Best-of 2016 Fünf Mythen über den Aufstieg in Deutschland

Kinder von Zuwanderern sind schlechter in der Schule? Wer viel Geld verdienen will, muss studieren? Es gibt viele Mythen rund um den gesellschaftlichen Aufstieg in Deutschland - und viele sind falsch.

Schulklasse in Baden-Württemberg
DPA

Schulklasse in Baden-Württemberg

Von und


Gute Bildung gilt als Schlüssel für gesellschaftlichen Aufstieg. Gleiche Bildungschancen für alle - Mädchen und Jungen, Behinderte und Nicht-Behinderte, Migranten und Einheimische - sind daher eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die SPIEGEL ONLINE in der "Expedition Übermorgen" analysiert (Dieser Artikel ist bereits am 28.11.2016 erschienen).

Wie sieht es mit den Aufstiegschancen in Deutschland aus? In fünf Multimedia-Geschichten porträtiert SPIEGEL ONLINE Menschen, die es geschafft haben - trotz aller Widerstände. Was zeichnet diese Menschen aus, was raten sie anderen? Die Links zu diesen Porträts finden Sie am Ende dieses Textes.

Doch was sagt die Statistik über die Chancen? Die Antworten im Faktencheck.

SPIEGEL ONLINE

Wie gut ein Kind in der Schule ist, hängt entscheidend von der sozialen Herkunft ab. Kinder von Akademikern schneiden im Schnitt besser ab als Kinder von Nicht-Akademikern.

Um den Einfluss des Migrationshintergrundes zu klären, muss man daher Kinder von Deutschen und Zuwandererkinder mit möglichst ähnlicher Bildungsherkunft vergleichen. Sonst ist das Ergebnis verzerrt.

Betrachtet man Kinder, deren Väter maximal einen Hauptschulabschluss haben, zeigt sich: Über alle Zuwanderergruppen hinweg gibt es zwar Unterschiede, sie sind laut Statistischem Bundesamt aber klein. 28 Prozent der Zuwandererkinder machen Abitur. Bei den Kindern von Deutschen sind es mit 31 Prozent geringfügig mehr.

Differenziert man zusätzlich noch nach Herkunftsland der Eltern, werden die Abweichungen wieder etwas größer. So machen Kinder aus osteuropäischen EU-Ländern und von Spätaussiedlern beispielsweise häufiger Abitur als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.

Zugewanderte Männer arbeiten fast so häufig wie Einheimische

Später haben 78 Prozent der zugewanderten Männer Arbeit - ihre Erwerbstätigenquote liegt damit etwas unter der Quote der einheimischen Männer mit 83 Prozent. Zugewanderte Männer, die fließend Deutsch sprechen, arbeiten zu 83 Prozent, also genau so häufig wie einheimische Männer.

Betrachtet man Frauen, ändert sich das Bild: Zuwanderinnen der ersten Generation arbeiten mit 61 Prozent durchschnittlich seltener als einheimische Frauen mit 76 Prozent. Auch hier gibt es wieder Unterschiede zwischen den Herkunftsregionen. Frauen mit einem Migrationshintergrund aus osteuropäischen EU-Ländern und Russland sind sehr häufig berufstätig. Frauen mit türkischem Hintergrund sind hingegen seltener als der Durchschnitt erwerbstätig oder arbeitssuchend gemeldet.

SPIEGEL ONLINE

Wenn Eltern ihre Kinder ermahnen, das Gymnasium zu schaffen, dann haben sie oft eines im Sinn: Dass ihr Kind die Hochschulreife bekommt und später studieren kann. Doch die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass das Gymnasium zwar der häufigste Weg an die Hochschule ist, aber keineswegs der einzige.

Stattdessen hat jeder dritte Erstsemester seine Studienberechtigung nicht an einem Gymnasium erworben. Und vier von 100 Studienanfängern sind auf dem sogenannten dritten Bildungsweg, also ganz ohne Abitur, an die Universität oder Fachhochschule gekommen. Sie haben zum Beispiel eine Begabtenprüfung absolviert.

SPIEGEL ONLINE

Frauen studieren sehr wohl erfolgreich Mathe und andere Naturwissenschaften, wie die Absolventenzahlen des Statistischen Bundesamts in der Grafik belegen. Dabei studieren 54 Prozent der Matheabsolventinnen auf Lehramt. Bei den Männern sind es mit 25 Prozent deutlich weniger.

Frauen schneiden zudem an der Uni auch besser ab als Männer. Über alle Fächer hinweg fallen 2,3 Prozent der deutschen Studentinnen durch die Abschlussprüfung an der Hochschule. Unter den männlichen deutschen Studenten sind es 5,5 Prozent. Obwohl sie oft mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen haben, fallen auch ausländische Studentinnen mit 4,7 Prozent seltener durch als deutsche Männer.

SPIEGEL ONLINE

Schwerbehinderte haben es tatsächlich schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden, wie diese Statistik der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2015 zeigt. Behinderte sind im Schnitt auch länger arbeitslos - und das obwohl sie besser ausgebildet sind als Nicht-Behinderte. 59 Prozent haben einen Berufs- oder Hochschulabschluss. Bei den Nicht-Behinderten sind es mit 53 Prozent etwas weniger.

SPIEGEL ONLINE

Die Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen: Zwar verdienen innerhalb derselben Branche Akademiker im Schnitt mehr Geld als weniger gut ausgebildete Angestellte. Vergleicht man verschiedene Bereiche, kann jemand ohne Studium jedoch durchaus ein genauso hohes Brutto-Lebensentgelt - das ist der Verdienst im Laufe eines Lebens - erzielen wie ein Akademiker.

Besonders wenig verdienen Akademiker zum Beispiel in der Lebensmittelherstellung, im Tourismus oder in Gartenbauberufen mit 1,3 bis 1,5 Millionen Euro. Dasselbe Gehalt kann ein Arbeiter ohne Berufsausbildung in Physikberufen oder im Bereich Recht und Verwaltung verdienen. Im Bereich Finanzdienstleistung, Rechnungswesen und Steuerberatung kann es sogar noch mehr sein, wie die Grafik belegt.

Grafiken: Katja Braun



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.