17-jähriger Maler Expressiv mit Schlapphut

Leon Löwentraut ist noch nicht volljährig, aber die Kunstszene reißt sich um seine Werke. Galeristen in Hamburg, London und Miami stellen die Bilder des Schülers aus Neuss aus.

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Selbstbewusst ist er, kommt mit federnden Schritten über die Straße. Einer, der weiß, dass er gerade viel Erfolg hat und im Blickpunkt steht. Dabei ist Leon Löwentraut, Schüler aus dem nordrhein-westfälischen Neuss, gerade erst 17 - und malt. "Expressiv-abstrakt" nennt er seine farbensatten Bilder, die manchmal ein wenig an Franz Marc, manchmal an Picasso erinnern, sein großes Idol. "Ich rede nicht gern über meine Gefühle", sagt Leon. "Aber auf der Leinwand kann ich mich ausdrücken."

Und zwar so eindrucksvoll, dass ihm im Moment die Galeristen nachlaufen. "Ich habe mich durchgesetzt - gegen andere Künstler, vor allem aber auch gegen Menschen, die gesagt haben: Das wird sowieso nichts", sagt Leon. Ein bisschen Stolz klingt da in seiner Stimme mit, über die ganzen Pressetermine, Auftritte etwa bei Stefan Raab, vor allem aber: die erste internationale Ausstellung, die seit Anfang Juli in London zu sehen ist. Von Anfang August an ist er dann bei der Ausstellung "The Young & Hungry" in Hamburg dabei.

"Meine Bilder in London zu zeigen, das ist für mich das Allergrößte", sagt der junge Neusser, "das ist für mich nicht irgendeine Stadt, sondern die Stadt, in der ich später wohnen möchte." Ausgerechnet dort von einer Galerie akzeptiert zu werden, sei "Wahnsinn, einfach Wahnsinn". Zur Vernissage erschien Leon ganz im Künstler-Look in weißer Kleidung, schwarzem Schlapphut und bunten Turnschuhen. Regelmäßig postet er Selfies und Fotos seiner Bilder auf seiner Facebook-Seite.

"Manchmal ganz schöner Stress"

Warum ausgerechnet London? Leon zögert ein wenig, sein Blick wird fest: "Weil ich davon schon mit 13 geträumt habe, auch wenn sich das jetzt skurril anhört". Ein Traum, in dem ihm die eigene Vernissage als Jugendlicher in der britischen Hauptstadt angekündigt wurde. Das klingt seltsam, "war aber so", sagt er bekräftigend. Und seitdem hält er an diesem Traum fest.

Möglich ist das nur, weil Leons Eltern ihn bei allem unterstützen. Seine Mutter ist Krankenschwester und malt ebenfalls, der Vater arbeitet als Einzelhandelskaufmann. Manchmal, sagt der 17-jährige, "wird's schon problematisch, alles unter einen Hut zu bekommen: Schule, Abiturvorbereitungen, meine andere Leidenschaft Schauspielerei, das Malen und jetzt auch noch Fahrschule und Führerschein." Da kommt, sagt Leon, "manchmal ganz schöner Stress zusammen".

Meist aber findet er es "einfach nur geil, dass ich meinen Traum leben kann": zu malen, mit den Bildern die Menschen zu erreichen und von den Einnahmen als Maler leben zu können. Mehrere tausend Euro werden für seine Werke bereits bezahlt. Ausstellungen in Miami und im arabischen Raum sind die nächsten Ziele des 17-Jährigen, der sich bei manchen Aussagen sehr viel älter anhört: "Man sollte jeden Tag leben, als wäre es sein letzter, und dankbar sein, dass man leben darf."

Den Weg zur Malerei hat Leon über seine Mutter gefunden, die schon immer mit Farben und Leinwand gearbeitet habe. "Dabei habe ich ihr zugeschaut und das als sehr beruhigend empfunden", sodass er selbst mit sieben Jahren mit dem Malen anfing. Heute, sagt er und fährt sich mit der Hand durch die blonden Haare, seien die Bilder so etwas wie sein Lebenselixier: "Kunst ist für mich eine Leidenschaft, die kann man nicht erlernen - entweder man hat sie oder man hat sie nicht."

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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
skylarkin 16.07.2015
1.
Tja, zumindest mit Farben scheint er umgehen zu können, ob er aber ein guter Künstler ist wird sich zeigen. Es ist jedenfalls dekorativ was er macht aber nicht unbedingt mein Fall. Was aber er und sein Umfeld beherschen ist die Klaviatur des Marketings(Name, Schlapphut etc.) und nur darauf kommt es leider an. Trotzdem viel Erfolg..
Spiegelleserin57 16.07.2015
2. interessant wäre mal wie er in diese Position kam...
Schülerwettbewerbe? Wer kommt trotz Talent in so eine Position? Das sollte man in einem Artikel gezeigt werden. Für ihn ganz nett der Erfolg... Wie wird man Künstler?
pauschaltourist 16.07.2015
3.
Zwar ist mir klar, dass man einen individuellen Trademark setzen muss, um an einem übersättigten Markt Aufmerksamkeit zu erzeugen und bestehen zu können, doch der Fährmann-Schlapphut sieht einfach nur lächerlich aus.
FrankDr 16.07.2015
4.
ich wollte erst was über Glück etc schreiben... natürlich gehört das dazu, aber seine Bilder haben echt was
usero 16.07.2015
5. Toll!
Ich finde das beeindruckend und wünsche Leon weiterhin viel Erfolg. Und tatsächlich gefallen mir sogar die Bilder :)
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