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04. Februar 2008, 19:59 Uhr

Anti-Gewalt-Training für Lehrer

Was tun, wenn's knallt?

Messer und Pistole im Schulranzen: An manchen Berliner Schulen erpressen die Schüler einander, sie klauen Telefone, Jacken, Mp3-Player. Die Lehrer sind von der Gewaltwelle überfordert. Ein Spezialtraining soll Pädagogen auf aggressive Jugendliche besser vorbereiten.

Ein jugendlicher Türke, ein Kerl wie ein Schrank, lässt sich wieder und wieder von seinem deutlich schmächtigeren Vater verprügeln. Er wehrt sich nicht. Draußen, auf der Straße, und vor allem in der Schule, tut er aber so, als sei er ein Preisboxer.

Gewalt in der Schule: Viele Lehrer sind hilflos
DPA

Gewalt in der Schule: Viele Lehrer sind hilflos

Genau "diese Hintergründe gewalttätiger Jugendlicher" müssten Lehrer erkennen, sagt Rebecca Friedmann von "Denkzeit", einem Projekt der FU Berlin für die Arbeit mit "delinquenten" Jugendlichen. Also mit jungen Menschen, die Probleme machen, aggressiv sind, zuschlagen, klauen, andere "abziehen".

Rebecca Friedmann stellte heute gemeinsam mit Jürgen Körner von der FU und der Senatsverwaltung für Bildung ihr Schulungsprogramm vor. Es soll Lehrern helfen, "mit solchen Jugendlichen richtig umzugehen". 400 Pädagogen können bei "Denkzeit" in den nächsten Monaten den richtigen Umgang mit gewalttätigen Schülern lernen.

"Viele Jugendliche sind psychisch krank", sagt Körner, "wir kommen eigentlich zu spät." Die meisten Jugendlichen seien bereits beschädigt, wenn sie als Kinder mit der Schule anfangen. Zwei Drittel der regelmäßig auffallenden jugendlichen Gewalttäter gehörten im Grunde in eine Therapie, so Körner. "Wir sind manchmal die ersten 'guten' Erwachsenen im Leben dieser Schüler", sagt Rebecca Friedmann.

"Wir brauchen kein Karate für Lehrer"

Aber was macht man nun, wenn ein Schüler mit Gewalt droht? Wenn er einem Mitschüler das Telefon wegnimmt? Oder ständig mit Stühlen schmeißt?

Gegensteuern? Abstrafen? Defensive und Deeskalation?

Angemessen kann nur reagieren, wer viel über die Ursache der Aggression weiß, sagt Jürgen Körner. Das Projekt solle die "oft schlecht vorbereiteten Lehrer" dabei unterstützen. Schließlich sind sie es, die korrigieren sollen, was in Elternhäusern versäumt wurde", so Jürgen Körner. Die ethnische Herkunft der Schüler spiele dabei keine Rolle. "Aber die Lehrer sollen lernen, Unterscheidungen zu treffen". Es gebe unterschiedliche Typen von Gewalttätern - und nach diesen Typen müsse sich auch die Reaktion richten.

Natürlich hilft alle Theorie wenig, wenn ein Schüler schon mit dem geöffneten Klappmesser vor seinem Lehrer steht. "Aber solches Wissen hilft, um es gar nicht so weit kommen zu lassen", sagt Rebecca Friedmann. "Wir brauchen kein Karate für Lehrer, sondern Wissensvermittlung."

Eine allgemeine gleiche Bestrafung aller Gewalttaten sei schlicht sinnlos, und Wachschutz vor Schulen, wie er an der Neuköllner Rütlli-Schule aufgestellt wurde, schrecke auch nur einen Teil von gewaltbereiten Jugendlichen ab.

"Im neuen Programm erklären wir den Lehrern drei Typen auffälliger Schüler", sagt Rebecca Friedmann. "Den Täter gibt es nämlich nicht". Diese drei Typen beschreiben die Forscher so:

Gefördert wird das Fortbildungsprogramm "Denkzeit" vom Land, vom Europäischen Sozialfonds und von der Denkzeit-Gesellschaft. Lehrer können sich ab sofort im Internet anmelden. Die Kursteilnahme ist kostenlos.

maf/dpa, AFP, AP, ddp

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