Backstage bei Tokio Hotel "Mein Herz rast, ich halte es kaum aus"

Bei Tokio Hotel drängeln sich Célia und Denise vor der Bühne, bis der Arzt kommt. Ein halbes Konzert haben die 16-Jährigen in Ohnmacht verpasst. SchulSPIEGEL brachte die Schülerinnen mit ihrer Lieblingsband zusammen: 20 Minuten im Paradies - ein Protokoll von Britta Mersch.


Sie nennen sich selbst "the only real biggest Tokio Hotel fans 4 life": Célia und Denise, zwei 16-jährige Mädchen aus der Nähe von Frankfurt. Bei Konzerten jubeln sie gern direkt vor der Bühne – und wurden sogar schon einmal ohnmächtig. Im Mai kippte Denise bei einem Konzert in Bonn gleich nach dem ersten Song um, auch Célia wurde bald ganz schwummrig. Sanitäter mussten sie aus dem Pulk herausziehen.

SchulSPIEGEL überraschte die Schülerinnen mit einem besonderen Ausflug und arrangierte ein Treffen mit der Lieblingsband. Bei einem Konzert in Aachen wurde ihr Wunschtraum wahr: Célia und Denise trafen Tokio Hotel backstage.

Noch zwei Stunden warten...

Denise: Wir sind gerade in Aachen angekommen. Die ganze Fahrt lang waren wir total aufgeregt. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir gleich Tokio Hotel treffen. Wir haben die ganze Zeit gehofft, dass wir pünktlich ankommen und nichts schief geht.

Célia: Wir haben auch etwas vorbereitet - die zehn Minuten, die wir mit denen haben, sind ja nicht gerade lang. Wir wollen ihnen so viel sagen, deswegen haben wir ihnen einen Brief geschrieben, zehn Seiten, mit Fotos. Hoffentlich gefällt den Jungs unser Geschenk.

Denise: Wir haben in den Brief die Sachen geschrieben, die wir an Tokio Hotel toll finden. Was wir an ihrer Musik und ihren Texten mögen, dass wir beeindruckt sind und uns noch keine andere Band so begeistert hat.

Célia: Manche Mädchen sagen ja, dass sie nur zwei aus der Band mögen, die anderen nicht. Das sind doch keine richtigen Fans! Wir finden alle gleich gut. Wenn zwei von denen nicht dabei wären, gäbe es Tokio Hotel doch gar nicht.

Denise: Wir sind echt gespannt, wie die Jungs so sind und was sie sagen. Bis jetzt haben wir nur Positives von denen gehört. Ich schätze, danach ist alles anders. Wir finden die bestimmt noch besser.

Noch eine Viertelstunde...

Célia: Oh mein Gott! Gleich treffen wir Tokio Hotel! Wir! Obwohl draußen Tausende von Mädchen für das Konzert anstehen. Wir treffen die. Und die anderen Fans wissen das gar nicht.

Denise: Da hinten steht eine Tür offen. Da ist bestimmt die Garderobe.

Célia: Da sind die drin! Und wir treffen die gleich.

Denise: Mir ist total warm. Hoffentlich habe ich keinen Fleck auf dem Pullover. Ich glaube, mein Gesicht ist ganz rot. Habe ich einen Pickel auf der Stirn? Ich muss die Jacke ausziehen, mir ist total warm.

Gustav kommt aus der Garderobe.

Denise: Oh mein Gott, das ist doch...? Gustav! Oh, ist der süß. Das glaube ich jetzt nicht! Guck mal, der hat ein rot-weiß gestreiftes T-Shirt an.

Célia: Wie? Und der geht da einfach so raus! Kommt der denn gleich auch wieder?

Denise: Muss er ja eigentlich. Dann sind die wirklich alle da drin! Und wir treffen die gleich? Oh mein Gott!

Es geht los...

Managerin: Hallo! Tut mir Leid, dass ihr hier warten musstet. Wir hatten draußen ein kleines Problem, ich bin nicht mehr auf das Gelände gekommen. Jetzt bin ich total nass vom Regen. Kommt ihr mit? Sagt ihr mir noch mal eure Namen? Ah, Denise und Célia. Freut mich.

Mit vorsichtigen Schritten nähern sich Denise und Célia der Garderobe von Tokio Hotel. Die Tür steht offen. Und da sitzen sie: Bill, Tom, Gustav und Georg stehen auf, lachen die Mädchen an, sagen Hallo, geben ihnen die Hand, stellen sich vor. Sie setzen sich auf die Sofas, Denise und Célia direkt daneben. Die Mädchen bekommen keinen Ton raus. Die Band blickt sie neugierig an. Célia gibt ihren Brief Bill, der direkt neben ihr sitzt. Bill öffnet den Umschlag, zieht Brief und Fotocollage heraus, liest einige Sätze. Die anderen Bandmitglieder wollen auch mal gucken.

Bill: Habt ihr denn auch Fragen an uns?

Denise: Ja. Du fängst an.

Célia: Nein, du!

Denise: Ich nicht. Mach du mal.

Célia: Ok. Tom, du hast doch mal gesagt, dass Bill und du, dass ihr so unzertrennlich seid. Was müsste Bill denn machen, damit du nichts mehr mit ihm zu tun haben willst?

Tom: Weiß ich gar nicht, was der noch machen könnte. Wir sind seit 16 Jahren zusammen, und natürlich passieren viele Sachen, die nicht so cool laufen. Aber es ist nichts, was uns jetzt auf ewig auseinander halten würde. Man ist dann schon mal sauer. Aber auf Dauer verstehen wir uns immer wieder. Da kann nichts passieren.

Denise: Noch eine Frage an Georg: Hast du schon deinen Führerschein?

Georg: Ja, meinen Führerschein habe ich schon seit einem Jahr. Aber ich komme relativ selten dazu zu fahren. Ab und zu, wenn ich mal bei meiner Familie bin, dann fahre ich mal mit Mamas Auto.

Bill: Möchtet ihr noch was wissen? Ihr könnt fragen, was ihr wollt. Vielleicht haben eure Freundinnen euch ein paar Fragen mitgegeben...

Célia: Ich geh demnächst nach Frankreich. Spielt ihr da auch Konzerte?

Bill: Wir veröffentlichen im September in Frankreich. Wir schauen bestimmt öfter mal vorbei. In Deutschland haben wir jetzt erst mal nur noch zwei Konzerte, das ist schon ein komisches Gefühl. Wir fangen jetzt schon an zurückzugucken, was wir das ganze letzte Jahr erlebt haben. Das ist schon traurig. Wir haben so viele geile Konzerte gespielt, dass wir uns total gerne daran erinnern.

Bill, Tom, Georg und Gustav plaudern noch ein bisschen mit Célia und Denise über die Schule, Französisch-Unterricht, Tokio Hotel. Danach lassen sie sich mit den beiden fotografieren und schreiben Autogramme auf Handy, T-Shirt, Notizbuch. Denise und Célia gehen kurz darauf strahlend aus der Garderobe.

Nach zwanzig Minuten ist alles vorbei.

Célia: Hammer! Unbeschreiblich! Die sind so nett und offen und cool und natürlich. Richtig lieb. Die haben uns auch immer angeguckt.

Denise: Bei der Aufregung wussten wir gar nicht mehr, was wir alles fragen wollten. Die Hälfte haben wir vergessen.

Célia: Tom hat mir am Ende zugezwinkert.

Denise: Und Bill meinte zu mir: "Hey, du hast echt gute Schuhe!"

Célia: Bei den Fotos haben die uns in den Arm genommen!

Denise: Plötzlich hatte ich da eine Hand auf meinem Rücken. Die von Bill.

Célia: Endlich hatten wir mal Glück. Die saßen einfach so da und haben gechillt. Und haben "Hi" zu uns gesagt.

Denise: Ich habe die ganze Zeit aufgepasst, dass nur meine Beine zittern und nicht mein ganzer Körper.

Célia: Als die angefangen haben zu reden, konnte ich es kaum glauben. Oh mein Gott! Hammer!

Denise: Wir beiden! Direkt neben Tokio Hotel!

Célia: So glücklich wie heute war ich noch nie...

Am Tag danach.

Denise: Das Treffen war echt total toll! Wir hoffen jetzt, dass die uns nett fanden und sich vielleicht mal bei uns melden. Wir haben ihnen ja unsere Telefonnummer und E-Mail-Adresse in den Brief geschrieben. Eigentlich könnten sie das ja auch machen. Jetzt, wo wir sie gesehen haben, sind sie nicht mehr nur eine Band, sondern es sind Bill, Tom, Georg und Gustav, ganz normale Jungs eben.

Célia: Wir wissen aus dem Chat, dass es Mädels gibt, die die Telefonnummer von den Jungs haben. Eine ist dabei, die zeichnet immer die Telefongespräche auf und stellt sie ins Internet. Das würden wir nie machen, wenn die uns anrufen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die das toll finden. Und ehrlich gesagt, wäre mir das Risiko auch zu groß. Wir würden uns schon freuen, wenn die uns mal anrufen würden. Uns ein bisschen was von sich erzählen. Aber was das wäre, das würden wir natürlich für uns behalten.

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