13-jährige Weltumseglerin "Ich weiß, was ich tue"

Der Countdown läuft - als jüngster Mensch möchte die Holländerin Laura Dekker, 13, die Welt umrunden. Aber zunächst streiten Behörden mit ihren Eltern über das Sorgerecht. Laura will sich sputen, die Konkurrenz schläft nie: Weltweit sind mehrere junge Segler auf Rekordjagd.

dpa

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Es ist alles vorbereitet. Laura Dekker und ihre Eltern haben klar Schiff gemacht auf der kleinen Yacht "Guppy", auch die Route steht längst fest: von den Niederlanden nach Marokko, über den Atlantik, durch den Panama-Kanal in den Pazifik, nördlich an Australien vorbei und südlich an Indien. Und dann über den Suez-Kanal ins Mittelmeer und zurück zu den Häfen der stolzen Seefahrernation Holland.

Das alles will Laura Dekker ganz allein schaffen. Es wäre ein Weltrekord - und Laura, 13 Jahre alt, wäre mit ihrem zweijährigen Törn einmal um die ganze Welt die jüngste Einhandseglerin aller Zeiten. Indes hält die Schulbehörde von der Rekordjagd nichts und hat die Weltreise verboten. In dem Streit, der in den Niederlanden Schlagzeilen macht, soll nun ein Richter entscheiden, ob den Eltern Dekker das Sorgerecht entzogen wird.

Es geht vor allem um die Schulpflicht, die auch in den Niederlanden gilt. Am Montag beginnen Verhandlungen vor dem zuständigen Familiengericht in Utrecht. Kurz zuvor hat Laura in einem Fernsehinterview darauf gepocht, wie geplant am 1. September mit ihrer 8,30 Meter langen Yacht des Typs Hurley 800 aufzubrechen. "Ich weiß, was ich tue", sagte sie im Jugendjournal des öffentlich-rechtlichen Senders NOS. Die Aufregung um ihren Rekordversuch finde sie "ziemlich übertrieben". Sie habe bereits seit Jahren Erfahrungen als Seglerin gesammelt und könne die Risiken der geplanten Tour gut einschätzen. "Es wird Momente gebe, in denen es nicht sehr nett ist. Mit Sturm und so weiter. Aber ich weiß, wie ich mich dann verhalten muss", sagte Laura.

"Die hatten noch nicht einmal Kontakt mit mir"

Derweil betonte Marja van Bijsterveldt, Staatssekretärin des Bildungsministeriums, die Teenagerin müsse den Törn abblasen, weil sie sonst zu viel Unterricht versäumen würde. Dies wäre ein Verstoß gegen die Schulpflicht. Einen Antrag der Eltern, die Seglerin bis September 2011 vom Schulbesuch freizustellen, hatte das Ministerium abgelehnt. Laura will während der Weltreise mit Hilfe des Internets lernen und Hausaufgaben per E-Mail erledigen. Die rund 50.000 Euro teure Yacht ist mit einer Satellitenverbindung ausgestattet.

Laura wirft den Behörden vor, Entscheidungen über ihren Kopf hinweg zu treffen: "Die ziehen Schlussfolgerungen, ohne ein einziges Mal mit mir gesprochen zu haben. Sie hatten noch nicht einmal Kontakt mit mir." Glücklicherweise habe sie die Unterstützung ihrer Eltern, sagte die junge Seglerin aus der Gemeinde Wijk bij Duurstede unweit von Utrecht.

Der Rekord, den Laura unbedingt brechen will, hat im Juli der Kalifornier Zac Sunderland aufgestellt. Nach rund 400 Tagen auf hoher See lief er mit seiner elf Meter langen Yacht im Hafen von Marina del Rey bei Los Angeles ein - mit 17 Jahren und damit als bis dato jüngster Mensch, der allein die Welt umsegelt hat. "Das Schlimmste war die Müdigkeit", erzählte er. "Die Einsamkeit kann man überwinden, aber meist war ich 48 Stunden am Stück wach."

Harte weltweite Konkurrenz

Die Konkurrenz schläft nie. Weltweit machen sich gerade mehrere Jungsegler auf, den frisch aufgestellten Rekord von Zac Sunderland zu brechen. So droht ihm harte Konkurrenz just aus der eigenen segelbegeisterten Familie - Abby Sunderland plant ebenfalls eine Weltumsegelung. Sie ist erst 15 und wird Mitte Oktober 16. Wenn alles klappt wie geplant, will Abby vom Hafen Marina del Rey nahe Los Angeles aus im November starten. Ihr Ziel: Sie will die Reise um die Welt nonstop und ohne Hilfe schaffen.

Aber Abby Sunderland ist nicht die einzige aus der Segeljugend auf Rekordjagd. Bereits unterwegs ist der Engländer Mike Perham, einige Monate jünger als Zac Sunderland - und er hat schon eine Reihe von Problemen und Pannen hinter sich, darunter Ausfälle des Autopiloten und Reparaturen, für die er in Portugal, Gran Canaria und Kapstadt pausieren musste. Seinen 17. Geburtstag feierte er im März mitten auf dem Indischen Ozean. In wenigen Tagen, Ende August, soll er in Portsmouth ankommen.

Auch Jessica Watson, geboren im Mai 1993, will im September die Segel setzen, sofern es ihrer Familie gelingt, genug Geld für die Ausstattung ihrer zehn Meter langen Yacht aufzutreiben. Für die rund 22.000 Seemeilen plant die 16-jährige australische Schülerin nur sieben bis acht Monate ein. Ihre Route soll ausschließlich über die Südhalbkugel führen, vorbei an Kap Horn an der Spitze Feuerlands und am Kap der guten Hoffnung im Süden Afrikas. Auch in Australien gab es Ärger um den Plan: Ein Verband zur Wahrung der Familienwerte warf den Eltern vor, die Tochter bei ihren gefährlichen Ambitionen auch noch zu unterstützen.

Mit Material von dpa

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