Massenschlägerei unter Eltern "Wenn es um Kinder geht, sinkt die Hemmschwelle"

Erst ringen zwei Grundschüler, dann 20 Erwachsene: In der Turnhalle einer Aachener Schule haben Eltern sich eine Massenschlägerei geliefert. Ein Psychologe erklärt, was dahinter steckt.


Zwei Grundschüler können sich nicht einigen, wer denn nun bei einem Ringkampf gewonnen hat. Eine Mutter mischt sich ein, schubst den Gegner ihres Sohnes. Daraufhin wird auch dessen Familie handgreiflich. Andere Mütter und Väter wollen schlichten - und auf einmal prügeln sich 20 Erwachsene. Zwei werden verletzt, eine junge Frau muss sogar vom Notarzt versorgt werden. Diese Szene hat sich in einer Turnhalle in Aachen abgespielt - und sie ist kein Einzelfall.

Vor etwa zwei Jahren musste die Polizei in Hamburg mit sechs Einsatzwagen anrücken, als Dutzende Erwachsene in einer Hamburger Sporthalle bei einem Kinderfußballturnier aufeinander einschlugen. Einige Mütter und Väter wurden sogar gegenüber den acht bis zehn Jahre alten Kindern handgreiflich. Und das nur, weil sie mit einer Entscheidung des Schiedsrichters unzufrieden waren.

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Rechtspsychologe André Körner von der TU Chemnitz überrascht das wenig. "Das ist ein typisches Schema", sagt er. "Aus einem zunächst harmlosen Anlass wird ein Konflikt unter Gruppen." Den Beteiligten sei oft gar nicht bewusst, um was es im Einzelnen gehe. Sie fühlten sich als Teil einer Gruppe und als dieser von den anderen bedroht. "Als Gruppenmitglied ist man aufgerufen, sich spontan mit dem Aggressor aus den eigenen Reihen zu solidarisieren."

In der Aachener Turnhalle teilte sich die Elternschaft in zwei Fraktionen: die einen standen hinter dem geschubsten Kind, die anderen hinter der schubsenden Mutter. Zeit zum Nachdenken, zu welcher Fraktion man gehören wolle, bleibe oft kaum, sagt Körner.

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Diese Gruppendynamik verlaufe meist ähnlich, egal, ob im Stadion, im Bierzelt oder bei einer Sportveranstaltung für Schüler. "Und wenn es dann noch um Kinder geht, sinkt die Hemmschwelle."

Der Schutz der Nachkommen sei ein sehr starker Instinkt. Dadurch würden auch Menschen in einen Faustkampf verwickelt, die sonst eher zurückhaltend und nicht gewalttätig seien.

Die einzig sinnvolle Maßnahme in solchen Fällen: die kämpfenden Gruppen trennen. Allerdings sollte man sich besser nicht selbst einmischen, sondern aus Selbstschutz die Polizei rufen, rät der Psychologe.



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