Austausch-Log Hongkong Arzucan kämpft an allen Fronten

Ihre internationale Schule in Hongkong ist gut, doch richtig spannend findet Arzucan Askin die Kurse außerhalb des Lehrplans. Wo sie kann, kämpft die 17-Jährige gegen Unrecht, Armut und Umweltsünden - in Schulen, auf dem Land und unter Wasser.

Arzucan Askin

Das Gefühl von Sommerferien, das ich immer hatte, wenn ich morgens an Palmen und einem Pool vorbei zum Unterricht gegangen bin, hat sich verflüchtigt.

Nach zwei Monaten am Li Po Chun United World College in Hongkong ist der Anblick Alltag für mich geworden. Auch an das andere Schulsystem habe ich mich gewöhnt - ich habe nur sechs Fächer und den Kurs "Theory of Knowledge", außerdem zählt eine Facharbeit zur Bewertung. Doch der wirklich spannende Teil findet in Hongkong außerhalb des Lehrplans statt: In meinen sechs Kursen aus dem "Creativity, Action and Service Programme".

Dieses Programm wird hier auch Quan Cai genannt, was auf Chinesisch "umfassende Entwicklung" bedeutet. Jeder Schüler muss mindestens vier Kurse belegen. Die Auswahl ist groß: Neben Aktivitäten wie Schülerzeitung, Sportarten und Tänzen, Geschichte und Literatur bietet die Schule auch Drachentanz oder Klettern an.

Einer meiner Kurse heißt "Students against Slavery", ein Quan Cai über das Thema Menschenhandel und Ausbeutung. Wir besuchen Schulen in Hongkong und starten verschiedene Kampagnen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Im Frühjahr wollen wir nach Kambodscha reisen und in einem Rehabilitationscenter für Opfer von Menschenhandel arbeiten.

Gegen Ausbeutung und Armut

Außerdem bin ich im "Coral Monitoring Team" meiner Schule. Schüler werden zu Tauchern ausgebildet und überwachen die Korallenbestände Hong Kongs. Unsere Protokolle senden wir dann an Naturschutzorganisationen wie ReefCheck, CoralWatch, den WWF und das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Konservation in Hongkong.

Weitere Aktivitäten, in denen ich beteiligt bin, sind chinesisches Drachenboot, Löwentanz, die Schülerzeitung und "Help for Domestic Helpers". Dieser Quan Cai unterstützt gemeinsam mit einer gemeinnützigen Organisation ausländische Haushaltshilfen aus Indonesien und den Philippinen. Wir begleiten die Arbeiterinnen zu Gerichtsverhandlungen und zeigen ihnen, wo sie sich rechtliche Beratung holen können. Wir helfen bei der Übersetzung von Dokumenten, bieten Englischkurse an und helfen den Haushaltshilfen, sich ihrer Rechte bewusst zu sein. Viele werden in Hongkong Opfer von schlechter Behandlung und Missbrauch, trauen sich jedoch nicht, gegen ihren Arbeitgeber auszusagen. Sie befürchten, dann wieder ausreisen zu müssen.

Erst letztes Wochenende bin ich vom chinesischen Festland nach Hongkong zurückgekehrt. Alle Schüler des ersten Jahrgangs haben an einer Projektwoche über Freiwilligenarbeit teilgenommen. Wir haben in zwei Grundschulen in einem sehr einfachen Dorf namens Huaji gearbeitet, dort Englischunterricht gegeben und die Wände der Klassenzimmer renoviert. Die Kinder waren unglaublich motiviert und wiederholten jedes Wort, das wir sie lehrten.

Während dieser Woche habe ich mich regelrecht in die Kinder verliebt, ein kleines Mädchen hat mir sogar chinesische Schriftzeichen beigebracht. In Huaji wurden wir wie Prominente behandelt. Offenbar gehörten wir für die meisten Dorfbewohner zu den ersten Ausländern, die sie jemals gesehen hatten. Hierüber und über alles anderen, was ich erlebe, schreibe ich auch in meinem Blog. Es gibt also immer etwas zu tun.



insgesamt 11 Beiträge
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Niamey 13.01.2014
1. Lächerlicher Artikel!
Zitat von sysopArzucan AskinIhre internationale Schule in Hongkong ist gut, doch richtig spannend findet Arzucan Askin die Kurse außerhalb des Lehrplans. Wo sie kann, kämpft die 17-Jährige gegen Unrecht, Armut und Umweltsünden - in Schulen, auf dem Land und unter Wasser. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/austausch-log-hongkong-arzucan-17-engagiert-sich-a-939791.html
Ja, auch in Hong Kong gibt es Armut. Aber eben eine andere Form von Armut als in Indien, China, Afrika oder den Philippinen! Man kann unreife Menschen ja so schön beeinflussen und zu Träenen rühren. Diese Menschen sollten sich mal in Deutschland umschauen und dort gegen Armut kämpfen. ABer das ist ja nicht hipp genug!
Sabi 13.01.2014
2. überall
überall auf der Welt die Menschen nach deutschem Wesen beglücken, zu Lande, zu Wasser,....das ist die Devise ! Ein Klugsch... par exellence !
leser12389 13.01.2014
3. IB programm
Ich glaube der author spielt mit dem Arikel auf das IB Program an, was die Faecher in den letzten 2 Schuljahren in 3 higher und 3 lower levels aufteilt. dieses schulsystem gibt es nicht nur in hk sondern an den meisten internationalen Schulen. auch hier in deutschland... die CAS Stunden werden auch hier benoetigt. z.b. mann kann hier bei einer suppenkueche aushelfen
mehrgedanken 13.01.2014
4. neidisch?
Zitat von NiameyJa, auch in Hong Kong gibt es Armut. Aber eben eine andere Form von Armut als in Indien, China, Afrika oder den Philippinen! Man kann unreife Menschen ja so schön beeinflussen und zu Träenen rühren. Diese Menschen sollten sich mal in Deutschland umschauen und dort gegen Armut kämpfen. ABer das ist ja nicht hipp genug!
Ist doch gut wenn junge Menschen in die Welt gehen und Erfahrungen sammeln – unterm Strich kommt es Menschen zugute, dort, hier und ihr selbst. Ist doch ok oder? Die Welt ist global geworden und Austausch ist der Weg. „Diese Menschen“ entscheiden für sich selbst was sie wo warum tun – sind Sie neidisch? Ps: es gibt viele junge Menschen die sich engagieren hier zuhause und in den Staaten die Sie nennen.
huggythebear 13.01.2014
5.
Guter Artikel, wäre schön, wenn es solche Aktivitäten in Deutschen Schulen auch gäbe und nicht nur mal eine Projektwoche an das Ende des Schuljahres angehängt wird...
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