Bayerisches Gymnasium Muss Milliardär Beisheim wider Willen spenden?

Zehn Millionen Euro wollte Metro-Gründer Otto Beisheim dem Gymnasium Tegernsee schenken. Als Schüler und Lehrer unangenehme Fragen nach seiner SS-Vergangenheit stellten, zog er das Angebot verärgert zurück. Jetzt fordert ein SPD-Politiker, ihn zur Spende zu zwingen.


Nach seiner Absage einer Millionenförderung für das Gymnasium Tegernsee will der milliardenschwere Metro-Gründer Otto Beisheim, 82, die eigens dafür eingerichtete Stiftung auflösen. Nach Auffassung der Regierung von Oberbayern ist das aber nicht ohne weiteres möglich. Die Behörde will die rechtlichen Voraussetzungen prüfen.

Milliardär Beisheim: Will seine zehn Millionen behalten
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Milliardär Beisheim: Will seine zehn Millionen behalten

Die Vorgeschichte ist verzwickt: Auf einen Schlag hätte das Gymnasium Tegernsee reich werden können. Die Schule hätte lediglich den Namen des Spenders annehmen müssen - Otto Beisheim, Gründer des Metro-Konzerns, Milliardär und einer der reichsten Männer Europas. Beisheim wollte die von Benediktinermönchen gegründete Schule mit einer Stiftung von zehn Millionen Euro fördern. Dafür sollte das in einem ehemaligen Kloster untergebrachte Gymnasium allerdings in "Professor-Beisheim-Gymnasium" umbenannt werden.

Zunächst herrschte Jubel über den Geldsegen. Die Schulleitung und Landespolitiker waren schier begeistert über so viel Edelmut. "Es ist unglaublich. Das wird Generationen von Schülern zugute kommen", freute sich Schuldirektor Werner Oberholzner. Von den 300.000 Euro jährlichen Zinsen wollte man die Schulkantine umbauen und neue Computer anschaffen.

Lehrer, Schüler und Eltern in Tegernsee jedoch waren von dem Deal nicht überzeugt. Sie zweifelten daran, ob der Gründer des drittgrößten Handelskonzerns der Welt ein geeignetes Vorbild für Schüler sein könne. Die einen echauffierten sich in Briefen darüber, dass sich ein Multimillionär einfach so "eine Schule kauft". Die anderen wollten wissen, was genau zwischen 1939 und 1945 passierte, einer Zeit, in der er als junger Mann der zur Waffen-SS gehörenden Leibstandarte Adolf Hitler angehört haben soll - und darüber schweigt sich Otto Beisheim seit jeher aus.

"Eine sehr komplexe Prüfung"

Die Stiftungsurkunde unterzeichneten Otto Beisheim und Kulturstaatssekretär Karl Freller schon im August 2005, doch dass das Stiftungsgeld jemals eingezahlt wurde, darf bezweifelt werden. Denn Beisheim hatte seine Zusage beleidigt zurückgezogen, nachdem Lehrer und Schüler lautstark Aufklärung über seine Vergangenheit bei der Waffen-SS gefordert hatten.

Die Stiftung besteht seitdem aber weiter. Bisher habe die Regierung von Oberbayern keinen Nachweis, ob es zur Bestellung der Stiftungsorgane kam und das Vermögen überwiesen wurde, hieß es am Donnerstag. Die Bezirksregierung fragte deshalb bei Beisheims Vertreter Erich Greipl nach. "Die Stiftung hat mit staatlicher Anerkennung als juristische Person grundsätzlich Anspruch auf Übertragung des zugesagten Stiftungsvermögens", erläuterte Thomas Huber, Sprecher der Regierung von Oberbayern.

Vor einer Aufhebung müsse erst geprüft werden, ob die Stiftung auf andere Weise erhalten werden könne und ob etwa eine Umwandlung des Stiftungszwecks in Betracht komme. "Es ist eine sehr komplexe Prüfung, die einige Zeit in Anspruch nehmen kann", so Huber. Sollte die Regierung von Oberbayern die Stiftung nicht aufheben, muss Beisheim die zehn Millionen Euro einzahlen. Wie das Geld dann eingesetzt würde, müsste der Stiftungsvorstand entscheiden.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel forderte im "Münchner Merkur", dass Beisheim zur Not zur Zahlung gezwungen werden müsse. Es könne nicht sein, sich durch Tricks daran vorbeizumogeln.

agö/AFP/dpa



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