Anklage in Hamburg Lehrer soll 14-Jährige missbraucht haben

Wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs einer Schülerin ist ein Lehrer von der Hamburger Staatsanwaltschaft angeklagt worden. Bei mehreren Treffen soll es zwischen dem Mädchen und dem 46-Jährigen zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Der Oberstudienrat sitzt nun in U-Haft.


Ein Hamburger Lehrer soll sich in mehreren Fällen an einer damals 14-jährigen Schülerin sexuell vergangen haben. Insgesamt werden dem Mathematiklehrer eines Hamburger Gymnasiums im Zeitraum von Januar bis November 2011 zwölf Fälle vorgeworfen. Es gebe aber keinerlei Anhaltspunkte für ein gewaltsames Vorgehen des Beschuldigten, die Treffen hätten wohl im beiderseitigen Einvernehmen stattgefunden, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Die Schülerin ist heute 15 Jahre alt.

Bei neun der zwölf Taten handele es sich um den Missbrauch einer Schutzbefohlenen, da der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt der Lehrer der 15-Jährigen war. In drei Fällen soll der Tatbestand des Missbrauchs einer Jugendlichen gelten, da der 46-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits von seinem Posten suspendiert war. Auch nach Beginn des Ermittlungsverfahrens soll sich der Lehrer weiterhin mit dem Mädchen getroffen haben.

Seit Ende November vergangenen Jahres sitzt der Beschuldigte in Untersuchungshaft. Der Beginn der Gerichtsverhandlung vor dem Hamburger Landgericht wird Anfang April erwartet. Dem Oberstudienrat drohen drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Umstrittenes Urteil

Für Aufsehen sorgte vor kurzem der Fall eines Lehrers, der mit seiner damals 14-jährigen Schülerin sexuellen Verkehr hatte. Offenbar hatte der 32-jährige Pädagoge sich im Jahr 2006 über Monate gezielt an das Mädchen herangemacht. Das Oberlandesgericht Koblenz sprach den Pädagogen dennoch vom Verdacht des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener frei, weil kein "Obhutsverhältnis" vorlag. Damit hoben sie eine Verurteilung des Mannes zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung wieder auf.

In der Begründung führte das Koblenzer Oberlandesgericht aus, grundsätzlich sei ein sexuelles Verhältnis zwischen einer 14-Jährigen und einem Erwachsenen nicht strafbar. Laut dem Strafgesetzbuch liegt sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen erst dann vor, wenn eine Minderjährige dem Täter "zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut ist".

jon/dapd

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
StierNRW 24.01.2012
1. Hmmm......
Tja, da weiß man nicht, was man sagen soll, wenn man so etwas liest. Ich frage mich, wie hoch wohl die Anzahl der nicht endeckten Fälle geht. Eine Dunkelziffer gibt es doch bei jeder Art von Vergehen. Gibt es da seriöse Schätzungen von Kriminologen bzw. Soziologen ?
anders_denker 24.01.2012
2. sind wir einfach weltfremd?
Zitat von sysopWegen mutmaßlichem sexuellen Missbrauchs einer Schülerin ist ein Lehrer von der Hamburger Staatsanwaltschaft angeklagt worden. Bei mehreren Treffen soll es zwischen dem Mädchen und dem 46-Jährigen zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Der Oberstudienrat sitzt nun in U-Haft. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,810951,00.html
Hier treffen am ende mal,wieder Gefühl und Gesetz aufeinander. Tatsache ist - so etwas abwiegenist schwer. Trotzdem tue ich mir zunehmend schwer damit, das derartige Dinge verteidigt werden wie eine Mittelalterliche Festung. Evtl. sollte man mal dahingehend ansetzen, das unsere Gesellschagt an sich, und damit auch Jugendliche "aufgeklärter" sind. Komisch, das wir ihnen in Gefühlsangelegenheiten gerne die Reife absprechen, aber ihnen unkritisch Smartphones, Computer und andere Lifestyle-Produkte für locker mal 4-stellige Beträge anvertrauen. Sowas zu benutzen, da sind sie reif genug? Eigentlich ist unsere "Erwachsenenwelt" doch nur ein extrem heuchlerisches Vorbild, das nicht einzelfälle analysiert, das tatsachen, aber keine emotionen als Grundlagen akzeptiert. Schlimm, das mir immer meinen, Menschen unter 18 absprechen zu dürfen, das sie vollwertige Menschen sind.
Koda 24.01.2012
3. Eine 14jährige ist keine erwachsene Sekretärin
und auch mancher Chef nutzt das Arbeitsverhätlnis zur von ihm abhänigen Sekretärin aus => "Sex oder wieder mal arbeitslos?" Wenn Sie als -wie Sie sagen- Aushilfelehrer nicht den Unterschied zwischen einem unreifen Teenager und einer reifen erfahrenen Frau begreifen können, sollte man mal die Ihnen anvertrauten Schülerinnen fragen, wie viele Sie von denen angebaggert und begrapscht haben. Auch im Internet und besonders in Foren ist man nur bedingt anonym.
Blaue Fee 24.01.2012
4. Hm...
Bei den oben genannten Posts hat man das Gefüh, dass Männer wohl tatsächlich glauben, dass man mit 14 schon ein vollwertiger Mensch ist und man zu rein logischem Handeln fähig ist. Nein, es ist nicht normal schon mit 13 Sex zu haben und erst recht nicht mit einem "alten Knacker". Viele Mädchen denken in dem Alter noch nicht an schnöden Geschlechtsverkehr sondern eher an die romantische Liebe aus den Märchen - die kommen da erst richtig in die Pubertät. Ein Erwachsener kann sie da leicht manipulieren, da er antizipiert auf die kitschigen Bedürfnisse eingehen kann.
Hamberliner 24.01.2012
5. tragisches Ende
Das nicht zu tun war in der Tat leichtsinnig, und auch an den generellen Vorsichtsmaßnahmen hat es wohl gehapert. Da hat die Liebe beide blind gemacht. Gegenbeispiel: mein damaliger Lateinlehrer hat unmittelbar nach deren Abitur eine seiner ehemaligen Schülerinnen geheiratet. Handys und SMS, leicht zu belauschen, gab es damals noch nicht. Wenn ich wüsste, welcher Anwalt ihn verteidigt, würde ich spenden. Für eine Eingabe an den Petitionsausschuss des Bundestags ist - fürchte ich - die Zeit noch nicht reif.
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