Umfrage unter Jugendlichen Komasaufen wird uncool

Jugendliche können sich immer weniger für Alkoholexzesse begeistern, zeigt eine große Studie. Und auch beim regelmäßigen Konsum von Bier, Schnaps und Co. halten sie sich zurück.

DPA


Jugendliche trinken nach einer neuen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weniger Alkohol als früher. So greift durchschnittlich jeder zehnte Befragte zwischen 12 und 17 Jahren einmal in der Woche zu alkoholischen Getränken, wie die Bundesbehörde am Donnerstag mitteilte. Im Jahr 2004 waren es noch mehr als doppelt so viele (21,2 Prozent).

Für die Studie wurden von März bis Juni 2016 bundesweit rund 7000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Auch bei den Älteren sei der regelmäßige Alkoholkonsum rückläufig, heißt es in der Studie. Knapp ein Drittel (30,7 Prozent) trinkt hier regelmäßig, 2004 war es fast die Hälfte (43,6 Prozent).

Mehr als ein Drittel der befragten 12- bis 17-Jährigen (36,5 Prozent) gibt in der jüngsten Umfrage an, noch nie Bier, Wein oder Schnaps probiert zu haben. Das ist der höchste Anteil von Abstinenzlern seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001.

Erster Alkohol mit 15

Fast jeder siebte interviewte Teenager (13,5 Prozent) gab allerdings zu, sich im Monat vor der Umfrage einmal in einen Rausch getrunken zu haben. Gut drei Prozent von ihnen konsumierten dabei Mengen, die bereits für Erwachsene als riskant gelten. 2004 hatte jedoch noch fast ein Viertel (22,6 Prozent) der jungen Leute Erfahrungen mit sogenanntem Komasaufen - und jeder Zehnte langte dabei über alle Maßen zu.

"In Deutschland trinken immer weniger Jugendliche regelmäßig Alkohol, das ist eine gute Nachricht", sagt Marlene Mortler (CSU), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Auch das Alter, in dem Jugendliche das erste Mal zur Flasche griffen, habe sich auf rund 15 Jahre erhöht. Das ist rund ein Dreivierteljahr später als 2004. Ihren ersten Alkoholrausch und die Folgen erleben junge Leute heute durchschnittlich mit 16 Jahren. 2004 waren sie 15.

Mortler sieht den positiven Trend auch als Ergebnis guter Aufklärungsarbeit. So kennen mehr als zwei Drittel der Teenager zum Beispiel die Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit", die Wissen ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln will. Die Kampagne wird mit Plakatmotiven im Comicstil fortgesetzt. Ein Spruch lautet: "Das letzte Bier war schlecht. Sagt mein Kater."

mamk/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
bamesjond0070 18.05.2017
1. Guter Trend
aber dafür kiffen jetzt alle. Ist mir persönlich aber sowieso lieber.
danreinhardt 18.05.2017
2. Vernetzung
Kontroverse These: Die positiven Effekte eines gemeinsamen Rauscherlebnis, die eine Clique stärker zusammenwachsen lässt, entfallen zunehmend. Die Menschen treffen sich virtuell, Skypen und sind dauernd über WhatsApp vernetzt. Das persönliche Treffen entfällt. Die virtuellen Netzwerke in Berlin sind voll mit Hilferufen vereinsamter junger Menschen. Bedingt dies einander?
touri 18.05.2017
3.
Zitat von bamesjond0070aber dafür kiffen jetzt alle. Ist mir persönlich aber sowieso lieber.
Haben sie früher auch schon... aber stimmt, gesünder ist es schon, auch für die Umwelt. Habe zumindest noch keinen aggresiven Kiffer erlebt. Bei Betrunkenen sieht die Sache da leider anders aus.
keery 18.05.2017
4.
Zitat von bamesjond0070aber dafür kiffen jetzt alle. Ist mir persönlich aber sowieso lieber.
Mir nicht, solange es nicht im gleichen Maße Qualitätskontrollen und kritische Aufklärung gibt wie bei Alkohol, Tabak und (rezeptfreien) Medikamenten. Selbst bei Johanniskraut wird in einem ellenlangen Beipackzettel vor Nebenwirkungen gewarnt und auf Konzentrationsschwankungen bei den Wirkstoffen hingewiesen. Nur Cannabis ist scheinbar völlig risikofrei und harmlos, obwohl es ebenso psychoaktive Substanzen enthält und als illegale Droge keinerlei Inhalts-, Konzentrations oder Qualitätskontrollen unterliegt. Die Sorglosigkeit bezüglich ernsthafter und durchaus möglicher und vorkommender Nebenwirkung bzw. Kurz- und Langzeitfolgen, aufgrund der Hauptwirkstoffe oder unbekannter Beimengungen, ist befremdlich. (Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Konsum, ich bin nur gegen eine Verharmlosung und den allzu sorglosen Umgang, gerade bei jungen Menschen, deren Gehirne noch nicht fertig ausgebildet sind und wo derartige Subtanzen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung nehmen können. Kontrollierte Legalisierung mit gleichzeitiger Aufklärung wäre den manchmal ziemlich gefährlichen Wildmischungen, insbesondere wenn es billig an (finanziell) "minder-bemittelte" Jugendliche verkauft werden soll, vorzuziehen.)
Rechtschreibprüfer_der 18.05.2017
5.
Zitat von danreinhardtKontroverse These: Die positiven Effekte eines gemeinsamen Rauscherlebnis, die eine Clique stärker zusammenwachsen lässt, entfallen zunehmend. Die Menschen treffen sich virtuell, Skypen und sind dauernd über WhatsApp vernetzt. Das persönliche Treffen entfällt. Die virtuellen Netzwerke in Berlin sind voll mit Hilferufen vereinsamter junger Menschen. Bedingt dies einander?
Alkohol tröstet über die Einsamkeit hinweg ;-)
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