Abitur-Panne in Hessen Vertrackter Fehler in der Integralfunktion

Hier ein Vorzeichen falsch, da eine irritierende Formulierung: Die Matheaufgaben des hessischen Zentralabiturs waren fehlerhaft - und schwer, wenn nicht gar unmöglich zu lösen. Kurz vor Prüfungsbeginn entdeckten Lehrer den Fauxpas. Zu spät, um alle Schulen zu informieren.


Wiesbaden/Kassel - Laut Kultusministerium waren rund 15.000 Schüler betroffen: Ein versehentlich eingebauter Fehler hat den Mathe-Prüflingen des hessischen Zentralabiturs extreme Probleme bereitet. Das Ministerium bestätigte am Freitagabend Informationen des Senders hr-info und der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" ("HNA"), dass in den Klausuren für Leistungskurse und Grundkurse jeweils Fehler steckten. Sie hätten den Schülern die Lösung der Aufgaben erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht.

Vertrackte Mathematik: Fehler im hessischen Zentralabitur
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Vertrackte Mathematik: Fehler im hessischen Zentralabitur

In den Leistungskursaufgaben hatten irritierende Formulierungen einen alternativen Lösungsweg ermöglicht, sagte eine Ministeriumssprecherin. Bei der Grundkursarbeit war möglicherweise ein Vorzeichen falsch. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) erklärte, dass keinem Schüler Nachteile entstünden. Bei der Leistungskursarbeit werde auch die alternativ mögliche Lösung anerkannt.

"Die Lesephase hatte bei uns angefangen, als die Sekretärin mit einem Fax aus Wiesbaden hereinkam", zitiert die "HNA" einen Lehrer aus Osthessen. Fünf Minuten später sei die Sekretärin erneut gekommen, "mit der Korrektur der Korrektur".

Ebenfalls in der "HNA" kam ein Schüler der Edertalschule in Frankenberg zu Wort. "Die Hektik war kurzzeitig groß", erzählte der Prüfling. "Wir haben viel zu spät gesagt bekommen, dass in der Integralfunktion ein Fehler drin ist." Um alle hundert Schüler zu erreichen, habe der Lehrer ein Plakat mit der Korrektur hochgehalten.

"Solche Turbulenzen sind nicht akzeptabel"

Die Landesschülersprecherin Katharina Horn forderte die Abschaffung des Zentralabiturs und eine Möglichkeit zur Wiederholung der Prüfung. An manchen Schulen hätten die Abiturienten erst 20 Minuten vor der Abgabe von dem Fehler erfahren. Andere hätten viel Zeit darauf verwendet, die unlösbaren Aufgaben zu bewältigen.

Verwundert zeigte sich Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirates: "Man muss davon ausgehen können, dass von Fachkräften erstellte Aufgaben auch fehlerfrei sind. Es ist nicht akzeptabel, dass Schüler in Prüfungssituationen mit solchen Turbulenzen konfrontiert werden", sagte sie.

Laut Ministerium wurde der Fehler am Morgen von Fachlehrern entdeckt, die die bis dahin geheimen Aufgaben durchgesehen hatten. Dennoch konnten nicht alle Schulen rechtzeitig informiert werden. In vielen Schulen hätten chaotische Verhältnisse geherrscht.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Prüfungspannen in mehreren Bundesländern für Aufregung gesorgt. So erhielten in Nordrhein-Westfalen Abiturienten, die am "Oktaeder des Grauens" scheiterten, eine zweite Prüfungschance. In Berlin mussten 28.000 Zehntklässler einen Mathe-Test noch einmal schreiben, weil einige die Aufgaben schon vorher kannten. Und in Baden-Württemberg sagte das Kultusministerium einen zentralen Vergleichstest für 34.000 Achtklässler ab - weil ein Lehrer die Aufgabe Schülern verraten hatte.

fsc/dpa



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