Notenbetrug in den USA Acht Lehrer zu Haftstrafen verurteilt

Es ist einer der größten Schulbetrugsskandale in den USA: In Atlanta haben Lehrer Testergebnisse ihrer Schüler manipuliert, um bessere Erfolge vorweisen zu können. Nun müssen einige von ihnen ins Gefängnis.

Frühere Lehrerin vor Gericht: Tausende Schüler betroffen
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Frühere Lehrerin vor Gericht: Tausende Schüler betroffen


Sie haben die Fragebögen der Schüler aussortiert und durch andere ersetzt, die sie selbst richtig ausgefüllt hatten: In Atlanta haben Lehrer über Jahre hinweg die Testergebnisse ihrer Schüler massiv manipuliert. Durch ihr Eingreifen sah es so aus, als hätten die Schüler bessere Leistungen erzielt.

Die Lehrer erhofften sich für ihre Schule eine bessere Position in nationalen Rankings. Kollegen, die besonders gute Schülerleistungen vorweisen konnten, wurden mit Boni belohnt. Eine Schulrätin habe während ihrer Amtszeit 500.000 Dollar durch leistungsabhängige Zulagen erhalten, wie die "New York Times" bei Bekanntwerden des Skandals berichtet hatte.

Nun wurden acht frühere Schulmitarbeiter aus Atlanta zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Sie müssen zwischen einem und sieben Jahren ins Gefängnis. "Tausende Kinder wurden dadurch benachteiligt", sagte Richter Jerry Baxter. Es sei "das Übelste" was der Stadt Atlanta je widerfahren sei.

Die Staatsanwälte argumentierten, die Angeklagten hätten an einem groß angelegten Komplott teilgenommen, um ihre Chefs zu beeindrucken, ihre Jobs zu sichern und um Boni zu bekommen.

Vor zwei Jahren waren 35 Schulbedienstete aus Atlanta wegen des Betruges in den Jahren 2005 und 2009 angeklagt worden. Elf von ihnen waren am 1. April schuldig gesprochen worden.

Drei der elf Lehrer, die für schuldig befunden worden sind, wurden zu 20 Jahren Haft verurteilt, von denen sie sieben im Gefängnis verbringen müssen. Fünf weitere Lehrer müssen drei Jahre in Haft absitzen, zwei weitere gehen für je ein Jahr hinter Gitter. Wie ihre Verteidiger mitteilten, wollen mehre Verurteilte die Urteile anfechten.

Die Hauptangeklagte, eine 2011 zurückgetretene Schulrätin, ist mittlerweile verstorben. Mehrere Angeklagte hatten Deals geschlossen, um einem öffentlichen Gerichtsverfahren zu entgehen.

Aufgefallen war der Skandal den Behörden, weil sich die Leistungen ungewöhnlich schnell und sprunghaft verbessert hatten. Außerdem hatten die Textbögen verdächtig viele Radiergummispuren aufgewiesen. Anklage konnte die Staatsanwaltschaft allerdings erst erheben, als sich eine Grundschullehrerin, die jahrelang Testergebnisse gefälscht hatte, zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit erklärte. Nachdem der Skandal aufgeflogen war, hatte eine Lehrerin erklärt: "Der Betrug dauerte so lange an, wir sahen ihn als Teil unseres Berufs an."

kha/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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der-leser 15.04.2015
1. Völlig losgelöst
Das Rechtssystem in den USA scheint endgültig die Bodenhaftung zu verlieren. 7 Jahre für so ein Pillepalle! Warum nicht gleich die Todesstrafe? Wenn das das "Übelste" ist, was je in Atlanta passiert ist, frage ich mich, wie der Richter Mord und Vergewaltigung einstuft.
weiter_denken 15.04.2015
2. Interessant
Sollte man sich mal in Japan, Korea, Finnland usw. anschauen - könnte auch das gute Abschneiden bei PISA & Co erklären. Aber so ist das mit Leistungsorientierter Bezahlung, die im öffentlichen Dienst ja angestrebt wird. Wird die Leistung nicht unabhängig gemessen (was mehr Personal und Geld kostet) ist das alles sinnlos und führt zu Missachtung der eigentlichen Aufgaben. In der Wirtschaft ist das teilweise einfacher. Da kann ich (außerhalb der Querschnittsbereiche) messen wie viel Geld verdient wurde.
mortyrium 15.04.2015
3.
Ein Ranking der Schulen ist ein echtes Problem, da würden viele gerne nachhelfen, um mehr Fördergelder abzufassen.
criticos 16.04.2015
4. Anreize des Prämiensystems: so ist das halt
Da haben andere Leute ganz anderen Schaden verursacht, um ihre Prämien zu maximieren, nämlich die globalen Finanzmärkte an den Rand des Ruins gebracht. Die laufen frei herum und bereiten das nächste Desaster vor. An anderer Stelle haut man dann drauf. So läuft das mit den Sündenböcken.
max-mustermann 16.04.2015
5.
Das kommt dabei heraus wenn mann Lehrer nur nach vermeintlichem "Erfolg" bezahlt, es wird getrickst und manipuliert was geht damit am Ende die Kohle stimmt.
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