13. Schülerzeitungswettbewerb Der Süden leuchtet


Es ist wohl so, dass Süddeutsche über ein besonderes Schülerzeitungsgen verfügen. Wie lässt es sich sonst erklären, dass Jahr um Jahr außer 2008 Bayern die "Schülerzeitung des Jahres" produzieren. Mehr noch: Fünf der zehn besten deutschen Schülerzeitungen erscheinen in Bayern, jeweils zwei in Baden-Württemberg und Sachsen und immerhin eine in Nordrhein-Westfalen. Und der Norden? Fehlanzeige. Auch im Osten gibt es noch Nachholbedarf, was sich relativ leicht erklären lässt: In der DDR waren Schülerzeitungen unbekannt; andererseits ist die Wende inzwischen schon 20 Jahre her. Aber bekanntlich ist der Fortschritt eine Schnecke, und die Finanzierungsmöglichkeiten sind in vielen Regionen dort eher schlecht.

Die Jury fand im Übrigen, dass die Schülerzeitungen immer besser werden. Viele Titel vermittelten den Eindruck, es handele sich um Heftvorlagen einer professionellen Entwicklungsredaktion. Die modernen digitalen Medien würden offenbar von der Generation Mittlere Reife intensiv genutzt. "Hinzu kommt, dass Heftinhalt und Heftgestaltung häufig in der Qualität zusammengehen", befanden die Juroren. "Auch in der Themensetzung zeigt sich ein innovatives Potential an jungen Journalisten, die Hoffnung machen, dass es auch in Zukunft heißen kann: Print wirkt."

Auffällig auch, dass die besten Blätter sich eine solide finanzielle Basis erarbeitet haben mit Anzeigen von Banken, Autohäusern, Verlagen, aber auch von der Fahrschule, dem Friseur und dem Jeansshop. Das ist fast genauso wichtig wie ein intelligentes redaktionelles Angebot, das über den Schulhof hinaus auf Interesse stößt.

Der "richtigen" Presse ist das Potential exzellent gemachter Zeitungen nicht gleichgültig. Denn Schülerzeitungen sind die Grundlage von journalistischer Kultur und Qualitätsjournalismus. Der SPIEGEL-Verlag überlegt deshalb wie er in den Entwicklungsregionen Nord und Ost dieses Potential kreativ beflügeln kann, damit die Zeitungen noch besser werden.

Und ein Sprungbrett sind sie auch. Immerhin haben etliche der Sieger aus den frühen Jahren dieses Wettbewerbs inzwischen journalistische Karrieren gemacht: Sie sind Chefredakteure, Korrespondenten, Buchautoren, Redakteure bei diversen Online- und Printmedien oder erfolgreiche Absolventen renommierter Journalistenschulen.

Wie viel Engagement die Schülerzeitungsredakteure ins Blattmachen investieren, zeigt die Zwischenbilanz nach 13 Jahren: Seit dem Schuljahr 1996/97 haben sich rund 31.000 Nachwuchsjournalisten mit 25.000 Heften und Beiträgen beworben. Und wenn man die Erfolgreicheren von ihnen befragt, was wir im vergangenen Jahr getan haben, dann kommt heraus: Sie sind kritischer geworden; viele sind überzeugt, durch das Zeitungsmachen mehr gelernt zu haben als in mancher Unterrichtsstunde; und wichtiger als die gewonnenen Preise sind die Erfahrungen, die sie in den vielen Stunden der Redaktionsarbeit gewonnen haben.

Am diesjährigen 13. SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb haben sich 686 Schülerzeitungen, auch aus der Schweiz, Österreich, Ägypten und anderen Ländern, beteiligt. Die 20 Juroren mussten sich durch insgesamt 1470 Hefte und Beiträge arbeiten, bevor sie die besten Einsendungen in den 16 Kategorien herausgefiltert hatten.

Das Redaktionsteam der besten Schülerzeitung 2008/2009, die Zeitung "Innfloh" vom Ruperti-Gymnasium in Mühldorf am Inn, reist in den Herbstferien nach Israel, wo es vom dortigen SPIEGEL-Korrespondenten betreut wird. Auf der Shortlist steht der "Innfloh" seit Jahren: fünftbeste Zeitung im vergangenen Jahr, Viertbeste 2006/2007, das war der Gesamtsieg in diesem Jahr wohl einmal fällig.

Die Besten in den 16 Einzelkategorien erhalten wie stets finanzielle Zuschüsse zu ihrer Redaktionsarbeit oder Sachpreise. Der Hermann-Gmeiner-Fonds lädt in diesem Jahr zwei Jungjournalisten in eine seiner Ausbildungsstätten in Kenia ein; sie werden über Land und Leute eine Reportage schreiben, die auf SPIEGEL ONLINE und in der Zeitschrift "SOS-Kinderdörfer weltweit" veröffentlicht wird. Mehrwöchige Praktika stellen die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, SPIEGEL TV und SPIEGEL ONLINE zur Verfügung. Attraktive Preise haben auch unsere Kooperationspartner für die Sonderthemen ausgelobt: Das Telefonbuch beispielsweise ein vierwöchiges, gut dotiertes Praktikum in einem renommierten Zeitschriftenverlag; die Jugend-Community "Respect" der Aktion Mensch einen Schreiblehrgang für zehn Redakteure; und der Verband der Deutschen Musikindustrie ein Wochenende auf und am Roten Teppich bei der Verleihung des "Echo". Die Kooperationspartner haben den Wettbewerb in diesem Jahr außerdem großzügig unterstützt.

Ab Oktober findet sich unter der Internet-Adresse www.spiegel.de/schuelerzeitungen die Ausschreibung für den 14. SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb.

Georg Mascolo
Mathias Müller von Blumencron
SPIEGEL-Chefredakteure



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