Umfrage zu Geschichtsunterricht Vier von zehn Schülern wissen nicht, wofür Auschwitz steht

Der Geschichtsunterricht in Deutschland ist offenbar nicht ausreichend: Nur 59 Prozent der Schüler ab 14 wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager war.

Eingangstor des KZ Auschwitz
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Eingangstor des KZ Auschwitz


Schüler haben große Defizite in Geschichte. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung hervor. Demnach wissen nur 59 Prozent der befragten Schüler, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis im Zweiten Weltkrieg war. Bei den 14- bis 16-Jährigen sind es sogar nur 47 Prozent.

Laut Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung, gibt es vor allem ein Defizit bei der Vermittlung von Geschichtswissen: In immer weniger Bundesländern sei Geschichte ein eigenständiges Schulfach, so Tetzlaff. Der Stundenumfang für Geschichte werde immer geringer: "Diese Entwicklung muss gestoppt werden."

In der Gesamtbevölkerung ist die Kenntnis über Auschwitz deutlich höher, allerdings nahm der Anteil zuletzt ab. Demnach war vor fünf Jahren 90 Prozent der Befragten das Vernichtungslager ein Begriff. 2017 nur noch 86 Prozent.

Schüler bewerten Unterricht gut

75 Prozent der Schüler glauben, dass sich ihre Mitschüler nicht sonderlich für Geschichte interessieren. Sich selbst halten sie aber für deutlich interessierter: Mehr als die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler (56 Prozent) geben an, sich selbst sehr oder eher für Geschichte zu interessieren. Laut Tetzlaff würden die Schüler erreicht, wenn im Unterricht ein persönlicher Bezug hergestellt werde. "Diesen Transfer muss ein moderner Geschichtsunterricht leisten - zumal Geschichte für das Verständnis der Gegenwart unabdingbar ist", sagt Tetzlaff.

Die Schüler selbst schätzen die Qualität des Unterrichts aber überwiegend als gut ein. Drei Viertel meinen, dass die Inhalte in ihrem Unterricht anschaulich und nachvollziehbar dargestellt wurden. Jeweils zwei Drittel der befragten Jugendlichen sagen, dass in ihrem Unterricht interessante und vielfältige Themen bearbeitet wurden (69 Prozent) und dass ihr Geschichtslehrer bei ihnen Interesse für die behandelten Themen wecken konnte (66 Prozent). Schüler bewerten den Geschichtsunterricht insgesamt besser als Schülerinnen.

95 Prozent der Befragten finden Geschichtsunterricht sehr wichtig oder wichtig. Die meisten wünschen sich einen Unterricht, der dazu befähigt, Inhalte kritisch zu hinterfragen (93 Prozent) und Lehren für die Gegenwart ziehen zu können (92 Prozent).

Methode

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat vom 7. Juli bis 31. August 2017 im Auftrag der Körber-Stiftung 1.009 Bundesbürger ab 14 Jahren sowie 502 Schülerinnen und Schüler zum Stellenwert und zu Inhalten des Geschichtsunterrichts mithilfe computergestützter Telefoninterviews befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Die Fehlertoleranz liegt laut Forsa bei +/-3 beziehungsweise +/-4 Prozentpunkten.

sun



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