Backpfeifen für Schüler Japans Regierung plant "Prügelstrafe light"

Japans Schulen, wo traditionell Leistungsdruck und rigide Disziplin herrschen, sind der konservativen Regierung inzwischen zu lasch. Leichte Schläge auf den Kopf seien völlig in Ordnung, meint der Ministerpräsident. Selbst die Lehrergewerkschaft findet Prügel richtig.


Tokio - Japanische Lehrer sollen in Zukunft aufmüpfige Schüler in die Ecke stellen und mit leichten Schlägen auf den Kopf bestrafen - das schlug eine Expertenkommission Ministerpräsident Shinzo Abe vor. Die "Prügelstrafe light" fand Abes ausdrückliche Zustimmung, um wachsender Gewalt und Disziplinlosigkeit an den Schulen zu begegnen.

Schüler in Japan: Leichte Schläge und ab in die Ecke
REUTERS

Schüler in Japan: Leichte Schläge und ab in die Ecke

Auf keinen Fall gehe es aber darum, die Schüler wie früher mit dem Stock zu züchtigen oder brutal zu verprügeln, sagte ein Sprecher Abes. Neben den Disziplinarmaßnahmen ist auch eine Ausweitung der Unterrichtszeit geplant. Etwa zehn Prozent länger sollen die Schüler lernen, denn aus Sicht der Regierung haben ihre Leistungen nachgelassen. Letzten Monat hatte das Parlament zudem ein Gesetz verabschiedet, das mehr Patriotismus in Japans Schulen tragen soll.

Zustimmung zur Verschärfung des Strafregisters an den Schulen erhielt Abe überraschend auch von der eher linksgerichteten Lehrergewerkschaft. Die meisten Lehrer hätten die Erfahrung gemacht, dass sie mit einer "Null-Toleranz-Politik" am besten führen, sagte ein Gewerkschaftsvertreter. Er warf den Eltern vor, sich allein auf das Wohl ihrer Kinder zu konzentrieren; werde ihr Kind bestraft, seien sie meist "sehr aufgebracht".

Vor und während des Zweiten Weltkriegs gehörte harte körperliche Züchtigung zum Handwerkszeug der meisten japanischen Pädagogen. Später wurden physische Strafen an Schulen verboten. Nach seinem Amtsantritt im September hatte der konservative Regierungschef Abe angekündigt, die Bildungspolitik von nach seiner Auffassung allzu linken Einflüssen zu befreien.

Japan, das lange für sein striktes Schulsystem bekannt war, hatte seit 2002 auf eine Erziehung mit weniger Druck gesetzt und ein Wochenende mit zwei schulfreien Tagen für die Schüler eingeführt. In letzter Zeit war das System jedoch in die Kritik geraten, nachdem etliche Selbstmorde an den Schulen mit Mobbing in Verbindung gebracht wurden und hunderte Schulen ihren Schützlingen frei gegeben hatten, um sich auf die schwierigen Zulassungsprüfungen der Universitäten vorzubereiten.

tno/AFP/Reuters

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