Turboabitur NRW kehrt zu G9 zurück - weitgehend

Das Turboabitur in Nordrhein-Westfalen wird flächendeckend abgeschafft - das beschloss am Mittwoch der Landtag in Düsseldorf. Trotzdem werden wohl nicht alle Gymnasien zu G9 zurückkehren.

Proteste für die Rückkehr zu G9 (Archivbild)
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Proteste für die Rückkehr zu G9 (Archivbild)


Die Politik war begeistert, die Eltern zeigten sich skeptisch: Als 2005 in Nordrhein-Westfalen die Schulzeitverkürzung am Gymnasium beschlossen wurde, versprach sich die Landesregierung davon jüngere Abiturienten und effektiveren Unterricht. Eltern dagegen befürchteten in der achtjährigen Gymnasialzeit verstärkten Lernstress - und sorgten durch politischen Dauerdruck dafür, dass der Landtag am Mittwoch die Rückkehr zu G9 beschloss.

13 Jahre lang war erbittert diskutiert werden. Jetzt folgt das bevölkerungsreichste Bundesland mit seiner Kehrtwende dem Beispiel anderer Länder wie Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Allerdings sind die G9-Bildungsgänge in den Bundesländern verschieden geregelt, von Land zu Land ist es - mal wieder - unterschiedlich.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juli 2018

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In NRW startet die Rückkehr zu G9 an den staatlichen Gymnasien im Herbst 2019 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Das sind die derzeitigen Dritt- und Viertklässler an den Grundschulen. Der erste reguläre neue G9-Jahrgang macht dann 2027 Abitur. Schüler, die derzeit ein öffentliches Gymnasium besuchen, bleiben aber im G8-Modus.

Gymnasien können wählen

Für Kritik sorgt, dass die Rückkehr zum längeren Lernen an Gymnasien nicht verpflichtend ist und es deshalb in Zukunft auch innerhalb des Landes unterschiedliche Wege zum Abitur geben wird. Denn bis Ende 2018 können sich die Gymnasien auch dafür entscheiden, bei G8 zu bleiben.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erwartet, dass weniger als zehn Prozent der Gymnasien an G8 festhalten. In NRW gibt es insgesamt 511 öffentliche Gymnasien mit etwa 433.000 Schülern. Hinzu kommen 114 Gymnasien in freier Trägerschaft, etwa der Kirchen. Diese Schulen können frei entscheiden, ob sie G8 oder G9 wollen.

Billig wird die Rückkehr zum längeren Lernen für das Land nicht. Allein die Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium werden bis 2026 auf 518 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen etwa 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten für rund 2300 zusätzliche Lehrer.

him/dpa



insgesamt 47 Beiträge
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hileute 11.07.2018
1. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen,
das es an G8 eigentlich nichts auszusetzen gibt, das sind eher die Eltern die bei dem Thema in Panik verfallen. Auch bei fast allen meiner Schulkameraden hatte ich nicht das Gefühl das das in irgendeiner Weise geschadet hätte
acculeer 11.07.2018
2. zurück zum Schneckenabitur
ob sich dadurch das Bildungsniveau erhöht, wage ich zu bezweifeln. NRW bildet hinsichtlich Pisa bundesweit ein Schlusslicht. Das war auch schon zu G9 Zeiten so. Seinerzeit lebte ich in NRW und mein Sohn bastelte dort sein Abi. Ich sag es ungern, aber mit dem Wissen, mit dem er dort sein Vollabi bastelte, hätte er in der DDR (da komme ich eigentlich her) mit ach und Krach die Abschlussprüfung der 10. Klasse POS geschafft, für das dortige ABI (gab es wie überall in Europa nach 12 Schuljahren) hätte es definitiv nicht gereicht. G8 ist kein turbo- Abi. Das Hauptproblem sind verweichlichte Anforderungen (Neigungsfächer, z.B entweder Physik oder Biologie zum Abi wählen, richtig wäre sowohl als auch) und fehlender Leistungsdruck. Wenn Hänschen als Kind mit Leistungsdruck nicht umgehen kann, lernt es Hans nimmermehr. Folge: Burnout beim Studium oder spätestens im Berufsleben. Es wird höchste Zeit, dass die Bildungspolitik in Bundeshände gelegt wird und einheitliche Anforderungen gelten.
heswer 11.07.2018
3. Habe 1946 das Abi nach sechseinhalb Jahren Gymnasium gemacht.
Das war nur möglich, wegen des Krieges. Bin beruflich sehr erfolgreich gewesen. Jedes Jahr mehr wäre sinnlos, da man ja doch alles vergisst.
Phil2302 11.07.2018
4. Lehrermangel
Bin mal gespannt was die Politiker sich ausgedacht, wie der Lehrermangel, der jetzt schon herrscht, in ein paar Jahren abgefangen werden soll, wenn plötzlich ein Jahrgang mehr zu unterrichten ist. Man darf gespannt sein, aktuell scheint noch keine Idee dazu zu existieren. Es grüßt, ein Mangelfachlehrer.
horst1109 11.07.2018
5. Man sollte stets sachlich kommentieren
Zitat von acculeerob sich dadurch das Bildungsniveau erhöht, wage ich zu bezweifeln. NRW bildet hinsichtlich Pisa bundesweit ein Schlusslicht. Das war auch schon zu G9 Zeiten so. Seinerzeit lebte ich in NRW und mein Sohn bastelte dort sein Abi. Ich sag es ungern, aber mit dem Wissen, mit dem er dort sein Vollabi bastelte, hätte er in der DDR (da komme ich eigentlich her) mit ach und Krach die Abschlussprüfung der 10. Klasse POS geschafft, für das dortige ABI (gab es wie überall in Europa nach 12 Schuljahren) hätte es definitiv nicht gereicht. G8 ist kein turbo- Abi. Das Hauptproblem sind verweichlichte Anforderungen (Neigungsfächer, z.B entweder Physik oder Biologie zum Abi wählen, richtig wäre sowohl als auch) und fehlender Leistungsdruck. Wenn Hänschen als Kind mit Leistungsdruck nicht umgehen kann, lernt es Hans nimmermehr. Folge: Burnout beim Studium oder spätestens im Berufsleben. Es wird höchste Zeit, dass die Bildungspolitik in Bundeshände gelegt wird und einheitliche Anforderungen gelten.
Ihren Ausführungen kann ich nicht folgen, denn es gibt sicherlich Unterschiede bei der Bewertung von Leistungen, in der Schule, an der Universität und auch am Arbeitsplatz. Dass die Leistungen in Bayern, BW oder in Sachsen anders bewertet werden, lässt sich gegebenenfalls statistisch belegen, einen Hinweis auf die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität gibt es nicht.Zudem sind die Abiturnoten in NWR im Schnitt nicht besser als in vielen anderen Ländern. Was im Unterricht vermittelt wird, ist hingegen von der Lehrkraft abhängig. Dass ein Abiturient aus NRW das 10. Schuljahr der DDR nicht geschafft hätte, scheint ein guter Witz zu sein, der in manchen Bundesländern weiter erzählt wird. Schauen Sie sich doch die Lehrpläne und die Schulbücher der Gymnasien an, wenn Sie ein wenig fachlichen Hintergrund haben, dann wird Ihnen auffallen, dass die im G8 vermittelten Inhalte mit denen von vor 20 Jahren vergleichbar sind. Einzig die Umsetzung des Faches Mathematik, mit der Nutzung des grafikfähigen Taschenrechners, ist nicht so glücklich. Es kommt aber auch hier auf die Gestaltung des Unterrichts an.
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