Baden-Württemberg Englisch-Abi war nicht zu schwer

Tausende Abiturienten in Baden-Württemberg beschwerten sich über zu komplizierte Aufgaben im Englisch-Abitur und starteten sogar eine Petition. Nun entschied das zuständige Ministerium: Die Prüfung war angemessen.

Abiturienten in Baden-Württemberg
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Abiturienten in Baden-Württemberg


War das Englisch-Abitur in Baden-Württemberg zu anspruchsvoll? Nein, urteilte nun das zuständige Kultusministerium. Zuvor hatten sich Tausende Schüler über die vermeintlich zu schwere Prüfung beschwert und in einer Onlinepetition mehr als 29.000 Unterschriften gesammelt.

Besonders folgende Aufgabe mit einem inhaltlich hochsymbolischen Textabschnitt über die Freiheitsstatue in New York machte den Schülern Probleme:

"The spinning disk of the late afternoon sun slanted behind her, and to those on board who gazed, her features were charred with shadow, her depths exhausted, her masses ironed to one single plane. Against the luminous sky the rays of her halo were spikes of darkness roweling the air; shadow flattened the torch she bore to a black cross against flawless light-the blackened hilt of a broken sword. Liberty."

In einer Petition auf der Plattform Change.org beklagten die Abiturienten daraufhin: "Das Abitur im Fach Englisch war unfair!" Ihre Prüfung sei im Vergleich zu vorherigen Jahren viel schwieriger gewesen. Zudem seien Teile der Aufgabenstellung missverständlich. Sie forderten vom Kultusministerium, den "hohen Erwartungshorizont" anzupassen.

"Niemand in die Pfanne gehauen"

Die zuständige Ministerin Susanne Eisenmann erteilte den Schülern allerdings eine Abfuhr. Die Abi-Prüfung im Fach Englisch ist aus Sicht des baden-württembergischen Kultusministeriums nicht zu beanstanden. Nach einer umfassenden Prüfung sei festgestellt worden, dass das Niveau der betreffenden Aufgaben angemessen war, teilte das Ministerium mit. Dies hätten sowohl die Abiturkommission mit Fachberatern im Fach Englisch und Fachreferenten der Regierungspräsidien als auch drei externe Experten bestätigt.

Es gebe keinen Grund zur Sorge, betonte Eisenmann. "Ich habe vollstes Vertrauen in die Lehrkräfte, dass sie ihren Ermessensspielraum bei der Korrektur verantwortungsvoll und ausgewogen ausschöpfen werden", sagte die CDU-Politikerin. Der als schwierig eingestufte Prüfungsteil "Analysis" mache außerdem nur 15 Prozent der schriftlichen Abiturnote Englisch aus.

Auch der Landeschef des Philologenverbandes, Bernd Saur, mahnte zu Gelassenheit. "Ich möchte die Schüler bitten, die Ergebnisse abzuwarten - da wird niemand in die Pfanne gehauen." Der fachliche und pädagogische Ermessensspielraum der Korrektoren sei groß.

Klagen über schwere Abiturprüfungen sind keine Seltenheit. 2016 führte solch ein Protest in Niedersachsen sogar dazu, dass nachträglich der Notenschnitt angehoben wurde. Bei der fraglichen Matheprüfung wertete das Kultusministerium damals allerdings erst die Korrekturergebnisse aus. Als klar war, dass der Schnitt auffallend schlecht war, wurde der Bewertungsmaßstab angepasst.

koe/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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grotefend 25.04.2018
1. Es wäre ja auch noch schöner...
...wenn das Kultusministerium aufgrund einer Petition eingeknickt wäre. Wie MP Kretschamen gesagt hat: Es gibt keinen Anspruch auf ein leichtes Abitur. Die Schüler streben hier die allgemeine Hochschulreife an, also den höchsten Schulabschluss. Da muss notgedrungen ein gewisser Anspruch gewahrt bleiben, auch wenn dies in den vergangenen Jahren durch diverse Instrumente (Nutzung von zweisprachigen Wörterbüchern (noch nicht in BW), Verwendung vereinfachter Notendurchschnitte etc.) aufgeweicht wurde.
hj.binder@t-online.de 25.04.2018
2. Wenn Schwaben
über englische Texte reden oder gar eine Prüfung in Englisch beurteilen wollen/sollen ist es so, wie wenn von Farbenblinden eine Matisse-Expertise verlangt wird. Geht nicht.
mag-the-one 25.04.2018
3. Das soll zu schwer sein?
I don't get it. Liebe Kinder, falls Ihr an der Uni z.B. Psychologie studieren wollt, müßt Ihr einen großen Teil der Fachliteratur in Englisch lesen. Und da wird das dann nix mit einer Petition...
autocrator 25.04.2018
4. überzüchtet
die englisch-abiturs-aufgabe war völlig überzüchtet. Der klassische fall von die schüler können zwar moderne amerikanische jüdische immigrationslyrik, aber wissen nicht, wie man ein arbeitsvisum für australien beantragt oder eine englische gebrauchsanleitung für irgendein importiertes elektogerät liest oder wie man sich im britischen sozialsystem anmeldet, wenn man dort arbeiten soll. Und solange wir einen ehem. BW-ministerpräsidenten als EU-kommissar haben (Oettinger), dessen Englisch derart peinlich ist, dass man sich den lachkrampf echt verkneifen muss, ist es einfach unangemessen, von deutschen abiturienten ein englisches sprach-niveau zu verlangen, von dem ich überzeugt bin dass die allermeisten Engländer und Amerikaner selbst massive schwierigkeiten mit haben. Die arroganz mit der das kultusministerium hier auftritt ist dabei genauso unangemessen.
infoseek 25.04.2018
5. Unfair?
Ja - aber wegen etwas anderem. In BW ist offenbar nur ein eglischsprachiges Synonymwörterbuch zugelassen, in anderen Bundesländern hingegen ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch. Solche Unterschiede machen bundeseinheitliche Prüfungsaufgaben, die ja endlich eine bundesweite Vergleichbarkeit der Abinoten und damit mehr Fairness bei der Zulassung zu NC-Fächern ermöglichen sollen, zur Lachnummer.
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