Infografik der Woche Wo die Enkel ihren Großeltern vorlesen

Wer nicht Lesen und Schreiben kann, ist von vielen Teilen des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen. Zwar nimmt die Zahl der Analphabeten weltweit ab - doch die globalen Unterschiede sind weiterhin beträchtlich.


SPIEGEL ONLINE

Rund 758 Millionen Erwachsene weltweit sind Analphabeten. Und dennoch gibt es anlässlich des 50. Welttags der Alphabetisierung am 8. September positive Nachrichten: Nur auf wenigen Gebieten der globalen Entwicklung sind so deutliche Erfolge zu verzeichnen wie beim Lesen und Schreiben.

"Die Weltbevölkerung ist stark angewachsen, aber die Zahl junger Erwachsener, die nicht lesen und schreiben kann, ist zwischen 1990 und 2015 um 25 Prozent gesunken", verkündet Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova.

Besonders deutlich zeigt sich der Fortschritt in der Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE, welche die Alphabetisierungsquote von Jugendlichen und Senioren gegenüberstellt. In der Generation der über 65-Jährigen ist selbst in einigen EU-Staaten, beispielsweise in Spanien oder Griechenland, noch ein nicht unerheblicher Anteil an Analphabeten zu finden. Unter den Jugendlichen hingegen ist das Problem so gut wie vollständig überwunden.

Eine ganze Reihe an Ländern hat innerhalb von zwei Generationen sogar noch deutlich größere Entwicklungsfortschritte vollzogen. Saudi-Arabien und Algerien etwa weisen heute unter Jugendlichen eine Alphabetisierungsrate von nahezu einhundert Prozent auf, während dort in etwa nur jede zweite (Saudi-Arabien) bis vierte (Algerien) Person über 65 des Lesens und Schreibens mächtig ist.

Bemerkenswert ist zudem, dass selbst in politisch instabilen Ländern wie Äthiopien oder Afghanistan die Alphabetisierungsrate der jüngeren Generation deutlich über derjenigen der Senioren liegt. Betrachtet man den globalen Durchschnitt so können laut aktuellen Unesco-Daten 90,6 Prozent der Jugendlichen und 77,3 Prozent der Senioren weltweit Lesen und Schreiben. Der Anteil der Frauen unter den Analphabeten beträgt übrigens grob Dreiviertel und offenbart so eine weiterhin bestehende Herausforderung im Kampf gegen den Analphabetismus: den Zugang zu Schule und Bildung unabhängig vom Geschlecht.

Auch in Deutschland ist das Problem des Analphabetismus nicht gänzlich verschwunden, hat allerdings eine andere Form angenommen. Zwar ist die Bevölkerung nominell komplett alphabetisiert, doch auch hierzulande gibt es weiterhin Menschen, die nur rudimentär Lesen und Schreiben können.

Laut Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung leben in Deutschland immerhin 7,5 Millionen Erwachsene, die sogenannte funktionale Analphabeten sind. Aufgrund ihrer begrenzten schriftsprachlichen Kompetenz seien sie nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben, so der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

loe/pst

Mehr zum Thema


insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StefanieTolop 08.09.2016
1. Veränderungen
Es ist toll, dass in Deutschland nahezu jeder Mensch auch lesen und schreiben kann. Allerdings dürfte die Analphabetenquote mit >99% jetzt überholt sein. Allein durch die Zuwanderung von ca. 2 Mio Menschen 2015 von denen über 60% Analphabeten sind, haben wir jetzt eine Quote von deutlich unter 99%.
chichawa 08.09.2016
2. Wundert mich nicht,
dass es auch in Deutschland noch Verweigerer gibt, aber alleine die Wortschöpfung "funktionale Analphabeten" macht mir klar, warum Viele einfach nicht lesen und schreiben wollen.
forumgehts? 08.09.2016
3. Wir
können zwar lesen und schreiben, aber wissen wir auch immer, was diese Worte bedeuten?
AB@DD 08.09.2016
4. Seitenhieb? War ja zu erwarten.
Zitat von StefanieTolopEs ist toll, dass in Deutschland nahezu jeder Mensch auch lesen und schreiben kann. Allerdings dürfte die Analphabetenquote mit >99% jetzt überholt sein. Allein durch die Zuwanderung von ca. 2 Mio Menschen 2015 von denen über 60% Analphabeten sind, haben wir jetzt eine Quote von deutlich unter 99%.
Mal abgesehen von Ihrer sehr übertriebenen Zuwanderungszahl (wo auch immer Sie die >2Mio hernehmen) und massiv untertriebener Alphabetisierungsrate (wenn weltweit immerhin 77% der Ü65er alphabetisiert sind sollte man in diesem Fall schon etwas mehr annehmen) scheinen Sie auch Probleme mit der Mathematik zu haben. Denn die 2Mio sind weniger als 1/40 der 82Mio Deutschen. Somit "drückt" ist die von Ihnen angenommene 40% niedrigere Alphabetisierungsrate das Gesamtergebnis um nicht einmal 1%. Wenn die mehr als 98% im Ergebnis schon "deutlich unter 99%" sind, frage ich mich wie Sie üblicherweise Vergleiche anstellen. Aber Hauptsache bei jeder Gelegenheit ein Bisschen gegen Zuwanderung hetzen... Zum Kopfschütteln!
d.meinung 09.09.2016
5. optimistisch
Habe einige Jahre in Südspanien gelebt, und die 99% Alphabeten unter jüngeren Jahrgängen erscheinen mir sehr optimistisch. Nach eigener Erfahrung ist die Zahl derer, die nicht einmal ihre eigene Adresse schreiben können erschreckend hoch, von allem in ruralen Gebieten Andalusiens.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.