Einser-Schülerin fällt durch Abschlussprüfungen "Wie kann ich null Punkte haben?"

Sie war eine Einser-Schülerin - und dann das: Die Ägypterin Mariam Malak fällt durch alle Abschlussprüfungen. Ihre Familie vermutet Manipulation. Nun kämpft die 19-Jährige gegen die Korruption in ihrem Land - mit prominenter Unterstützung.

Ägyptische Schülerin Mariam Malak: "Ich kämpfe gegen Korruption"
AFP

Ägyptische Schülerin Mariam Malak: "Ich kämpfe gegen Korruption"


Für Mariam Malak geht es längst nicht mehr nur um Schulnoten. Die 19-jährige Ägypterin ist in ihrem Land zu einer jungen Ikone geworden im Kampf gegen die Korruption.

Es fing an mit einer riesigen Enttäuschung: In allen sieben Abschlussprüfungen bekam Mariam Malak in diesem Jahr das denkbar schlechteste Ergebnis: null Punkte. Dabei hatte sie in den zwei Jahren zuvor stets Spitzennoten geschrieben, wie mehrere internationale Medien berichteten.

"Ich war total schockiert", sagte die Schülerin der britischen "BBC". "Ich dachte, wie kann das passieren? Wie kann ich null Punkte haben?" Ihre Familie glaubt, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

"Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Prüfungsantworten sah, die ich angeblich gegeben haben soll", sagte die Schülerin der Nachrichtenagentur AFP. Sie habe so viele Seiten vollgeschrieben und ihre vermeintlichen Antworten hätten nur aus einigen Zeilen bestanden.

Die Familie vermutet, dass Mariams Prüfungen mit denen eines schlechteren Schülers vertauscht worden seien, der einflussreiche Eltern habe - und beschwerte sich bei der zuständigen Schulbehörde. Doch erfolglos: Die Beamten machten zwar einen ersten Handschriftenvergleich - stellten aber angeblich keine Auffälligkeiten fest.

Ägyptischer Premier stellt sich auf Mariams Seite

Mariam Malak, die zur christlichen Minderheit in Ägypten gehört und aus einem Dorf in der zentralägyptischen Provinz Minya kommt, gibt jedoch nicht auf: Die sanfte junge Frau hatte einen tränenreichen Auftritt im ägyptischen Fernsehen, nationale Zeitungen berichteten über den Fall und eine Unterstützerseite auf Facebook hat inzwischen fast 40.000 Likes.

"Ich weiß, dass ich gegen Korruption kämpfe", sagte Malak. Ihre gefälschten Prüfungsergebnisse seien ein Zeichen dafür, dass Korruption existiere. Nun hat sich auch der ägyptische Premierminister Ibrahim Mahlab auf ihre Seite gestellt: Er wolle die Schülerin unterstützen, als ob sie seine eigene Tochter wäre, sagte er laut der Zeitung "The Guardian".

Ein Expertenteam in der Hauptstadt Kairo soll die Handschriften jetzt noch einmal untersuchen. Das ägyptische Bildungssystem hat keinen guten Ruf. Umfassende Reformen seien an staatlichen Schulen dringend erforderlich, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite. "Korruption, Vetternwirtschaft und eine miserable Bildungssituation" machten es jungen Ägyptern schwer, einen anständig bezahlten Job zu finden, heißt es in einem Aufsatz der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Mariam Malak würde gern Ärztin werden. Und sie hat in den vergangenen Wochen so viel prominente Unterstützung gewonnen, dass sie diesen Traum wohl noch lange nicht beerdigen muss.

lov

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