien. Nach wie vielen Stunden ist man denn nun optimal ausgeruht - und warum?


"Nur noch fünf Minuten" - wer kennt nicht diesen Gedanken, wenn es um das morgendliche Aufstehen geht. Besonders schlimm ist das berüchtigte Montagstief. Doch Vorsicht: Nicht nur zu wenig Schlaf kann schädlich für Menschen sein, sondern auch zu viel Schlaf.

Schlaflabor (in Freiburg): "Nur ein anderer Wachzustand"
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Schlaflabor (in Freiburg): "Nur ein anderer Wachzustand"

"Auf das richtige Gleichgewicht zwischen Schlafen und Wachen kommt es an", erklärt Jürgen Zulley. Der Schlafforscher von der Universität Regensburg weiß um die Risiken einer zu langen Nachtruhe: "Bei Langschläfern ist das Krankheitsrisiko und die Sterberate deutlich erhöht", sagt er.

Das bestätigen auch Untersuchungen aus den USA und Großbritannien - allerdings sei bislang nicht eindeutig geklärt, warum zu viel Schlaf schädlich wirkt, so Zulley. Der Schlafforscher beschäftigt sich schon seit langem mit dem nächtlichen Ruhezustand. "Allerdings sind wir im Schlaf gar nicht so ruhig, wie es von außen wirkt", sagt er.

Stattdessen läuft der Körper auf Hochtouren, während wir uns im sanften Schlummer wähnen: Erinnerungen werden verarbeitet, die Wundheilung beschleunigt sich, die Organe regenerieren. "Schlaf ist eigentlich nur ein anderer Wachzustand", sagt Zulley. So verbraucht der Körper im Schlaf fast genauso viel Energie wie in Wachphasen.

Wie viel Schlaf aber braucht ein Mensch nun? Die Antwort darauf ist denkbar einfach: "Wenn ich den ganzen Tag, abgesehen von dem ganz normalen Mittagstief, leistungsfähig und fit bin, dann habe ich genug geschlafen", sagt Zulley. Die Qualität des Schlafes lässt sich also am besten über den Zustand tagsüber abschätzen.

Jugendliche sind häufig Eulen

Wie viele Stunden Schlaf dafür nötig sind, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Manche sagen, unter zehn Stunden Nachtruhe sind sie ein Wrack. Andere behaupten, dass ihnen dauerhaft vier Stunden locker reichen. Das kann durchaus stimmen, ist dann aber eine große Ausnahme. Die meisten Menschen kommen mit sechs bis acht Stunden gut zurecht. Es hängt auch von der Qualität des Schlafes ab, ob man also zum Beispiel ohne Störungen schlummert.

Immer wieder gibt es Diskussionen um die Frage, wann die Schule beginnen sollte. In Berlin etwa stimmte die Schülerschaft eines Gymnasiums darüber ab, ob der Unterricht erst um neun starten sollte. Eine Mehrheit entschied sich jedoch dafür, es bei der Acht-Uhr-Regelung zu lassen.

Schlafforscher kritisierten schon häufiger, dass vor allem Jugendliche im Morgengrauen noch nicht sonderlich leistungsfähig sind. Der Stundenplan diskriminiere eine Mehrheit der Schüler, sagte der Leipziger Biologe Christoph Randler im SPIEGEL-ONLINE-Interview: "Frühaufsteher erhalten die besseren Noten."

Das hat nichts mit Faulheit oder Schluffitum zu tun, sondern mit der genetischen Anlage und dem Lebensalter. Wissenschaftler unterscheiden verschiedene Schlaftypen: Die frühen Schläfer ("Lerchen") liegen gern deutlich vor Mitternacht im Bett und stehen früh auf. Die späten ("Eulen") würden am liebsten erst deutlich nach Mitternacht einschlafen und nach acht Uhr aufstehen, wenn nicht gar gegen Mittag. Kleine Kinder sind häufig früher wach, Jugendliche dagegen können vielfach erst spät einschlafen und sind morgens entsprechend müde - der typische Oberschüler ist eine Eule.

"Die durchschnittliche Schlafdauer in Deutschland beträgt rund sieben Stunden", sagt Zulley, der Schlafforscher aus Regensburg. Eine Abweichung von zwei Stunden mehr oder weniger sei aber vollkommen normal. Wer deutlich von diesen Werten abweicht oder andere Schlafprobleme hat, sollte sich dagegen an einen Schlafforscher wenden.

otr/jol; ddp

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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picard95, 28.06.2009
1. Grundschule um 7:30 Uhr
Hier in Meck-Pomm fängt die Grundschule meiner Kinder um 7:30 Uhr an. Abgesehen vom Sommer vielleicht sind die meisten Kinder um diese Uhrzeit überhaupt noch nicht aufnahmefähig; von Klassenarbeiten schreiben um diese Uhrzeit ganz zu schweigen. Gruß von einer "Eule"
Gobloc 28.06.2009
2. Schulstart um 09:00 Uhr
Hallo, unsere Tochter geht in England zur Grundschule, wo um 08:45 Uhr Schulstart ist. Desweiteren startet der Tag dort nicht direkt mit Unterricht, sondern jeden morgen um 09:00 Uhr ist das sogenannte Assembly. Dort treffen sich alle Schüler und Lehrer und es folgt eine Art Begrüßung´, wo normalerweise gesungen / gebetet wird. Unser ganzer Tag startet deswegen wesentlich entspannter. Wir können zusammen frühstücken, die Tochter ist hellwach und leistungsfähig, wenn Sie in die Schule kommt. Ich kann daher nicht nachvollziehen, warum wir in Deutschland um 08:00 oder gar um 07:30 Schulstart haben. Für mich waren die ersten zwei Stunden früher immer ein Horror ... Gruß von der Insel
Fensterladen 28.06.2009
3. Ich leide schon mein ganzes Leben darunter, eine Eule zu sein.
Die einzige Periode, wo ich wirklich das Gefühl hatte, im Einklang mit meiner inneren Uhr zu leben war als Studentin in der Ferienzeit, wenn ich da um 12 Uhr mittags aufstand, dann von 14-22 Uhr acht Stunden nonstop jobbte und danach noch bis 2-3 Uhr früh gekocht und die Wohnung geputzt, ferngesehen hab und gegen 4 Uhr ins Bett bin! Leider war mein nachheriger Beruf immer ziemlich inkompatibel mit diesem Rhythmus....was dazu führt, dass ich mich dauernd tagsüber wie gerädert und sehr unkonzentriert, gereizt und nervös fühle. Vergesslich werde, weil ich seit Wochen nur 3 Stunden schlafen konnte, usw...Ich fahre ja nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber so wie ich es einschätze, wäre ich in dem Zustand als Autofahrerin auch durchaus eine Gefahr für mich und andere...möchte gar nicht dran denken, wieviel Leute jeden Morgen in diesem lethargischen Halbschlafzustand mit dem Auto ins Büro fahren.... Ich merke im Urlaub, wenn ich dann endlich wieder richtig ein- und durchschlagen kann, dass ich da in einem komplett anderen Geisteszustand bin, viel konzentrierter und lebendiger und aufmerksamer und nervlich belastbarer.
Hansschwarz 28.06.2009
4. wieviel Schlaf braucht der Mensch
das hängt ganz von seiner Wohnlage ab und zwar sehr entscheidend. WEnn man wie ich in der Nähe eines innerstädtischen Verkehrsflughafen wohnt und lebt, bleiben nur wenige Stunden für einen Schlaf vor Mitternacht und max. bis 6.00h am Morgen und das auch an Wochenenden und Feiertagen. Das ist nicht nur unerträglich sondern auch gesundheitsgefährdend. Mit einfach wegziehen eht nicht aufgrund des Werteverlustes jeglicher Immobilie Traurig aber wahr. Hans Schwarz
jamon 28.06.2009
5. verwechslung
Zitat von sysopHurra, Wochenende, endlich wieder ausschlafen. Zu wenig Schlaf ist ungesund, wissen Millionen Morgenmuffel. Aber auch eine Überdosis Schlummer kann schaden, zeigen Studien. Nach wie vielen Stunden ist man denn nun optimal ausgeruht - und warum? http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,625096,00.html
es ist in deutschland leider immer noch so, dass auschlafen mit faulheit verwechselt wird. so was dummes! wie ist das in anderen ländern?
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