Telefonat mit ISS-Astronaut Gerst "Im All gibt's keine Dusche"

Die Leitung war 400 Kilometer lang: Durch eine selbst gebaute Funkverbindung sprachen Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst auf der ISS. Jetzt wissen sie, er hat Heimweh.

Schüler Christoph (l.) in Neustrelitz: "Haben Sie einen Talisman?"
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Schüler Christoph (l.) in Neustrelitz: "Haben Sie einen Talisman?"


Alexander Gerst hat eine lange Leitung. Minutenlang versuchen die Schüler in Neustrelitz, Funkkontakt zur Internationalen Raumstation ISS herzustellen - doch außer Rauschen und Knacken kommt nichts zurück. Bange Blicke werden ausgetauscht, ein nervöses Tuscheln fällt in die Stille. Dann, endlich, antwortet der Astronaut: Die lange Leitung von Neustrelitz ins All, sie funktioniert.

Während Gerst im Orbit mit 28.000 Kilometern pro Stunde seine Runden dreht, sitzen rund 400 Kilometer unter ihm 20 Schüler in einem Labor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Angespannt schauen sie auf ihr Mikrofon. Wochenlang haben sich die 11 bis 15 Jahre alten Jugendlichen auf den Kontakt vorbereitet, in Workshops haben sie gelernt, wie die benötigte Technik funktioniert. Unter Anleitung haben sie sogar ihre eigene Richtantenne gebastelt, die jetzt auf ein Grad genau der Flugbahn der Raumstation folgt. Nun ist der große Moment gekommen.

"Haben Sie Heimweh? Over", fragt Saskia. "Klar", rauscht es zurück. "Aber ich kann jeden Tag telefonieren und ein Mal pro Woche haben wir eine Videokonferenz nach Hause." Im Stakkato geht es nun weiter - nur wenige Minuten funktioniert der Funkkontakt, das war allen von vornherein klar. Gerst ist schließlich rasend schnell unterwegs und hat viel zu tun: In den 166 Tagen seiner Mission im All nimmt er an 100 Experimenten teil.

"Es war toll, ihn zu hören!"

"Wie duscht man auf der ISS?", fragt Paul. "Gar nicht", lautet die Antwort. "Im All habe ich keine Dusche. Wir haben hier nur mit Wasser vollgesaugte Handtücher." Christoph fragt: "Haben Sie einen Talisman?" "Ich habe sogar mehrere mitgenommen!", ruft Gerst. Nur was genau, das geht im Rauschen unter. (Wer solche und andere offenen Fragen an Gerst hat, kann sie ihm stellen - über eine exklusive Aktion von SPIEGEL ONLINE per E-Mail an sponbluedot@spiegel.de, bei Facebook oder über Twitter mit dem Hashtag #SPONbluedot.)

Dass das Gespräch der Schüler mit Gerst überhaupt klappt, war nicht selbstverständlich. Denn der Kontakt läuft ausschließlich über den Amateurfunk. Hobby-Funker aus der Region haben das Projekt unterstützt und ihre Empfänger mitgebracht. Enttäuscht sind die Jugendlichen keineswegs. "Es war toll ihn zu hören, auch wenn ich nicht alles verstanden habe", sagt Christoph hinterher.

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Alexander Gerst: Leben auf der ISS
Die Mecklenburger und Vorpommern profitieren bei ihrem Projekt von der Lage mitten im flachen Land: Keine Berge und kaum hohe Gebäude stören die Funker in Neustrelitz. Bereits seit 100 Jahren wird daher an diesem Standort diese Technik erforscht. Bloß sehen kann die Gruppe den Raumfahrer nur auf einem alten Foto. Für eine Videoverbindung sei die Amateurtechnik noch nicht ausgereift genug, erklärt Albrecht Weidermann, der Leiter des DLR-Schülerlabors.

Auf einem Monitor sehen die Schüler stattdessen die Flugbahn der ISS: Vor einer halben Stunde war sie noch über dem Pazifik. Schnell, viel zu schnell, bewegt sich der Punkt schon wieder von Europa weg.

Eine letzte Frage noch: "Träumt man im All anders?" Gerst: "Ich kann euch nicht mehr hören, aber ich wünsche euch alles G..." Dann wieder Rauschen, Knacken. Nach neun Minuten ist die lange Leitung ins All gekappt.

Christopher Weckwerth/dpa/mxw



insgesamt 3 Beiträge
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dk5ras 05.07.2014
1. Die Technik der Funkamateure...
...ist sehr wohl auch zu Bildübertragungen in der Lage. Es gibt in Sachen drahtloser Funkkommunikation kaum etwas, was wir nicht im Angebot haben. Datenübertragung, Bildübertragung, einen stetig wachsenden funkgebundenen IP-backbone, die drei größten Digitalfunknetze der Welt lange vor unsere Behörden überhaupt komplett umgestellt haben, die Liste ließe sich endlos vorsetzen. Da ist Sprech-und Morsefunk, was so die allgemeine Meinung von diesem Hobby (welches irgendwie doch eine Berufung ist) darstellt, nur ein winzig kleiner Teil. Ralph, dk5ras, Funkamateur.
panzertom 05.07.2014
2. Blöde Frage!
Hoffentlich stellen die Leser am 07. Juli klügere Fragen als die nach den "26 Millionen PS einer Rakete beim Start"! Jeder Pennäler lernt doch in der Physik-Stunde, dass es unmöglich ist, den Schub einer Rakete in die Pferdestärken einer rotierenden Motor-Kurbelwelle umzurechnen. Deswegen ist eine solche Umrechnung in keiner Formelsammlung und in keinem Physikbuch der Welt enthalten. Eine klügere Frage: Wenn man neben der Raumstation im All schwebt und eine Pistole abfeuert - ist davon tatsächlich nichts zu hören? Theoretisch müsste das so sein, weil das Schall übertragende Medium Luft fehlt.
ulibe99 05.07.2014
3. Wieso rauscht es bei denen ständig ?
Merkwürdig, dauernd die angeblich schlechte Verbindung zu betonen. Ich habe im Auto nördlich von Köln gesessen, und Alexander Gerst in meinem kleinen Funkgerät klar und deutlich gehört, solange die Station in Sichtweite über dem Horizont war und nicht von der Erde verdeckt wurde. Mit einer Antenne, die der Raumstation in Bezug auf Ausrichtung folgt, ist das Funksignal völlig störungsfrei. Im Herbst wird eine Schule in Siegburg Kontakt aufnehmen wollen, und von Kollegen des Funkhobbys dabei unterstützt. Die Schüler werden entsprechend mit Hintergrundwissen versorgt. Da rauscht nix ;-)
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